Frostkerzen im Obstbau Mit Feuerschein gegen die Kälte

...Obstbauern kämpfen mit einer ganz speziellen Methode dagegen an.  Foto: privat 5 Bilder
...Obstbauern kämpfen mit einer ganz speziellen Methode dagegen an. Foto: privat

In Waiblingen wurde die Feuerwehr wegen lodernder Flammen gleich zweimal auf Obstplantagen gerufen. Der vermeintliche Brand entpuppte sich dann aber als wirksame und fotogene Maßnahme gegen den Frost.

Fellbach: Simone Käser (sk)
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Rems-Murr-Kreis - Frühes Aufstehen und wenig Ruhezeiten, das kennt Martin Wilhelm gut. Doch das, was gerade notwendig ist, um die blühenden Obstbäume vor dem späten Frost zu schützen, findet auch der Chef des Obst- und Weinbaubetriebs aus Stetten in der Gemeinde Kernen ganz schön anstrengend. Seit Anfang der Woche, als die Nächte zunehmend frostig wurden, klingelt bei dem Obstbauern und seiner Familie regelmäßig zur Schlafenszeit der Wecker. Dann geht es raus auf die Obstplantagen, um dort Frostkerzen anzuzünden und die jungen Triebe so vor dem Erfrieren zu retten. „Meistens schauen wir vor dem Zubettgehen noch mal nach der Temperatur und dann um drei, halb vier morgens wieder“, sagt Wilhelm.

Die Frostkerzen fassen zehn Liter Paraffin

Hat es Minusgrade, heißt es schnell aufstehen und dick einpacken. In der Nacht auf Mittwoch hat das Thermometer minus 1,8 Grad gezeigt, als die Rettungsaktion losging, die dann bis circa 8 Uhr in der Frühe dauerte. „In der letzten Nacht ging es dann gegen sechs Uhr noch runter bis auf minus 3,6 Grad“, sagt Wilhelm, der im vergangenen Jahr das erste Mal Frostkerzen – große Zehn-Liter-Eimer gefüllt mit Paraffinwachs – im Einsatz hatte. Mit Erfolg, wie der 45-Jährige betont.

Darauf, dass sich der anstrengende Einsatz lohnt, hofft Martin Wilhelm auch dieses Jahr. 140 Frostkerzen hat er aktuell nachts im Einsatz, und zwar auf einer Fläche von einem halben Hektar. „Insgesamt bewirtschaften wir sieben Hektar. Aber so viele Frostkerzen für so eine große Fläche wären in der Anschaffung einfach zu teuer“, sagt der Chef des Obstbaubetriebs.

Schließlich sei es auch immer ein Risiko, ob die Frostkerzen mit ihrem warmen Feuerschein, die blühenden Triebe vor dem Frost schützen können. Der Erfolg zeigt sich frühestens nach einigen Tagen. „Man muss beobachten, ob der Stempel erfroren ist und die Blüte schwarz wird. Manchmal zeigt es sich aber auch erst nach der Blüte, ob was reift“, sagt Wilhelm, der mit den Frostkerzen vor allem seine Kirschernte retten will. Mit den Kerzen könne die Temperatur um zwei bis drei Grad erhöht werden.

Die Lichter rufen die Feuerwehr auf den Plan

Ein beeindruckendes Schauspiel sind die vielen Lichter auf der dunklen Wiese in jedem Fall. Doch der Feuerschein kann die Feuerwehr auf den Plan rufen. So geschehen in Waiblingen. Dort ist die Feuerwehr gleich zu zwei Einsätzen gerufen worden, die sich als angezündete Frostkerzen entpuppten. „Deshalb darf man die Kerzen auch nicht alleine lassen“, sagt Wilhelm. Er hofft, dass der Frost bald rum ist, sonst gehen ihm die Kerzen aus. „Die nutzt gerade wohl jeder. Sie sind im ganzen süddeutschen Raum ausverkauft.“




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