Für Kinder und Erwachsene Kleine Spielsachen sorgen für große Sammlerfreude

Von Philipp Braitinger 

Historische Spielküchen und Puppenstuben stehen im Zentrum der Weihnachtsausstellung in Ebersbach.

Das Filigrane begeistert die Sammlerin Jeanette Zenko an den Spielsachen ebenso wie die Geschichten, die hinter den Exponaten stecken. Foto: Ines Rudel
Das Filigrane begeistert die Sammlerin Jeanette Zenko an den Spielsachen ebenso wie die Geschichten, die hinter den Exponaten stecken. Foto: Ines Rudel

Ebersbach - Die Sammelleidenschaft hat Jeanette Zenko schon vor vielen Jahren gepackt. Gemeinsam mit ihrem Mann Michael hat sie in ihrem Wohnort Marbach (Landkreis Ludwigsburg) Puppen, Modellautos und Papiertheater aus längst vergangenen Zeiten zusammengetragen. Der Schwerpunkt ihrer Sammlung sind historische Spielküchen und Puppenstuben. Die sind noch bis 2. Februar in der Weinachtsausstellung des Stadtmuseums Ebersbach, Martinstraße 10, unter dem Titel „Geliebtes Kinderspielzeug aus der Himmelswerksatt“ ausgestellt. Dass die sperrigen Spielsachen ausgerechnet zur Weihnachtsausstellung gezeigt werden, hängt damit zusammen, dass sie einst nur zu Weihnachten im Wohnzimmer aufgebaut wurden und am 6. Januar wieder für fast ein Jahr verstaut wurden.

Viele der Möbel sind selbstgemacht

„Man erkennt das Filigrane darin“, beschreibt Jeanette Zenko ihre Faszination für die Sammelstücke. Mit viel Liebe zum Detail wurden die Miniaturräume einst ausgestattet. Auf kleinen Kanapees sitzen Puppen in selbst genähten Kleidchen. Auch die Möbel in den Puppenstuben sind meist selbst gemacht. In speziellen Zeitschriften wurden gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Sägeschablonen für Spielzeugmöbel angeboten. „Die Puppenstuben wuchsen Jahr für Jahr. Es kam immer wieder etwas Neues hinzu“, erläutert Michael Zenko. „Es ist richtig toll gemacht, mit edlem Holz“, ergänzt seine Frau. Die Spielküchen warten mit viel Funktionalität auf. Auf den Herden für die Kinder konnte meist tatsächlich gekocht und manchmal sogar gebacken werden – im besten Fall nur unter Aufsicht der Eltern.

Denn ganz ungefährlich dürfte es nicht gewesen sein, wenn Kinder mit heißen Öfen hantierten. Doch irgendwie sind die Kinder von einst trotz der vermeintlichen Gefahren, denen sie aus Sicht vieler äußerst vorsichtiger Eltern der Gegenwart wohl ausgesetzt gewesen sein müssen, auch groß geworden. Die Sammlerin Zenko kann sich selbst noch gut daran erinnern, wie sie in ihrer Spielküche mit ihren Geschwistern während der Weihnachtszeit das Frühstück mit Eiern und Würstchen für die ganze Familie kochen durfte. Nun ist das Kinderspielzeug von einst im Museum ausgestellt. Auch ein kleines Waffeleisen gehörte zur Ausstattung vieler Spielküchen. „Wir haben als Kinder richtig damit gearbeitet. Ich habe so viele nette Erinnerungen daran“, sagt die Sammlerin.

Eine Spielküche von 1890

Die speziellen Spielsachen waren wertvoll und wurden oft über Generationen weitergegeben, berichtet Zenko. Inzwischen begegneten ihr aber immer wieder Menschen, die die Spielküchen nicht mehr wollten. „Die Enkel wollen nicht mehr damit spielen“, hört sie oft als Begründung. Zum Wegschmeißen sei vielen Menschen das historische Spielzeug aber zu schade. Bei Jeanette Zenko und ihrem Mann wissen diese Menschen das Spielzeug aus Kindertagen in guten Händen.

Das älteste Stück der Sammlung stammt aus dem Jahr 1890. Der Herd wird mit Gas betrieben, und mit einer Eisbombe konnte Speiseeis hergestellt werden. „So hat man das früher gemacht“, erklärt Jeanette Zenko. Über vier Generationen wurde die Spielküche genutzt, bevor sie in die Sammlung von Jeanette und Michael Zenko aufgenommen wurde, heißt es auf dem Informationsblatt neben dem Exponat. Nachdem das Spielzeug 1890 erstmals unter dem Weihnachtsbaum lag, wurde es demnach im Jahr 1902 der ältesten Tochter der Familie, Aline, als Mitgift zur Hochzeit gegeben.

So kam die Spielküche in die Hugenottenfamilie Clemens, wo sie für die damals 10-jährige Tochter Annelise im Jahr 1916 unterm Weihnachtsbaum lag. Später, im Jahr 1945, war es die kleine Gisela, die sich über das Familienerbstück freute. Sie gab die Küche in den 60er-Jahren an ihre Töchter Christine und Ulrike weiter, die eifrig mit einem zugekauften kleinen Elektroherd Pfannkuchen gebacken haben sollen. Später sei die Küche das ganze Jahr über aufgebaut gewesen.

Doch dass das Spielutensil ganzjährig genutzt wurde, war nicht die einzige Veränderung im Lauf der Jahre. Wie sich die Zeiten geändert haben, das zeigte sich auch im erweiterten Nutzerkreis der kleinen Spielküche. Zum Ende des 20. Jahrhunderts hin spielten mit Markus und Florian nämlich nun zwei Jungen damit. Immerhin sollen sie die Tradition des Pfannkuchenbackens weiter gepflegt haben.