Fußball-Historie: Serie Klaus Zinser: Allseits begehrte Offensivkraft

Klaus Zinser  wohnt schon sein halbes Leben lang        in Fellbach, über viele Jahre  hinweg war  er auch auf den Fußballplätzen der Stadt und  der Umgebung zu Hause Foto: Maximilian Hamm
Klaus Zinser wohnt schon sein halbes Leben lang in Fellbach, über viele Jahre hinweg war er auch auf den Fußballplätzen der Stadt und der Umgebung zu Hause Foto: Maximilian Hamm

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und in Kernen: Wir wollen in dieser Serie Akteure vorstellen, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Klaus Zinser, der in Schmiden, Oeffingen, Rommelshausen und auch beim SVF aktiv war.

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Fellbach - Wenn an diesem Samstagnachmittag die Fußballer des VfB Stuttgart in der Bundesliga beim FC Bayern München antreten, wird Klaus Zinser am Fernseher mit dabei sein. Er wird den Gästen die Daumen drücken, wie er das schon von Kindesbeinen an macht. Sein Vater war Ordner im damaligen Neckarstadion, der Sohn half aus und war somit dicht am Spielfeldrand. Beinahe hätte der heute 60-Jährige ja selbst einmal das Trikot des VfB Stuttgart getragen. In der Jugend, als er noch beim VfR Cannstatt und später bei der Spvgg Cannstatt gespielt hatte, kamen Späher vorbei. Sie hatten von dem talentierten Jungen gehört. Doch Klaus Zinser entschied sich für die bestehende Kameradschaft in seiner Mannschaft und gegen die Herausforderung in der Jugend des Bundesligisten. Seine Fußballkarriere nahm einen anderen Verlauf, dennoch einen beachtlichen.

Nach seiner Jugendzeit stieg Klaus Zinser beim Bezirksligisten TSV Schmiden um den Trainer Franz Walter ein. „Er war ein sehr guter Stürmer, wir mussten ihn zu uns holen“, sagt der damalige Abteilungsleiter Gerhard Pollok heute. Doch schon im Sommer 1982 ging die sportliche Reise des Stürmers weiter; sie führte ihn zur Spvgg Rommelshausen in die Landesliga. Und wieder eilte ihm der gute Ruf voraus. „Ein guter Mann. Als ich ihn neulich spielen sah, war ich begeistert“, hatte der damalige Spielertrainer Rolf Brazel vor der Verpflichtung gesagt. In Rommelshausen, wo er später „Kuno“ genannt wurde, bewies er umgehend seinen Torinstinkt. Am Ende seiner ersten Saison in Rommelshausen belegte er mit 31 Treffern den zweiten Rang in der Torschützenliste. In der Tabelle der Landesliga landete die Mannschaft ebenfalls auf dem zweiten Platz – hinter dem Verbund der TSG Backnang und weit vor dem SV Fellbach.

Beim VfR Aalen stoppte ihn eine Schulterverletzung

Auch in der folgenden Spielzeit war Klaus Zinser zumeist nicht zu halten. Am Ende war er dann auch von der Spvgg Rommelshausen nicht mehr zu halten; er wechselte zum VfR Aalen in die Oberliga, damals die dritthöchste deutsche Spielklasse. „Das war eine schöne Zeit, da bin ich mir das erste Mal wie ein Profi vorgekommen“, sagt Klaus Zinser. Vom Hauptsponsor hatte er zwei Taschen mit Kickschuhen, Trainingsanzügen und weiteren Utensilien mit nach Hause genommen. Allerdings warf ihn gleich nach seinem ersten Einsatz eine Schulterverletzung zurück. Anschließend hat er den Anschluss nicht mehr gefunden und wechselte Ende 1984, also mitten in seiner ersten Saison in Aalen, zurück nach Rommelshausen.

Es war nicht nur die Verletzung, die ihn zur Rückkehr bewog. Es war auch der große Aufwand mit viermal Training pro Woche, der sich nicht vereinbaren ließ mit seinen beruflichen Aufgaben. Und so fand er sich ein im Team um den Spielertrainer Johann („Buffy“) Ettmayer und Akteuren wie Jochen Pflüger, Peter Hörterich oder auch Reinhold Reichert. „Ich kann mich noch gut an die Kabinenfeste erinnern, das war eine tolle Zeit“, sagt Klaus Zinser.

Gute Erinnerungen an die Kabinenfeste in Rommelshausen

Doch auch diese Zeit dauerte nicht lange, denn es kam zu einem Treffen mit Karlheinz Bren, Vordenker beim TV Oeffingen. „Wir haben einen schönen Abend verbracht, und ich habe mein Kommen zugesagt“, sagt Klaus Zinser. In der Oeffinger Landesliga-Mannschaft um den Trainer Hans-Jürgen Schroff spielte er gemeinsam mit Klaus Meister, Ralph Baumeister oder auch Michael Kotz. Später auch mit dem jungen Antonio Guaggenti, der noch später mit der Spvgg Ludwigsburg in der Regionalliga und noch viel später als Trainer des TVOe aktiv sein sollte. „Den haben wir im Training geschliffen und gut hingebracht“, sagt Klaus Zinser und lacht. Wenig Grund zu lachen hatte er damals während seiner Oeffinger Zeit, denn sie war überschattet von einem Bänderriss in der Schulter, der ihn im Jahr 1987 monatelang im Krankenhaus hielt. Nach der Reha und einem kurzen Comeback auf dem Platz war es erneut die Schulter, die ihm Probleme bereitete – und die ihn schließlich zur Aufgabe zwang. So endete seine Karriere also in Oeffingen und in einer Zeit, in der er seinen Job wechselte und sich um seinen Sohn Christian, heute 34, kümmerte. Anfang der 1990er Jahre zog er mit seiner Frau Michaela, die ihn stets unterstützte, von Grunbach nach Fellbach; der zweite Sohn Philipp, 29, kam auf die Welt.

Doch der Fußball holte ihn dann wieder ein, als Jochen Pflüger, heute stellvertretender Abteilungsleiter, auf die Idee kam, ein Seniorenteam beim SV Fellbach aufzubauen. Selbstverständlich mit Klaus Zinser, den er noch aus der gemeinsamen Zeit bei der Spvgg Rommelshausen kannte. „Ich hab’s probiert, und es hat riesig Spaß gemacht, das war eine gigantische Gruppe“, sagt Klaus Zinser. Und erfolgreich war sie auch: Zweimal wurde das Team um den Trainer Roland Sandmeyer württembergischer Meister. Selbst im Alter von 45 Jahren hat er noch ausgeholfen. „Aber wenn wir dann freitags trainiert hatten, habe ich bis Montag gebraucht, um mich zu erholen. Vom Spaß her würde ich heute noch spielen“, sagt Klaus Zinser.

Heute ist er Geschäftsführer und Teilhaber einer Blechbearbeitungsfirma in Fellbach. Dem Fußball ist er jedoch verbunden geblieben. In gewöhnlichen Zeiten schaut er öfter beim SV Fellbach zu. Oder im Stadion dem Team des VfB Stuttgart. An diesem Samstag fiebert er auf der Coach mit; damals, in jungen Jahren, hätte er ja beinahe selbst einmal das Trikot des Bundesligisten getragen.




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