Fußball-Historie: Serie Und immer bleibt die Verbindung zur Scholle

Rainer Seibold hat nie im Max-Graser-Stadion Fußball gespielt, es wurde erst nach seiner Zeit eingeweiht, aber der 68-Jährige fühlt sich beim SV Fellbach daheim. Foto: Eva Herschmann
Rainer Seibold hat nie im Max-Graser-Stadion Fußball gespielt, es wurde erst nach seiner Zeit eingeweiht, aber der 68-Jährige fühlt sich beim SV Fellbach daheim. Foto: Eva Herschmann

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und in Kernen: Wir stellen in dieser Serie Akteure vor, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Rainer Seibold, 68, der beim VfB Stuttgart an einflussreicher Stelle mitgewirkt hat.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Fellbach - Der Großvater von Rainer Seibold, Gottlob Christian Hess, hat die Weingärtnergenossenschaft in Fellbach mitgegründet und war deren erster Vorsitzender. Sein Enkel hat auf dem grünen Rasen Eindruck hinterlassen. Der 68-Jährige hat in der Jugend beim VfB Stuttgart gespielt – mit Helmut Roleder, Klaus Jank, Rainer Adrion oder Markus Elmer. Anders als sie ist der Fellbacher kein Fußballprofi geworden, stattdessen hat es Rainer Seibold bis ins Präsidium des Fußball-Bundesligisten geschafft.

Gerhard Seibold, der Vater von Rainer Seibold, war ein Landwirt und durfte nicht wissen, dass seine beiden Söhne, auch der ein Jahr jüngere Manfred, beim SV Fellbach Fußball spielten. „Bauernbuben mussten schaffen. Aber unsere Mutter hat uns gedeckt. Immer wenn wir ins Training sind, sind wir offiziell zu unserer Großtante Emilie“, sagt Rainer Seibold. Doch dann traf Josef „Sepp“ Schmidt, der Trainer der beiden Seibold-Jungs, deren Vater im Rohrlandstüble. „Schmidt meinte zu ihm, dass seine Jungs gut Fußball spielen würden. In der Nacht haben mein Bruder und ich lieber bei Tante Emmi geschlafen“, sagt Rainer Seibold und grinst.

Kapitän beim VfB Stuttgart – in der B- und in der A-Jugend

Der Vater akzeptierte dann, dass die Söhne dem Ball nachjagten, und auch, dass Rainer Seibold in der B-Jugend zum VfB Stuttgart wechselte. Doch bei dessen Nachwuchs zählte die Herkunft ebenfalls was. „Ich war vom Land, ich musste mich durchsetzen, das hat mir für mein späteres Leben viel gebracht“, sagt Rainer Seibold, der im zweiten Jahr in der B-Jugend und später auch bei der A-Jugend Kapitän seiner Mannschaft war. In der württembergischen B-Jugendauswahl spielte er mit Uli Hoeneß, und nicht nur sportlich lief es für Rainer Seibold beim VfB rund. Heinz Bandke, der im Vorstand saß und zudem Direktor bei der SV Sparkassen-Versicherung war, ermöglichte dem Mittelfeldspieler, der nach der zehnten Klasse vom Friedrich-Schiller-Gymnasium abgegangen war, eine Ausbildung als Versicherungskaufmann. „Er ist bis heute ein wichtiger väterlicher Freund.“

Rainer Seibold wechselte zu den VfB-Amateuren. „Einmal in der Woche habe ich mit den Profis trainiert, und natürlich gab es Überlegungen, ob ich es nicht versuchen soll. Aber Heinz Bandke gab mir den Rat, ich solle lieber studieren. Also bin ich im Sommer 1973 auf die Fachhochschule nach Köln gegangen und habe meinen Diplom-Betriebswirt gemacht.“ Unter der Woche trainierte er mit der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln und fuhr an den Wochenenden nach Hause, um für die VfB-Amateure zu spielen. „Kölns Amateurtrainer Hans-Dieter Roos hat an mir gebaggert, also habe ich ein halbes Jahr beim 1. FC gespielt.“ Dann überredete Rudi Kornmayer, damals im Ausschuss der Fußballabteilung des SVF, seinen Freund, in der Saison 1974/1975 für seinen Heimatverein anzutreten. „Ich habe bewusst einen Schritt zurück gemacht“, sagt Rainer Seibold, der am liebsten als Libero auftrat. Schon nach einer Runde wechselte er für eine Saison zum GSV Maichingen in die damals zweite Amateurliga und kehrte dann wieder zurück nach Fellbach. Nach dem Aufstieg des SVF im Sommer 1977 in die Landesliga wurde bei Rainer Seibold Tuberkulose diagnostiziert. „Ich habe an dem Tag, an dem Elvis Presley starb, erfahren, dass ich was an der Lunge habe“, sagt Rainer Seibold.

Erinnerungen nicht nur an Gerhard Mayer-Vorfelder

Von Dezember 1977 bis Mai 1978 war er in einem Sanatorium im Schwarzwald. Den Fußball wollte er aber nicht aufgeben. „Hannes Löhr war auch wegen TB in Schömberg, ich habe mich bei ihm über den Wiedereinstieg in den Sport informiert.“ Erst aber machte Rainer Seibold die A- und B-Trainer-Lizenz, übernahm zunächst den Kreisliga-B-Vertreter TSV Birkach, dann den zweiten Verbund des SGV Freiberg. 1980 kehrte er genesen als Spieler zum SVF zurück. „Und jetzt durfte ich endlich Libero spielen.“

Eine noch bedeutendere Rolle als auf dem Rasen spielte Rainer Seibold, beruflich lange Geschäftsführer in der Versicherungsbranche, als Funktionär beim VfB Stuttgart. Von 1995 bis 2002 saß er im Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten. „Ich war damals einer der Jüngsten im Gremium.“ Und er war nicht ganz unbeteiligt daran, dass Rolf Rüssmann als Manager an den Neckar kam, der die Zeit der „Jungen Wilden“ mit ermöglichte, und am Präsidentenwechsel von Gerhard Mayer-Vorfelder zu Manfred Haas. „Ich musste das Protokoll schreiben, in dem wir Gerhard Mayer-Vorfelder mitgeteilt haben, dass der Aufsichtsrat ihn nicht mehr als Präsidenten vorschlagen wird. Ich habe danach eine Nacht nicht geschlafen.“

Zur Weinlese hilft er seinem Freund Gert Seibold

Fußballerisch, sagt Rainer Seibold, dessen Tochter Alexandra beim 1. FC Nürnberg die Medienarbeit verantwortet, hätte er vielleicht mehr aus sich machen können. „Aber ich bereue nichts.“ Die Verbindung zur Scholle hat Rainer Seibold, der in Asperg wohnt, auch nie verloren. Zur Weinlese fügt er sich bei seinem Freund Gert Seibold, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Weingärtner Fellbach, in die Reihe der Lesehelfer ein.




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