Fußball: Serie Der Leitwolf hält sein Versprechen

Martin Schneider blättert in alten Zeitungsartikeln über die  erfolgreiche Oeffinger Fußballzeit  in den  80er-Jahren, die er  entscheidend mitgeprägt hat. Foto: Eva Herschmann
Martin Schneider blättert in alten Zeitungsartikeln über die erfolgreiche Oeffinger Fußballzeit in den 80er-Jahren, die er entscheidend mitgeprägt hat. Foto: Eva Herschmann

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und in Kernen: Wir wollen in dieser Serie Akteure vorstellen, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Martin Schneider, 66, in den 80er-Jahren ein Schlüsselspieler beim TV Oeffingen.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Oeffingen - Martin Schneider war ein „ständiger Unruheherd bei Oeffingen“: So schrieb die Fellbacher Zeitung am 15. August 1983 unter ein Bild, das den namentlich genannten Fußballer beim 4:1 des TV Oeffingen gegen den VfL Winterbach in Aktion zeigte. Der Sieg in der ersten Runde des Bezirkspokals war der Auftakt zu einer Erfolgsserie, die für den TVOe zum Pokalsieg und Aufstieg in die Landesliga führte – und einen regelrechten Fußball-Boom im nördlichsten Fellbacher Stadtteil auslöste. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatte Martin Schneider, der erfahrene Mittelfeldspieler.

„Martin Schneider war eine Schlüsselfigur im Oeffinger Spiel, vor allem dann auch in der Landesliga. Er war der Leitwolf, der mit gutem Beispiel vorangegangen ist. Er musste nicht viel reden, aber wenn er die Ärmel hochgekrempelt hat, wussten alle, dass sie jetzt Gas geben müssen. Außerdem ist er Oeffinger“, sagt Michael Bren, der Leiter der Fußballabteilung. Seine beiden mittlerweile verstorbenen älteren Brüder Karlheinz Bren, damals Abteilungsleiter der TVOe-Fußballer, und Wolfgang Bren, damals Spielleiter, hatten maßgeblichen Anteil daran, dass Martin Schneider, der von der D- bis zur A-Jugend beim VfB Stuttgart gespielt hatte, in der Saison 1982/1983 zum Aufsteiger in die Kreisliga A kam.

Martin Schneider kam mit Helmut Lober zum TV Oeffingen

„Ich hatte Wolfgang Bren schon Jahre zuvor mal versprochen, dass ich, sollte ich wieder in Oeffingen wohnen, für den TVOe spiele“, sagt Martin Schneider. Als er 1981 dann von Waiblingen weg zurück in sein Elternhaus zog, ließen die Brüder Bren nicht mehr locker. Solange bis Martin Schneider, zusammen mit Spielertrainer Helmut Lober, vom VfL Waiblingen auf den Tennwengert wechselte. Denn die Oeffinger waren damals auch auf der Suche nach einem neuen Übungsleiter. „Ich habe Karlheinz Bren erklärt, dass er mit dem Lober nichts falsch machen kann, und ihn mitgebracht“, sagt Martin Schneider. Das Duo harmonierte auf und neben dem Platz. Letzteres bis heute. „Wir telefonieren mindestens einmal die Woche und tauschen uns über Fußball und Privates aus.“

Die Entscheidung für den TV Oeffingen, für den Martin Schneider insgesamt vier Jahre spielte und dessen Kapitänsbinde er in der Bezirksliga trug, habe er nie bereut. „Der Verein hatte ein gutes Führungsteam, das den Laden im Griff hatte, und weil bis zum damaligen Platzwart Hermann Mager alles gepasst hat, hatten wir so viel Erfolg.“ Auch im Pokal, in dem der TVOe in der Saison 1983/1984 zum Favoritenschreck avancierte. „Als Bezirkspokalsieger durften wir im württembergischen Pokal mitspielen und haben drei Landesligisten ausgeschaltet“, sagt Martin Schneider. Er war zuverlässiger Vorbereiter von Toren, traf selbst einige Male ins Netz und half mit, dass es der Kreisliga-A-Vertreter im WFV-Pokal bis in die Runde der letzten acht Mannschaften schaffte.

Der 66-Jährige war mit dem VfB deutscher A-Jugend-Meister

Beneidet wurden die Oeffinger, denen unter dem anfangs mitspielenden Trainer Helmut Lober nach dem Aufstieg in die A-Klasse der Durchmarsch bis zur Landesliga gelang, damals aber nicht nur um sportliche Meriten, sondern auch um ihr Publikum. In Oeffingen kamen teilweise 400 bis 600 Zuschauer zu den Heimspielen, erinnert sich Martin Schneider. Selbst dann, als die Begegnungen im Stadion in Schmiden oder in Fellbach ausgetragen werden mussten, weil sich der Rasenplatz auf dem Tennwengert noch im Bau befand. „Auf unsere Fans konnten wir uns verlassen, auch auswärts“, sagt Martin Schneider, der in Oeffingen meist das Trikot mit der Nummer sieben trug.

Dass Martin Schneider aus Oeffingen erst im Alter von 27 Jahren beim Turnverein seiner Heimatstadt anheuerte, hat triftige Gründe. „Als ich mit dem Fußball angefangen habe, gab es in Oeffingen nur Handball“, sagt Martin Schneider. Er hat die Jugendmannschaften beim Verein für Bewegungsspiele durchlaufen, mit der A-Jugend des VfB Stuttgart gewann er in der Saison 1972/1973 den deutschen Meistertitel. „Der VfB konnte es sich aussuchen, wem er einen Profi-Vertrag anbietet.“ Aus seinem Jahrgang gehörte Arno Schäfer aus Winnenden zu den Auserwählten. Der Abwehrspieler bestritt von 1973 bis 1979 insgesamt 85 Spiele für die erste Mannschaft der Schwaben. Martin Schneider lief derweil zweimal für die Amateure des VfB Stuttgart auf und entschied dann, sich auf seine Lehre als Drucker zu konzentrieren. „Es gab viele gute Spieler auf dem Wasen, und der Aufwand mit drei- bis viermal Training in der Woche war mir zu groß. Der öffentliche Personennahverkehr war auch noch nicht so gut ausgebaut wie heute.“

Später kehrte der Oeffinger zum VfL Waiblingen zurück

Fußballerisch fand er nach dem VfB eine Heimat beim VfL Waiblingen, der damals gerade aus der zweiten Amateurliga abgestiegen war und zu dem er nach seinen Oeffinger Jahren auch wieder zurückkehrte. Martin Schneider, der bei der Stadt Fellbach beschäftigt war, war zudem in der Sportgruppe der Verwaltung aktiv, die montags in der alten Turnhalle des Friedrich-Schiller-Gymnasiums trainierte. Die Fußballmannschaft habe bei zahlreichen Behördenturnieren im Kreis mitgemacht, erzählt der 66-Jährige. „Fellbach war damals Seriensieger.“

Ein Leben ohne Sport kann sich Martin Schneider, der auch gerne wandert, Ski und Rad fährt, bis heute nicht vorstellen. „Vor allem der Fußball hat mir viel gegeben. Ich habe viele Menschen kennengelernt, und die Disziplin, die man braucht, um jahrelang auf einem einigermaßen guten Niveau zu spielen, hat mich geprägt“, sagt der Oeffinger.




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