Politiker, Sportler und Co. haben sich zum Verbot der „One-Love“-Binde geäußert, deutsche Fußballnationalspielerinnen hingegen kaum. Stürmerin Laura Freigang findet jetzt allerdings emotionale Worte.

Volontäre: Lotta Wellnitz (loz)

Die Diskussion um das Verbot der „One-Love“-Kapitänsbinde bei der Fußballweltmeisterschaft in Katar ist das Thema der letzten Tage – auch bei der WM-Auftaktniederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Japan (1:2) am vergangenen Mittwoch.

Ob ARD-Experte Thomas Hitzlsperger, Ex-Nationalspieler Michael Ballack oder Vizekanzler Robert Habeck (Grüne), die Liste mit Personen des öffentlichen Lebens, die sich zur Debatte geäußert haben, ist lang. Statements von Spielerinnen der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft hingegen, gibt es nur wenige. Jetzt hat sich allerdings Stürmerin Laura Freigang in einem emotionalen Instagramposting zu Wort gemeldet.

„Auch mich beschäftigen die Ereignisse rund um die WM. Als aktive Spielerin stehe ich unter dem Dach der FIFA und möchte mich an dieser Stelle klar von den aktuell diskutierten Handlungen des Weltverbandes distanzieren“, beginnt die Spielerin von Eintracht Frankfurt ihren Beitrag und postet dazu ein Bild von sich mit der Regenbogenfahne im Hintergrund. „Das Alles hat leider nur noch sehr wenig mit dem zu tun, wofür der Fußball eigentlich stehen sollte: nämlich Fairness, Respekt, Integrität und Vielfalt.“, schreibt sie weiter.

Für die 24-Jährige sei Fußball ein Spiel „der Menschen - aller Menschen“ und werde spätestens dann politisch, wenn „diese einfache Grundlage völlig missachtet“ werde. Der Instagrambeitrag endet mit den Worten: „Für Menschen. Für Fußball“.

Innerhalb kürzester Zeit bekam der Post im Netz große Aufmerksamkeit. Am Donnerstag hatte er bereits über 56 000 „Gefällt-Mir-Angaben“. Auch Freigangs Nationalmannschaftskolleginnen Alexandra Popp, Lena Oberdorf und Sara Doorsoun signalisierten ihre Unterstützung, indem sie den Beitrag mit einem Emoji kommentierten, der klatschende Hände zeigt. Andere Nutzer schrieben Texte wie „Finde ich super wichtig! Danke für deinen mutigen, aber auch wichtigen Schritt!“ oder „Wieso kommen alle klugen Beiträge zu diesem Thema eigentlich immer von euch Frauen? Wollt ihr Neuer und Co. nicht mal coachen?“

Auch Magull und Schüller melden sich zu Wort

Bereits vor wenigen Tagen hatte sich auch Bayern-Spielerin Lina Magull zum Verbot der „One Love“-Armbinde geäußert und die Fifa kritisiert. „Die Fifa tut sich keinen Gefallen damit, gerade bestimmte Äußerungen zu tätigen, die die Menschen befriedigen sollen, aber überhaupt keinen Sinn ergeben; die einfach nur gesagt werden, damit was gesagt wird“, sagte die Nationalspielerin bei web.de: „Das ist wenig authentisch und nicht ehrlich, und das ist es, was nervt.“

Wie DFB-Kapitän Manuel Neuer hätte sie als Kapitänin der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft die „One-Love“-Binde wegen der drohenden sportlichen Konsequenzen durch die die Fifa wahrscheinlich auch nicht getragen. „Es wäre natürlich trotzdem ein schönes und wichtiges Zeichen gewesen, an der Binde festzuhalten, da diese eben ein starker Ausdruck nach außen ist. Auf der anderen Seite kann man es aus sportlicher Sicht nachvollziehen, wenn mit Sanktionen gedroht wird.“, sagte die Vize-Europameisterin, die das Gebaren der Fifa dennoch verurteilt.

Fokus auf Sport und kritischem Hinterfragen

Magull ist auch der Meinung, das Sportliche rücke in Katar wegen der Diskussionen um das Gastgeberland in den Hintergrund. „Man spürt das im ganzen Umfeld, dass da weniger Begeisterung und mehr Redebedarf ist. Dass mehr kritische Themen angesprochen werden“, sagte sie. Das DFB-Team müsse nun „einfach das Beste aus diesem Turnier machen, denn der Zug ist schon lang abgefahren.“ Ein Boykott bei der Vergabe der WM hätte laut Magull vielleicht einen Effekt gehabt. „Aber jetzt sitzen wir alle im selben Boot und müssen versuchen, den Fußball wieder mehr in den Vordergrund zu rücken und gleichzeitig kritisch die Dinge zu hinterfragen, anzusprechen und auch vor Ort etwas Gutes zu tun.“, sagte die Nationalspielerin.

Neben Magull hatte sich am vergangenen Dienstag eine weitere Fußballerin zur Debatte um die „One-Love“-Kapitänsbinde zu Wort gemeldet. Lea Schüller, Torjägerin des FC Bayern, kritisierte die Haltung der Nationalmannschaften in Bezug auf das Verbot der Binde. Neben dem DFB-Team waren zum Beispiel auch England und die Niederlande nach den drohenden Sanktionen der Fifa eingeknickt und verzichteten jetzt bei der WM auf das Tragen der Binde.

„Das ist natürlich nicht nur die Entscheidung der Spieler, da muss man auch die Verbände mit in die Verantwortung nehmen. Wenn man sagt, dass man die Kapitänsbinde tragen möchte, hätte ich es ein gutes Zeichen gefunden, wenn man sie getragen hätte“, sagte die Bayern Stürmerin und DFB-Nationalspielerin. „Ich weiß nicht, was die genauen Sanktionen sind. Trotzdem sind es große Fußball-Nationen gewesen, die sich zuerst dazu bereit erklärt hatten. Ich hätte es schon cool gefunden, wenn die sich gemeinschaftlich dazu entschieden hätten“, sagte Schüller, die für sich entschieden hat, die WM-Spiele nicht zu schauen.