„Gartenschau“-Rundgang in Waiblingen Sorge um die Zukunft der Talaue

Von Annette Clauß 

Trotz Regenwetter nehmen in Waiblingen rund 60 Bürger die Einladung der Stadtverwaltung zu einem Spaziergang zu Standorten von Gartenschau-Projekten teil.

Die Remsterrassen, die an der Erleninsel als Zugang zur Rems gebaut werden sollen, sind eines der Gartenschau-Projekte, die viel Zustimmung finden Foto: thiel
Die Remsterrassen, die an der Erleninsel als Zugang zur Rems gebaut werden sollen, sind eines der Gartenschau-Projekte, die viel Zustimmung finden Foto: thiel

Waiblingen - Keine Frage: Die Talaue liegt den Waiblingern am Herzen. Und so haben am Freitagnachmittag trotz Schmuddelwetter und Regen etwa 60 Menschen an einem Rundgang durch den Landschaftspark teilgenommen, der nach den Worten von Oberbürgermeister Andreas Hesky „der Ort ist, an dem die Gartenschau sichtbar werden soll“. Der Gemeinderat, so Hesky weiter, stehe nach wie vor hinter dem Grundgedanken der Gartenschau.

Dass einzelne Projekte des Gesamtpakets zumindest in der Bürgerschaft mal mehr, mal weniger umstritten sind, ist am Freitag jedoch deutlich geworden. Nicht jedem Bürger leuchtete beispielsweise ein, wieso das Umfeld der Rundsporthalle neu gestaltet werden und die Joggingstrecke teilweise verlegt werden soll. Doch diese Pläne wie auch die, zusätzliche Spielflächen am Seeplatz zu schaffen, wurden nur kurz und wenig kontrovers diskutiert.

Baubeschluss für Kunstlichtung ist schon gefallen

Anders die „Kunstlichtung“. Nicht jeder Teilnehmer formulierte es so eindeutig wie die Waiblingerin, die rundheraus fragte: „Wer braucht eigentlich die Kunstlichtung?“ Aber kritische Anmerkungen, insbesondere zur Kunstlichtung, musste sich die Verwaltung viele anhören bei dem Rundgang, den sie als „nächsten Schritt der Bürgerbeteiligung für die Remstal Gartenschau“ bezeichnet hatte. „Sie nehmen der Wiese den Charakter“ klagte ein Bürger, ein anderer befand, die geplante Pflanzung von rund 220 Silberweiden sei „völlig überflüssig“. „Große Teile der Wiese bleiben doch erhalten“, argumentierte die Baubürgermeisterin Birgit Priebe. Schließlich habe man die Kunstlichtung in den Plänen mittlerweile mehr an den Rand der Wiese gerückt.

Auch der Oberbürgermeister warb für die Kunstlichtung, denn diese sei „ein Projekt, weshalb es sich lohnen würde, nach Waiblingen zu kommen“. Der Baubeschluss dafür sei im Gemeinderat schon gefallen, sagte Hesky, der betonte, er halte es für wichtig, dass eine Stadt „Kurs hält und Linie fährt“. Gleichwohl habe man noch keine Fakten geschaffen: „Die Bäume sind ausgesucht, aber nicht bestellt.“ Ein Bürger meinte, die Idee, Kunst in den Außenbereich zu verlagern sei ja gut, aber das könne man doch auch durch Skulpturen erreichen, die Künstler aus der Region anfertigen. Eine Bürgerin kommentierte die Pläne, die Kunstlichtung für Lesungen und Gottesdienste zu nutzen, so: „Dafür sind doch jetzt schon Plätze vorhanden.“

Hoher Artenreichtum der Wiese

Neu war für einige auch, dass die Wiese in der Lichtung durch einen 60 Zentimeter breiten, plan im Boden versenkten Betonring begrenzt werden soll. Ob der nötig sei, so der OB, könne man noch diskutieren.

Der Landschaftsarchitekt Jürgen Stotz, der den Standort im Auftrag der Stadt untersucht hat, bescheinigte der Wiese einen hohen Artenreichtum. Es handle sich derzeit zwar nicht um eine magere Flachland-Mähwiese, bei extensiver Nutzung „könnte sie sich aber sehr gut entwickeln“. Die Silberweiden, die gepflanzt werden sollen, seien eine spezielle Züchtung, die nicht so groß und so breit werde, wie herkömmliche Bäume dieser Sorte. Der Kronenansatz sei in etwa drei Metern Höhe. Die Pflanzung der Bäume werde die Wiese nicht zerstören, aber verändern, erklärte Jürgen Stotz: „Es wird weniger Pflanzenarten geben.“