Alle sprechen von steigenden Gaspreisen. Führt das dazu, dass die Telefone von EnBW und Stadtwerken in der Region Stuttgart nicht mehr still stehen? Die Antwort fällt nicht einheitlich aus.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)

Noch ist es eine Rechnung mit Unbekannten, doch eines ist gewiss: Die Gasrechnungen werden höher ausfallen. Um wie viel, ist derzeit unklar. Zunächst wird sich auch noch nichts ändern für beispielsweise die Kunden der Filderstadtwerke in Filderstadt. Auch wenn alle gerade bange auf den Oktober blicken, so ist ihnen nach Angaben des Stadtwerke-Chefs Jan Meier bekannt, wie viel sie je Kilowattstunde Gas bis Ende Dezember 2022 bezahlen. Und was bereits bis Ende 2022 obendrauf kommt: die Gasumlage mit rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde. Laut einem Vorschlag des Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck sollte die Umlage von Ende Oktober an greifen – den neuesten Entwicklungen nach äußerte er allerdings grundsätzliche Bedenken bezüglich der Umlage.

So oder so, die Abschläge bleiben für die Kunden der Filderstadtwerke zunächst gleich. Wie hoch die Nachzahlung sein wird, die sich daraus ergibt, hat letztlich jeder Endverbraucher ein Stück weit selbst in der Hand. Denn die zu bezahlenden Kilowattstunden sind ja noch nicht verbraucht.

Jan Meier sagt, er baue durchaus auf die Sparsamkeit und die Weitsicht der Leute. Die Filderstadtwerke hätten Mitte August, kurz nachdem die Gasumlage beschlossen worden sei, Briefe versandt, in denen der zu erwartende Aufschlag durch die Umlage bekannt gegeben wurde.

Stehen seitdem die Telefone der beiden Kundenberater der Filderstadtwerke nicht mehr still? Von „vereinzelten Rückfragen“ spricht Jan Meier. Von einem Ansturm könne aber keine Rede sein. „Es ist alles überschaubar.“ Die Gaskunden seien offenbar „gut informiert“; durch das Schreiben der Stadtwerke, aber auch durch die Medien, mutmaßt er. Sein Kollege Peter Friedrich, Chef der Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen, berichtet ebenfalls, dass es bei ihnen ruhig sei. Womöglich die Ruhe vor dem Sturm? „Der Aufschrei wird erst im Oktober und November mit den Preisen fürs nächste Jahr kommen“, vermutet Friedrich.

Womöglich die Ruhe vor dem Sturm?

Die Stadtwerke Stuttgart berichten von sich häufenden Anfragen im Kundencenter. „Überrannt“ würden sie allerdings nicht, so eine Sprecherin. Die Leute interessieren sich vor allem für individuelle Abschlagsanpassungen, aber auch um Neuverträge, weil der bisherige Versorger gekündigt habe oder enorm teurer geworden sei. Was die Stadtwerke Stuttgart feststellen: „Unsere Ökostromkunden gehen bislang sehr sparsam mit Ökostrom um“, sagt die Sprecherin. „Der durchschnittliche Jahresverbrauch liegt mit 2400 Kilowattstunden weit unter dem bundesweiten Durchschnitt.“

Mehr Anfragen bei der EnBW

Etwas lebhafter geht es offenbar bei den Kundenberatern des Energiekonzerns EnBW zu. „Wir beobachten bereits seit Monaten einen Anstieg in der Zahl der Anfragen von Kundinnen und Kunden“, sagt der Sprecher Rashid Elshahed. Es gehe dann beispielsweise um laufende Verträge oder um Anpassungen der Abschlagszahlungen. „Wir erhalten zunehmend aber auch, oft im selben Gespräch, allgemeine Fragen zur Versorgungssituation und den Entwicklungen auf dem Energiemarkt.“ Die Kunden seien verunsichert. Immer öfters würden sie auch nach konkreten Energiespartipps fragen. Wie viele Kundinnen und Kunden letztlich durch die höheren Energiepreise in die Bredouille geraten werden, wird sich erst weisen müssen.

Der Dachverband der Stadtwerke – der Verband kommunaler Unternehmen – hatte erst vor Kurzem mitteilt, dass bisher lediglich ein Prozent der Gaskunden die Rechnungen nicht fristgerecht habe begleichen können. Aufgrund der Energiekrise rechne man bei den Stadtwerken jedoch bei acht bis sogar 15 Prozent der Kundschaft mit Zahlungsproblemen.