Gastgewerbe in der Krise Schick essen gehen trotz Corona-Pandemie

Auswärts essen, quasi ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen Foto: Symbolbild mauritius images / Alamy/Lisa F. Young
Auswärts essen, quasi ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen Foto: Symbolbild mauritius images / Alamy/Lisa F. Young

Ein Restaurantbesuch ist derzeit nicht möglich. Aber es gibt Alternativen. Familie Wegener vom Möhringer Hof geht neue Wege und lädt zum Wohnmobil-Dinner. Das ist mittlerweile ein deutschlandweiter Trend, in Stuttgart sind die Adressen aber noch rar.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Möhringen - Die Pandemie trifft das Gastgewerbe besonders hart. Wegen der hohen Infektionszahlen sind Restaurants seit vielen Wochen wieder geschlossen. Hotels dürfen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur Geschäftsreisende beherbergen. Darunter leiden auch das Ehepaar Wegener und ihr Team vom Möhringer Hof. „Wir befinden uns seit März letzten Jahres im Lockdown in der Stuttgarter Hotelwelt. Es fühlt sich an wie ein Berufsverbot und zwar von Anfang an“, sagt Birgit Wegener.

Der Möhringer Hof als Business-Hotel dürfe zwar geöffnet haben, aber das Business sei heruntergefahren, weil jede Möglichkeit für Homeoffice genutzt werden solle. Im Moment betrage die Belegung etwa 20 Prozent. „Das ist ein absoluter Spitzenwert in der jetzigen Situation. Wir hatten auch schon null bis fünf Prozent in den letzten Monaten. Es ist frustrierend, und wir bekommen keine Perspektive“, sagt Birgit Wegener.

Doch die Familie kämpft und probiert Neues aus. „Wenn Ihnen nahezu alle Zielgruppen wegfallen, dann gilt es, nachzudenken, das Geschäftskonzept auf den Kopf zu stellen und zu überlegen, was im Moment noch nachgefragt wird“, sagt Wegener.

Seit November bietet das kleine Hotel Take-away an, also Essen zum Mitnehmen beziehungsweise einen Lieferservice. Bei den Gästen komme das gut an. „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen. Das hat uns motiviert“, sagt Wegener. Über Weihnachten sei sie dann noch auf ein anderes Konzept aufmerksam geworden. Wer möchte, kann nun auch in seinem eigenen Wohnmobil vorfahren und sich vor Ort und dennoch in den eigenen vier Wänden einen schönen Mittag oder Abend machen und sich das Essen servieren lassen. Wohnmobil-Dinner oder kurz Wo-Mo-Dinner heißt dieser neue Trend.

Facebook-Gruppe „WohnmobilDinner“ hat mittlerweile 28 000 Mitglieder

Mehr über die Idee findet man im Internet unter womo-explorer.de. Bekannt geworden ist diese demnach dank Silja Garn. Die Frau aus dem Ortenaukreis sei selbst begeisterte Camperin und Wohnmobil-Besitzerin. Sie habe im vergangenen Herbst beschlossen, die bis dato noch wenigen Angebote für Wohnmobil-Dinner zu sammeln und weiter dafür zu werben. Dazu habe sie die Facebook-Gruppe „WohnmobilDinner“ gegründet, die binnen kurzer Zeit auf bis zu 29 000 Mitglieder angewachsen sei. In der Facebook-Gruppe stellen Gastronomen ihre Restaurants vor, oft mit Speisekarte. Inzwischen gibt es auch eine Liste und eine interaktive Karte auf der mittlerweile mehr als 800 teilnehmenden Restaurants deutschlandweit zu finden sind.

Das Ziel ist klar: Es geht darum, Gastronomen in der Corona-Krise zu unterstützen und gleichzeitig als Gast ein leckeres Essen und etwas Abwechslung zu bekommen. Dabei gelten ein paar Grundsätze. Die Wohnmobilisten melden sich bei den Restaurants an. Manche bestellen bereits das Dinner am Telefon oder online, andere wählen vor Ort aus der Speisekarte aus. Das Essen wird gut verpackt, aber auf Porzellan ans Wohnmobil gebracht. Denn es soll ein gediegenes Essen sein, und Verpackungsmüll soll vermieden werden.

Manchmal bringen die Wirte sogar Deko für den Tisch wie Kerzen und Blümchen. Die Gäste machen es sich in ihrem Wohnmobil gemütlich und genießen das Essen. Mindestens einer muss sich aber mit Alkohol zurückhalten, denn eine Übernachtung auf dem Restaurantparkplatz ist unzulässig, solange touristische Reisen verboten sind.

Wichtig sei es zudem, darauf wird auf der Internetseite und in der Facebook-Gruppe ausdrücklich hingewiesen, zu jeder Zeit die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Die Gäste müssten im Wohnmobil bleiben, das als privater Raum gelte. Die Servicekräfte dürften das Wohnmobil nicht betreten. Im Grunde sei es ein Lieferservice des Restaurants, nur statt an die Wohnungstür eben an die Wohnmobiltür. Zudem sollten die teilnehmenden Restaurants mit ihrem Ordnungsamt die Rahmenbedingungen vor Ort klären.

Die Feuerprobe ist ein Erfolg gewesen

Auch Birgit Wegener hat viel Zeit in die Vorbereitungen investiert. „Unser Kleinbetrieb braucht eine Perspektive“, sagt sie. Der Möhringer Hof ist in Stuttgart bisher eine der wenigen Adressen für ein Wohnmobil-Dinner, wenn nicht gar die einzige. Die Feuerprobe habe das Team bereits bestanden, sagt Wegener. Ein Pärchen sei mit seinem Wohnmobil vor Ort gewesen und habe dann sein Essen in den eigenen vier Wänden genossen.

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