Gastronomie auf den Fildern Erst kommt die Recherche, dann der Genuss

Tine und Fabian Englich gehen gerne gut essen. Wenn sie auswärts speisen, kommt es ihnen aber nicht auf einen Stern oder dergleichen an. Worauf legen sie Wert?

Fabian und Tine Englich  nehmen  auch eine längere Anfahrt auf sich, wenn sie in ein bestimmtes Restaurant  wollen. Foto: Rebecca Anna Fritzsche
Fabian und Tine Englich nehmen auch eine längere Anfahrt auf sich, wenn sie in ein bestimmtes Restaurant wollen. Foto: Rebecca Anna Fritzsche

Filderstadt - In seinem Handy hat Fabian Englich eine lange Liste an Restaurants. Restaurants, in denen er einmal essen gehen möchte. Freilich stehen darauf nicht nur Namen aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Europa und dem Rest der Welt. Plant der Filderstädter mit seiner Frau einen Städtetrip oder einen Ausflug in eine bestimmte Gegend, so ist die Aufgabenverteilung klar: „Ich kümmere mich um die Organisation und Planung“, sagt Tine Englich, „und Fabian kümmert sich darum, wo wir essen gehen“. Auch mithilfe der Liste im Telefon, „ich lese aber auch viele Restaurantkritiken, da kriegt man ein gutes Gefühl, was einem gefallen könnte“, sagt Fabian Englich.

Und was muss ein Restaurant haben, damit es auf die Liste kommt? „Das grundsätzliche Konzept muss uns interessieren“, sagt der 36-Jährige, „die Küche muss etwas Ausgefallenes haben, etwas, das heraussticht“. So erklärt er beispielsweise, warum Vincent Klinks Wielandshöhe für die beiden weniger interessant ist: „Dort wird sicher sehr gut gekocht, es gibt eine gehobene schwäbische Küche, aber die gibt es anderswo auch.“ Er mag es lieber originell, „verspielter“, meint er, auch was das Anrichten auf den Tellern angehe. Das kommt auch daher, dass er ambitionierter Hobbykoch ist und ab und zu zum „Secret Supper Club“ einlädt. Das ist eine Essveranstaltung im privaten Rahmen.

Warum Sterneköche Probleme haben

Die beiden gehören nicht zu den typischen Gästen in gehobenen Restaurants oder Sterneküchen – diese dürften in der Regel wesentlich älter sein. Das damit verbundene Problem für Sterneköche: Ihre Stammgäste altern, und es kommen zu wenig neue nach. Zu den Ideen, auch jüngeres Publikum anzulocken, gehören beispielsweise Menüs zu günstigeren Preisen mit Altersbegrenzung anzubieten. Nicht, weil das jüngere Publikum kein Wert auf feines Essen legt, vielen scheint aber ein Sechs-Gänge-Menü schlicht zu üppig und zu teuer zu sein, wie die „Süddeutsche Zeitung“ neulich berichtete.

Ob das Restaurant einen Stern hat oder nicht, ist für Tine und Fabian Englich kein Auswahlkriterium. „Wir achten aber sehr auf die Menüs“, erzählt die 30-Jährige, „wir schauen uns vorher die Internetseiten und die Speisekarten an und gucken, wie die Menüs sich zusammensetzen und ob man andere Optionen hat“. Gerade ihr Mann isst aber trotzdem oft das vom Restaurant vorgeschlagene Menü: „Dabei sieht man dann, ob das Menü so funktioniert, wie die Küche sich das gedacht hat“, sagt er. Gar nicht leiden können sie es, wenn auf den Speisekarten keine Preise stehen. „Wir wollen ja wissen, was auf uns zukommt“, sagt Tine Englich, „wenn ein Vier-Gänge-Menü 150 Euro kostet, dann muss sich das wirklich extrem lohnen“.

Die Stuttgarter Sternerestaurants sind für manchen zu teuer

Zu den Restaurants, die sie gemeinsam besucht haben, gehört etwa das Gourmetrestaurant Nico Burkhardt in Schorndorf, Burkhardt war lange Küchenchef im Olivo im Stuttgarter Hotel Steigenberger Graf Zeppelin und hat 2018 ein Boutiquehotel und zwei Restaurants eröffnet. Weitere Besuche haben sie in Brenners Parkhotel in Baden-Baden gemacht, in der „Kilian Stuba“ im österreichischen Kleinwalsertal bei Koch Sascha Kemmerer, im Goldberg in Fellbach, oder in der Linde in Pliezhausen. Auch die Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn haben sie besucht, vor Kurzem schon zum zweiten Mal, „das wollten wir unbedingt noch einmal machen“, sagt Fabian Englich. Ebenfalls zweimal waren sie Gäste im Berliner Restaurant von Tim Raue. „Mit den Stuttgarter Sternerestaurants“, sagt Tine Englich, „habe ich einfach ein Preisproblem“. Kaum gehe man in die Region, seien die Preise niedriger. Beiden ist klar, dass gehobene Küche, Sterneküche nicht günstig geht; qualitativ hochwertige Zutaten, Zubereitungsweise und gut ausgebildete Köche am Herd haben ihren Preis. „Wir wissen, dass da nicht mit großen Margen gearbeitet wird“, sagt Fabian Englich. Seine Frau sagt: „Trotzdem vergleichen wir natürlich – was haben wir für diesen Preis in einem ähnlich gehobenen Restaurant bekommen, und was bekommen wir hier?“

Und wenn die beiden ganz spontan abends auswärts speisen wollen? Dann gehen sie zu ihrem Stammitaliener, sagen sie. Der ist um die Ecke, es ist das Stadion-Restaurant an der Rundsporthalle in Bernhausen, „da ist es immer lecker“.