Geburtsklinik in Halle Blutproben von Neugeborenen manipuliert

Bei mindestens drei Blutproben soll es sich nicht um das Blut von Säuglingen gehandelt haben (Symbolfoto). Foto: imago/Frank Sorge/Foto: Sabine Brose/galoppfoto.de
Bei mindestens drei Blutproben soll es sich nicht um das Blut von Säuglingen gehandelt haben (Symbolfoto). Foto: imago/Frank Sorge/Foto: Sabine Brose/galoppfoto.de

In einer Klinik für Neugeborene in Halle sind offenbar Blutproben ausgetauscht worden. Bei einer Untersuchung in einem Labor kam die Manipulation ans Licht.

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Halle - In einer Klinik in Halle sind Blutproben von Neugeborenen verfälscht worden - möglicherweise über Jahre hinweg. Bei einer Laboruntersuchung in Magdeburg sei am 5. Oktober festgestellt worden, dass es sich bei drei der eingereichten Proben aus der Geburts- und der Kindermedizin der Klinik nicht um das Blut von Säuglingen, sondern von Erwachsenen handelte, teilte das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara am Dienstag in Halle mit. Die Laborbefunde wiesen demnach sehr wenig fetales Hämoglobin, also roten Blutfarbstoff eines Un- oder Neugeborenen, auf. Eine in der Klinik beschäftigte Person soll einem Brief des Direktoriums zufolge für die Manipulationen verantwortlich sein.

Das Neugeborenen-Screening dient den Angaben zufolge der Früherkennung etwa von angeborenen Stoffwechseldefekten. Ziel ist es, den erkrankten Kindern frühzeitig durch eine Therapie oder Diät eine normale Entwicklung zu ermöglichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass durch die Manipulation bei vielen Kindern eine Erkrankung unerkannt blieb, ist nach Angaben der Klinik gering. Statistisch gesehen käme auf 1000 Geburten ein Kind mit einem positiven Befund. Man gehe aktuell von rund 800 Proben aus, die verfälscht worden sein könnten, so ein Sprecher des Krankenhauses.

Person soll vorsätzlich gehandelt haben

Seit dem 1. Oktober wird gesetzlich verpflichtend ein neues Screening-Parameter miteinbezogen. Daher waren bei früheren Proben keine Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Bei einer Nachuntersuchung mit dem neuen Parameter konnten weitere acht Proben, sogenannte Rückstellproben zur Qualitätssicherung, als Blut von Erwachsenen identifiziert werden.

Eine in der Klinik beschäftigte Person soll vorsätzlich gehandelt haben. „Nach dem derzeitigen Stand unserer Nachforschung, dem Gespräch mit einer im Krankenhaus tätigen Person und behördlichen Ermittlungen gehen wir davon aus, dass die Blutproben durch diese Einzelperson bewusst verfälscht bzw. manipuliert worden sind“, heißt es in einem Brief des Direktoriums an die Mitarbeiter, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das genaue Motiv ist nicht bekannt. Seit Mitte des Monats befindet sich die Person nicht mehr im Dienst. Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft haben den Angaben zufolge die Ermittlungen aufgenommen.

Die Person war seit 2013 in dem entsprechenden Bereich eingesetzt. Die Klinik werde in den kommenden Wochen mögliche betroffene Familien benachrichtigen und zu einer Nachuntersuchung einladen.




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