Schon zu Lebzeiten ist er eine schwäbische Legende: Walter Schultheiß feiert an diesem Dienstag seinen 97. Geburtstag. Wir sprachen mit dem großen Schauspieler über Gnade, Glück, Humor und seine größte Freude im Alter.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Er gilt als Vorzeige-Schwabe, bescheiden, pointensicher, kantig, knitz. Von seinen Landsleuten wird Walter Schultheiß wie ein Volksheld verehrt. Wir haben dem großen Schauspieler am Telefon zum 97. Geburtstag sowie zum 71. Hochzeitstag mit seiner Trudel Wulle gratuliert und ein kurzes Interview mit ihm geführt.

Lieber Herr Schultheiß, mit 97 Jahren, das kann sich jeder vorstellen, ist das Leben eine Herausforderung. Worüber freuen Sie sich am meisten noch?

Am meisten freu’ ich mich, dass ich mich morgens allein anziehen kann. Und ich freu’ mich auch über die Sonne, wenn sie scheint, über den Flieder und Magnolien, wenn sie blühen, über die Familie und meine Trudel, die gerade aussieht, als habe sie einen Boxkampf mit Klitschko geführt.

Was ist passiert?

Ein Äderchen an ihrem Auge ist geplatzt. Sie weiß ja: Veilchen sind meine Lieblingsblumen.

Ach so, ein Geschenk ist’s von Ihrer Frau Trudel Wulle, mit der Sie den 71. Hochzeitstag feiern. Was ist im Haus Schultheiß in Wildberg am doppelten Fest geplant?

Wir trinken Kaffee mit der Familie, wenn es das Telefon zulässt, es wollen viele gratulieren. Es gibt Schwarzwälder Kirschtorte und Zwetschgenkuchen, von unserem Sohn Götz selbst gekauft.

„Es ist eine Gnade, wenn man 97 wird“

Wie geht es Ihnen?

Altersgemäß. Es ist eine Gnade, wenn man 97 Jahre alt ist. Ich hatte viel Glück im Leben, bin per Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist, was damals selten war. Trotz des Glücks war es oft auch sehr schwer.

Sie denken an den Krieg?

Mit 18 musste ich zum Russlandfeldzug. Eine Woche vor Kriegsende traf mich eine Kugel. Nach der Genesung sind wir, zurück in der Heimat, abgemagert durchs Land gefahren, bei Vereinen und beim Roten Kreuz auf deren Bühne kostenlos aufgetreten, es war kein Geld da.

Wie wird man 97?

Es gibt nur ein Rezept: Man muss einfach länger leben. Und alles in Maßen zu sich nehmen, nicht nur mit Maßkrügen.

Und jetzt geht’s in Richtung 100?

Darüber mach’ ich mir keine Gedanken. Man muss annehmen, was kommt.

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