Gefährlicher Pilz Droht der beliebtesten Banane das Aus?

Von Kerstin Viering 

Ein gefährlicher Pilz bedroht den kommerziellen Anbau der beliebten Cavendish-Bananen. Ein gutes Gegenmittel gibt es noch nicht.

Die Cavendish-Banane hat derzeit die größte wirtschaftliche Bedeutung.   Foto: J. Blümer/Wikimedia
Die Cavendish-Banane hat derzeit die größte wirtschaftliche Bedeutung.   Foto: J. Blümer/Wikimedia

Kassel - Der Eindringling ist über die Wurzeln aus dem Boden gekommen. Unaufhaltsam hat er sich in den Leitungsbahnen der Bananenstaude breitgemacht und unterbricht nun den Wasser- und Nährstofftransport – mit schwerwiegenden Folgen: Die Pflanze lässt die Blätter hängen und vertrocknet. Wieder einmal hat damit ein Erreger zugeschlagen, der für die Bananenindustrie rund um die Welt zum Albtraum geworden ist. Vor knapp zwanzig Jahren ist der Schlauchpilz Fusarium oxysporum in einer neuen Variante aufgetaucht, die Fachleute „Tropical Race 4“ (TR4) nennen. Und die macht nun ausgerechnet der kommerziell wichtigsten Bananensorte Cavendish sehr effektiv den Garaus. Wirksame Gegenmittel gibt es bis jetzt nicht. Und so dürfte sich für die Fans der gelben Früchte künftig einiges ändern. „Bananen werden nicht aus den Supermärkten verschwinden“, meint der Agrarökologe Andreas Bürkert von der Universität Kassel. „Aber sie werden anders schmecken und nicht mehr so billig sein.“

Angefangen hat der Siegeszug von TR4 1990 in Südostasien, seither hat der Pilz auch in Ostafrika und im Mittleren Osten Fuß gefasst. Und es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis er auch die wichtigen Bananen-Exportländer in Süd- und Mittelamerika erreicht. „Dazu braucht er nur ein bisschen Erde an den Wanderschuhen eines Touristen“, sagt Andreas Bürkert. Wenn die tückischen Sporen von Fusarium oxysporum nämlich erst einmal im Boden stecken, können sie dort Jahrzehnte überdauern. Zwar empfiehlt die Welternährungsorganisation FAO strenge Quarantäne-Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Dass diese den Vormarsch tatsächlich dauerhaft stoppen können, bezweifeln Experten allerdings. „Wir müssen deshalb künftig auf Bananen setzen, die besser mit dem Pilz zurechtkommen“, sagt Andreas Bürkert.

Der Pilz hat sich verändert

Diese Strategie hat schon einmal zum Erfolg geführt. So lagen in den Supermarkt-Regalen Europas und Nordamerikas bis zum Jahr 1960 fast nur Früchte der Sorte Gros Michel. Dann aber wütete eine andere Rasse des Pilzes in den Plantagen Lateinamerikas, und der Anbau brach durch diese sogenannte Panamakrankheit fast komplett zusammen. Damals konnte die Bananenindustrie kurzfristig auf Cavendish umsteigen. Da diese Sorte den Befall vertrug, schien das Problem damit gelöst zu sein. Doch nun hat sich der Pilz verändert und attackiert die scheinbar widerstandsfähige Alternative.

Die aber dominiert inzwischen den kommerziellen Anbau. Denn sie lässt sich problemlos in noch grünem Zustand ernten und wochenlang transportieren. Am Bestimmungsort muss man sie dann nur mit Ethylen begasen und die Temperatur erhöhen – schon reift die ganze Ladung völlig gleichmäßig nach. „Es gibt im Moment keine andere Bananensorte, die das so gut kann“, sagt Andreas Bürkert. Dadurch aber sind die Früchte zur absoluten Monokultur geworden. Ob auf den Philippinen, in Mosambik oder Ecuador: Cavendish, wohin man schaut.

Zu allem Überfluss besitzen die Pflanzen auch noch ein einheitliches Erbgut. Das liegt daran, dass sich die essbaren Bananensorten nicht auf sexuellem Weg fortpflanzen können, weil sie keine Samen produzieren. Also funktioniert die Vermehrung nur über Ableger – und die sind genetisch genaue Kopien ihrer Mutterpflanze. Entsprechend anfällig ist der Bananenanbau für Krankheiten: Wenn ein Erreger bei einer Staude eine Schwachstelle gefunden hat, kann er auch alle anderen vernichten.