Auf seiner Deutschlandtournee macht Joo Kraus in Sindelfingen Station. Beim Auftritt des Trompeters ist der Pavillon mit 60 Gästen für Corona-Verhältnisse gut gefüllt.

Sindelfingen - Nach der Wednesday Session am vergangenen Mittwoch stand mit Joo Kraus am Samstag der erste große Name im Programm der IG Kultur. Gerade auf einer Deutschlandtournee unterwegs, trat er nach einem Auftritt Hannover in Sindelfingen auf. Mit 60 Gästen war der Pavillon für Corona-Verhältnisse gut gefüllt.

Bei der Veranstaltung galt die 3-G-Regelung. Zudem herrschte Maskenpflicht. „Das wurde als lästig, aber hinnehmbar empfunden“, sagt Hilmar Kallweit, der stellvertretende Vorsitzende der IG Kultur. Ab Ende Oktober will der Sindelfinger Kulturverein auf 2-G umstellen, also nur noch Geimpfte und Genesene zulassen. „Dann fällt nämlich die Maskenpflicht weg und die Veranstaltungen verlaufen so deutlich entspannter“, erklärt Kallweit.

Gern gesehener Gast im Pavillon

Klaus Haidle begrüßte als Vertreter der IG Kultur das Publikum und die Band. „Joo Kraus hat ja eine enge Verbindung mit dem Pavillon und ist hier ein sehr gern gesehener Gast“, sagte Haidle. An diesem Abend war der Trompeter mit seinem Trio Tales in Tones unterwegs, das mit Ralf Schmid (Piano, Keyboards), Veit Hübner (Bass) und Torsten Krill (Drums) hochkarätig besetzt ist.

Bereits mit dem ersten Stück „We are doing well“ zeigte Joo Kraus seine Vielfältigkeit und Variabilität. Der Trompeter überrascht das Publikum immer wieder mit neuen Wendungen der Melodie- und Rhythmuslinien. Flächige Soundkollagen wechseln sich mit groovigen Licks ab. Dazu kommt die Stimme von Joo Kraus, oft durch elektronische Effekte verfremdet – und natürlich seine meisterhaft gespielte Trompete, mal mit, mal ohne Dämpfer, mal mit Hall und Echo, mal sogar mit Flanger und Wahwah wie bei einer E-Gitarre. Trotz aller technischen Raffinessen kommen bei diesem begeisternden Auftritt Feeling und Dynamik nicht zu kurz. Beim Stück „Love“ wird der Pegel so zart und leise, dass sogar die neu installierte Lüftungsanlage des Pavillons akustisch zur Geltung kommt.

Bandmitglieder glänzen bei Solopassagen

Dabei tritt der Star des Abends immer wieder in den Hintergrund, wenn das Trio zu Solopassagen loslegt. Ralf Schmid holt alles aus seinen insgesamt vier Tasteninstrumenten raus: Akustisches Klavier, Fender Rhodes E-Piano und zwei kleine Korg-Synthesizer erzeugen mit seiner Hilfe ein faszinierendes Klangfeuerwerk. Veit Hübner, Bassist aus einer Musikerfamilie in Korntal, brilliert durch sein kraftvoll grooviges Spiel. Der Stuttgarter Drummer Torsten Krill ergänzt sich sehr gut mit dem Basser. Mal funkt, swingt und rockt er, mal streichelt er die Becken und nutzt dabei Ständer und Trommelränder zur Tonerzeugung.

Nach zwei Sets, unterbrochen von einer halbstündigen Pause, schließt Joo Kraus die geplante Setlist mit seinem Stück „We are the World“ ab. Dies hat nichts mit dem bekannten Popsong zu tun, ist aber nicht weniger spannend und nach Art des Komponisten deutlich abwechslungsreicher.

Krönender Abschluss

Mit anhaltendem Applaus erklatscht das Publikum im Sindelfinger Pavillon sich eine Zugabe. Der gefühlvolle Song „Estate“ von João Gilberto krönt den Auftritt und lässt ihn gleichzeitig ruhig ausklingen.

Die Antwort auf die Frage, ob diese Musik denn nun Jazz ist, gibt Joo Kraus selbst: „Ich habe mich tatsächlich nie einer bestimmten Musikrichtung verschrieben und dem Jazz auch immer weniger“, sagt der Trompeter. „Mir ist Musik wichtig, die berührt, Inhalte transportiert und immer eine Brücke zum Zuhörer baut“, betont Joo Kraus.

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