InterviewGehaltscheck Stuttgart Was verdient ein Elektrotechniker?

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Menschen wie Sven Traub ist es zu verdanken, dass die Internetverbindung steht, die Heizung läuft und Autos beim Einparken helfen. Der gefragte Elektrotechniker aus Stuttgart verrät uns, was ihm an seinem Beruf gefällt, was er nicht mag und wie viel Geld er damit verdient.

Es gibt fast keinen  Lebensbereich mehr, der ohne Technik auskommt: Sven Traub arbeitet seit 2011 bei der Firma Friess + Merkle aus Stuttgart. Seit 2019 ist er Meister der Elektrotechnik. Foto: StZN/Jonas Schöll
Es gibt fast keinen Lebensbereich mehr, der ohne Technik auskommt: Sven Traub arbeitet seit 2011 bei der Firma Friess + Merkle aus Stuttgart. Seit 2019 ist er Meister der Elektrotechnik. Foto: StZN/Jonas Schöll

Stuttgart - Egal ob Lichtschalter, Klimaanlage oder Telefonanschluss – Elektronik umgibt uns fast überall im täglichen Leben. Die meisten Menschen genießen die Vorzüge der Technik – ohne wirklich Ahnung davon zu haben, wie all das funktioniert. Deshalb sind Menschen wie Sven Traub sehr gefragt.

Der 34-Jährige ist Meister für Elektrotechnik bei der Firma Friess+Merkle im Stuttgarter Westen. Der Plochinger plant, montiert, installiert, wartet und repariert elektrische Anlagen. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Aufträge: Heizung defekt, Sprechanlage einrichten, ein Haus mit dem Internet verbinden.

Elektrotechniker haben viele Aufgaben

Die Branche zählt zu den Konjunkturlokomotiven im Handwerk in Baden-Württemberg. Die Stuttgarter Firma ist eine von rund 50 600 Betrieben des sogenannten Ausbaugewerbes im Südwesten – dazu gehören Installateure, Heizungsbauer, Maler und eben Elektrotechniker.

In unserem Gehaltscheck Stuttgart verrät Elektrotechnik-Meister Traub, warum der Beruf sein Traumjob ist, womit er bei seiner Arbeit zu kämpfen hat – und was am Ende des Monats auf seinem Gehaltszettel steht.

Welche Kommentare kommen als erstes, wenn Sie auf einer Party von ihrem Beruf erzählen?

Kommentare kommen generell weniger zum Beruf direkt. Wie bei jedem anderen Handwerker werden eher technische Fragen gestellt oder gleich Aufträge vergeben. Deshalb vermeide ich es – außerhalb meines Freundeskreises – in der Freizeit über meine Arbeit zu reden. Natürlich zeugt das Interesse großer Wertschätzung des Berufs, jedoch vergessen viele Menschen, dass auch Handwerker Feierabend beziehungsweise ein Wochenende haben.

Was gefällt Ihnen am Beruf Elektrotechniker?

Am meisten gefällt mir, dass man letztlich ein Ergebnis seiner Arbeit sieht. Ist man gewillt, in diesem Beruf Eigeninitiative zu zeigen und ist lernfreudig, kann man ohne diverse Schulungen oder Weiterbildungen ein großes Spektrum der Sparte abdecken. Dies ermöglicht die variabelsten Einsatzgebiete – von der einfachen Installation einer Steckdose über Telekommunikationslösungen wie die EDV oder Telefonanlagen bis hin zu Aufgaben, die man noch nie angetroffen hat.

Was sind die schönen Seiten ihrer Arbeit?

Als schöne Seite würde ich den Kundenkontakt in verschiedenster Art und Weise nennen. Dadurch entsteht keine Monotonie im Job und man sieht oft den Background, den man sonst nicht sieht. So kann man eine Vorstellung bekommen, wie auch in anderen Betrieben und Haushalten der Alltag abläuft. Am schönsten ist es, wenn man seine Arbeit erledigt hat, die Kundschaft zufrieden ist und man sich freut, dass man helfen konnte.

Gibt es auch Dinge, die Sie an ihrem Beruf nerven?

Am nervigsten sind schlechte Planung, Zeitdruck und die Uneinsichtigkeit mancher Kunden in Bezug auf die Vorschriften, die wir einhalten müssen. Der schlimmste und wahrscheinlich am meisten gehasste Kommentar an einen Elektriker ist: „Wieso geht das so nicht mehr, ging die letzten 30 Jahre doch auch? Können Sie das nicht einfach kurz so machen?“ Leider verstehen die Kunden oft nicht, dass die Vorschriften und Regeln der Verbesserung ihrer Sicherheit dienen und wir sie befolgen müssen. Die Regeln werden schließlich nicht von uns gemacht, um Profit abzugreifen.

Welche Eigenschaften muss man für den Job mitbringen?

Freundlichkeit, Interesse, Teamfähigkeit, technische Begabung würde ich als Haupteigenschaften sehen. Je mehr man von diesen Punkten aufweisen kann, desto leichter bewältige ich diesen Job.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus?

Als ich noch Monteur war, wurde ich von meinem Chef in die Aufträge eingewiesen. Je nach Umfang der Tätigkeiten manchmal vor Ort, manchmal in der Firma. Anschließend wurde das erforderliche Material eingeladen und der Auftrag erledigt. Reparaturen oder Kundendienste habe ich zu 85 Prozent selbst koordiniert und abgewickelt. Seit meiner bestandenen Meisterprüfung arbeite ich vermehrt im Büro, besichtige potenzielle Baustellen, erstelle Angebote und Rechnungen, bin zuständig für die Auszubildenden, plane Termine für die Monteure und bestelle oder kommissioniere Material. Teilweise bin ich als Springer tätig oder kümmere mich um die etwas „spezielleren“ Aufträge.

Wie viel verdienen Sie in ihrem Beruf?

In unserer Firma werden wir nach Tarif bezahlt. Dieser liegt bei einem Gesellen zwischen 2400 und 3600 Euro brutto, bei einem Meister zwischen 3300 und 4500 Euro brutto. Der Stundenlohn variiert je nach Einstufung und Betriebszugehörigkeit.

Wie hoch kann das Gehalt steigen?

Generell kann das Gehalt so hoch ansteigen, wie man seinem Chef wert ist. Je eigenständiger man arbeitet und je umfangreicher das Wissen ist, desto wertvoller ist ein Mitarbeiter.

Finden Sie das Gehalt fair und kann man davon gut leben?

Für einen kleineren Betrieb wie meinen finde ich das Gehalt passend. In meiner Heimatstadt Plochingen kann man von diesem Gehalt gut Leben und am Ende des Monats ist auch noch Geld auf dem Konto. Somit ist es möglich, sich Hobbys oder Reisen sehr gut zu ermöglichen.

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