Geislingen-Aufhausen Dorf putzt sich heraus

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Jeder Vierte will am Dorfladen Anteile zeichnen, und das kleine Pflegeheim wird von einem Verein betrieben: In Aufhausen steht es gut um den Gemeinsinn.

Der Ortsvorsteher Ludwig Kraus  packt gemeinsam mit den Bürgern Projekte an,  um das Leben im Dorf attraktiver zu gestalten. Foto: Rudel
Der Ortsvorsteher Ludwig Kraus packt gemeinsam mit den Bürgern Projekte an, um das Leben im Dorf attraktiver zu gestalten. Foto: Rudel

Geislingen - In einem 90 Quadratmeter kleinen Gymnastikraum voller Seitenstreben tummeln sich die Jüngsten beim Schulsport und die Sportakrobaten vom Sportverein Geislingen-Aufhausen. Von einer Sporthalle könne angesichts der kleinen Fläche keine Rede sein, sagt der Ortsvorsteher Ludwig Kraus. Er setzt sich für den Neubau einer Mehrzweckhalle in dem Geislinger Ortsteil ein und möchte, gemeinsam mit den rund 940 Bewohnern, die dörfliche Infrastruktur aufwerten.

Seit 25 Jahren steht die Halle auf der Wunschliste

Schon seit 25 Jahren wünschen sich die Bewohner der Albgemeinde eine richtige Halle. Der Traum könnte nun Wirklichkeit werden: Aufhausen wurde in das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) aufgenommen, das das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz anbietet. Profitieren sollen davon der geplante Dorfladen und einige private Projekte zur Ortsverschönerung. Herzstück könnte jedoch die erwähnte Sport- und Mehrzweckhalle werden, die Aufhausen mit dem Nachbarort Türkheim nutzen möchte.

Schon lange pflegen die beiden Geislinger Ortsteile enge Beziehungen, auch weil die Türkheimer Kinder die Grundschule in Aufhausen besuchen. Die ersten Entwurfsskizzen für eine Halle liegen bereits in der Schublade, aber immer wieder mussten Verwaltung und Gemeinderat die Bürger vertrösten: Der auf 2,3 Millionen Euro taxierte Bau war einfach nicht zu finanzieren, obwohl der SV Aufhausen und der eigens gegründete Förderverein Mehrzweckhalle insgesamt rund 300 000 Euro an Eigenmitteln zugesagt haben.

Im kommenden Jahr soll endlich gebaut werden

Im neuen Haushaltsjahr soll die Planung dank der Landesförderung endlich Realität werden: 50 000 Euro stehen im Etat dafür bereit. Jeweils 1,2 Millionen Euro weist außerdem die mittelfristige Finanzplanung für die Realisierung in den beiden darauf folgenenden Jahren aus. Außerdem ist die Stadt Geislingen längst Eigentümerin eines geeigneten Grundstücks am Ortseingang von Aufhausen. Er ist nur einen Steinwurf von der Schule und den Sportplätzen entfernt. Hier liegt auch das Neubaugebiet Alpenblick, dessen 18 Plätze längst verkauft sind, wie Kraus betont. Das liege nicht nur an der Fernsicht, die der Name verheißt.

Ludwig Kraus hofft, dass die in Aussicht gestellten Mittel des Entwicklungsprogramms für die Aufhausener Halle maximal hoch ausfallen werden. „Wir hoffen auf einen Betrag von 800 000 Euro plus x“, so Kraus. Dass sich der pensionierte Polizeibeamte mit Investitionen gut auskennt, hat er schon mit der Rettung des örtlichen Pflegeheims bewiesen. Als die privaten Betreiber vor einigen Jahren Insolvenz anmelden mussten, gründete der Ortsvorsteher innerhalb einer Woche einen Trägerverein und sorgte anschließend mit Hilfe der Bürger für die Sanierung des Gebäudes. Heute verfügen die Aufhausener über 17 gemeindeeigene und ortsnah gelegene Pflegeplätze, was für ein Dorf dieser Größenordnung eher untypisch ist.

Jeder Vierte will am Dorfladen Anteile zeichnen

Nachdem die Dorfgemeinschaft gleich neben der Kirche einen eigenen Dorfplatz mit Hilfe kommunaler Mittel hergerichtet hat, wollen die Aufhausener nun das Thema Nahversorgung angehen. „Hier gibt es schon seit länger als zehn Jahren keinen Metzger und keinen Bäcker mehr“, beschreibt Kraus die Misere. Unterstützt von einem externen Fachberater habe eine Arbeitsgruppe Dorfladen bereits ein Konzept für einen Genossenschaftsladen erarbeitet, berichtet der Ortsvorsteher. Er favorisiert dafür den Standort der bisherigen Volksbankfiliale, die seit dem Jahreswechsel geschlossen ist. Ob ein Laden in Aufhausen eine Zukunft hat, müsse sich weisen. Immerhin habe eine Umfrage positive Resonanz ergeben und gezeigt, dass jeder Vierte von 200 Befragten bereit wäre, Anteile zu zeichnen.