Geldpolitik EZB bleibt bei ultralockerem Kurs trotz steigender Inflation

Die EZB belässt den Leitzins für den Währungsraum der 19 Staaten auf dem Rekordtief von null Prozent. Foto: Boris Roessler/dpa Foto: dpa
Die EZB belässt den Leitzins für den Währungsraum der 19 Staaten auf dem Rekordtief von null Prozent. Foto: Boris Roessler/dpa

Die Teuerung steigt und steigt - doch Europas Währungshüter zeigen sich standhaft. Ein Ende der Geldflut ist nicht in Sicht. Der Kurs ist nicht unumstritten.

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Frankfurt/Main - Europas Währungshüter halten trotz steigender Teuerungsraten an ihrem Kurs des billigen Geldes fest.

Erst im Dezember will der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) entscheiden, wie es mit den milliardenschweren Anleihenkäufen weitergeht. Das hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits angekündigt.

Ein Ende des Zinstiefs im Euroraum ist weiterhin nicht in Sicht. Bei seiner Sitzung am Donnerstag beließ der EZB-Rat den Leitzins für den Währungsraum der 19 Staaten auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt der Zins nunmehr seit März 2016. Geschäftsbanken müssen nach wie vor 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank in Frankfurt parken.

Beim Kauf von Anleihen tritt die EZB im laufenden Quartal zwar etwas auf die Bremse. Doch das zur Abfederung des Corona-Schocks aufgelegte Kaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Veranschlagt hat die EZB in diesem Rahmen 1,85 Billionen Euro für den Erwerb von Staats- und Unternehmenspapieren.

Kritiker werfen der EZB vor, mit dem vielen billigen Geld die Inflation anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will. Eine höhere Teuerungsrate schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor.

Seit Monaten kennt die Inflation sowohl in Deutschland als auch im Euroraum insgesamt nur eine Richtung: nach oben. Im September kletterte die Teuerungsrate im Währungsraum auf 3,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren. Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig eine jährliche Rate von zwei Prozent an.

"Wir wissen, dass eine anhaltend expansive Geldpolitik negative Nebenwirkungen hat, die mit der Zeit zunehmen", mahnte jüngst der Chef der belgischen Notenbank, Pierre Wunsch. "Ich plädiere für einen graduellen Ausstieg aus dem aktuellen Modus", sagte Wunsch, der im EZB-Rat über die Geldpolitik mitentscheidet, der "Wirtschaftswoche".

Führende EZB-Vertreter erklären den Anstieg der Verbraucherpreise mit Sonderfaktoren wie der Erholung der Ölpreise nach dem Corona-Schock im vergangenen Jahr. Auch die Rückkehr zu den üblichen Mehrwertsteuersätzen in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland zum 1. Januar 2021 hat einen Effekt auf die Teuerung im Euroraum.

Lagarde hatte Ende September betont, die Wirtschaft im Euroraum brauche nach dem Corona-Schock weiterhin die Unterstützung der Geldpolitik: "Die Wirtschaft hat die Talsohle durchschritten, ist aber noch nicht ganz über den Berg." Der rasche Aufschwung nach Ende der Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie erkläre auch das zuletzt vergleichsweise kräftige Anziehen der Teuerungsraten. Es handele sich vor allem um "eine Phase vorübergehender Inflation im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung", führte Lagarde aus.

Einer der Kritiker der ultralockeren Geldpolitik wird im EZB-Rat künftig fehlen: Jens Weidmann gibt sein Amt als Bundesbank-Präsident nach gut zehn Jahren zum 31. Dezember 2021 vorzeitig auf und scheidet damit auch aus dem höchsten Entscheidungsgremium der EZB aus. Wer die Deutsche Bundesbank künftig führen wird, ist noch nicht entschieden.

© dpa-infocom, dpa:211028-99-772714/2

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