Gemeinschaftsschule „Wir brauchen keinen Wildwuchs“

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Zwei Gemeinschaftsschulen gibt es bereits im Kreis Böblingen. Im September kommen vier weitere hinzu. Das führt zu Unmut in vielen Nachbarkommunen. Diese bemänglen, dass ein regionales Schulentwicklungskonzept fehle.

Das Sindelfinger Foto: factum/Archiv
Das Sindelfinger Foto: factum/Archiv

Böblingen Die Einführung der Gemeinschaftsschule hat zu einem Wettkampf unter den ein Einrichtungen geführt. Insbesondere die Haupt- und Werkrealschulen, die seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung um ihre Existenz bangen müssen, möchten möglichst rasch das neue Lernkonzept einführen – um so ihren Überleben langfristig zu sichern. Zurzeit gibt es zwei ­Gemeinschaftsschulen im Landkreis – in Sindelfingen und Grafenau. Im Herbst starten vier weitere: in Magstadt, Weissach, Weil im Schönbuch sowie Ehningen.

Während die betroffenen Kommunen jubeln, beäugen die Nachbargemeinden diese Entwicklung misstrauisch. Besonders die Genehmigung, die Ehninger Friedrich-Kammerer-Schule zur Gemeinschaftsschule umzufunktionieren, stößt auf Kritik. Dabei richte sich der Ärger nicht gegen die Schule oder die Gemeinde selbst, sondern gegen das Kultusministerium, sagt Ulrike Binninger, die Nufringer Bürgermeisterin: „Wir kritisieren das Verfahren, wie die Schulen genehmigt wurden.“

Gespräch mit Regierungspräsident

Mitte Januar gab es im Böblinger Schulamt eine Sitzung, zu der die Antragsteller für eine Gemeinschaftsschule sowie die Nachbargemeinden eingeladen wurden. Auch der Regierungspräsident Johannes Schmalzl nahm teil. In diesen sogenannten Konsens-Gesprächen wurden auch die Nachbarn angehört. Diese hatten erhebliche Vorbehalte. Die Nufringer Bedenken richten sich vor allem gegen das Ehninger Konzept, die Gemeinschaftsschul-Pädagogik bereits von der ersten Klasse an einzuführen. Damit wird auch die Grundschule zur Wahlschule.

Binninger fürchtet, dass Nufringer Eltern ihre Kinder lieber nach Ehningen schicken. Doch vor allem stört sich die Bürgermeisterin daran, dass nun überall Gemeinschaftsschulen genehmigt werden, ohne dass es einen Schulentwicklungsplan für die Region gibt. „Wir brauchen keinen Wildwuchs. Wir sollten vermeiden, dass jetzt Millionen Euro investiert wird in Schulen, die dann in ein paar Jahren vielleicht leer stehen.“ Diese Kritik teilt Binninger mit ihren Kollegen aus Gärtringen und Böblingen. „Bei uns stehen vermutlich in ein paar Jahren Schulen halb leer. Und in Ehningen muss neu gebaut werden“, sagt Ulrich Schwarz, der Schulbürgermeister von Böblingen. Das sei eine Verschwendung von Ressourcen. Und tatsächlich muss Ehningen kräftig investieren. Mit „drei bis fünf Millionen Euro“ rechnet der Ehninger Bürgermeister Claus Unger langfristig. Beson- ders zu Buche schlägt dabei die Mensa, die gebaut werden muss.

Wenig Vorbehalte gegen Weiler Schule

In Weil im Schönbuch hingegen verfügt die jetzige Grund- und Werkrealschule über ausreihend Räume. Auch eine funktionierende Mensa gibt es bereits. „Bei uns fallen nur geringe Kosten an“, sagt der Rektor Karl Heinz Hartmann. Deshalb gibt es gegen diese neue Gemeinschaftsschule auch wenig Vorbehalte, zumal die Kommune voraussichtlich mit den eigenen Kindern zwei Klassen füllen kann. Hartmann rechnet damit, dass auch Kinder aus Dettenhausen (Kreis Tübingen), Altdorf, Hildrizhausen und Holzgerlingen künftig nach Weil im Schönbuch pendeln. An den dortigen Schulen wird er auch seine Flyer verteilen. „Im Gegenzug möchten wir, dass unsere Angebote – Gymnasium und Realschule – auch in der Weil im Schönbucher Grundschule bekanntgemacht werden“, sagt Winfried Dölker, der Holzgerlinger Bürgermeister.

Sein Gemeinderat könne „mit einer Gemeinschaftsschule der Schönbuchlichtung leben“, sagt Dölker. Doch auch er ­fordert „einen regionalen Schulentwicklungsplan“ und kritisiert das Genehmigungsverfahren für die Gemeinschaftsschulen. „Wir hatten den Eindruck, dass der Regierungspräsident unsere Argumente gehört hat und dass es weitere Gespräche gibt. Doch dann kam plötzlich die Genehmigung.“

Das Regierungspräsidium sagt, Johannes Schmalzl habe die Einwände der Nachbarn an das Kultusministerium weitergeleitet. Das Ministerium habe jedoch vor den Konsensgesprächen klar gestellt, dass die Entscheidung auch trotz bestehender Einwände zu Gunsten einer neuen Schule fallen könne.




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