InterviewGeneralkonsul Liang Jianquan „Die Seidenstraßeninitiative ist offen für jeden“

China plant eine Wirtschaftsregion entlang der alten Seidenstraße. Dies sei ein Milliardenprojekt, sagt der chinesische Generalkonsul Liang Jianquan.

Der erste Zug von Chongqing  nach  Duisburg ist gefeiert worden.   Künftig sollen noch mehr Güterzüge zwischen Deutschland und China rollen. Foto: Getty, StZ
Der erste Zug von Chongqing nach Duisburg ist gefeiert worden. Künftig sollen noch mehr Güterzüge zwischen Deutschland und China rollen. Foto: Getty, StZ
Stuttgart - Chinas Staatspräsident Xi Jinping hat 2013 die Seidenstraßeninitiative vorgestellt. Inzwischen stellt Peking 40 Milliarden Dollar dafür zur Verfügung. Das Projekt sei kein Soloauftritt seines Landes, sondern ein Zusammenspiel von mehr als 60 Nationen, sagt der chinesische Generalkonsul in Frankfurt, Liang Jianquan. Auch Deutschland profitiere.
Herr Liang, was genau steckt hinter der sogenannten Seidenstraßeninitiative?
Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Ländern in Asien, Europa und Afrika zu intensivieren. China setzt damit seine Öffnung umfassend und vertiefend fort und gestaltet mit anderen Staaten eine Interessen-, Schicksals- und Verantwortungsgemeinschaft.
Über wie viele Länder reden wir?
Das betrifft vor allem mehr als 60 Länder entlang der Seidenstraße mit einem Bevölkerungsanteil von mehr als 63 Prozent der Weltbevölkerung, beschränkt sich aber nicht darauf. Die Seidenstraßeninitiative ist ein ganz neues Modell der internationalen Zusammenarbeit.
Wo ist der räumliche Beginn und das Ende?
Die Initiative hat keine räumliche Grenze. An einem Ende befindet sich der dynamische asiatische Wirtschaftskreis, am anderen Ende der hoch entwickelte europäische Wirtschaftskreis. Es ist ein offenes Projekt, kein geschlossenes. Jeder, der will, kann sich daran beteiligen, und gemeinsam können alle davon profitieren.
Und wie sieht es mit der zeitlichen Perspektive aus?
Die Entwicklung kennt keine zeitliche Grenze. Die Aufgabe ist gigantisch und sehr langfristig angelegt.
Kritiker sagen, China will mit dieser Initiative eigene Überkapazitäten abbauen und in anderen Ländern die Infrastrukturprojekte mit eigenen Firmen und Arbeitern realisieren.
Eine Befürchtung dieser Art ist nicht begründet. Voraussetzung für die Initiative ist eine umfassende und eingehende politische Kommunikation. Zweitens hat der Aufbau eines Infrastrukturnetzes Priorität und der Abbau von Handelsbarrieren – sowie ein freier Kapitalverkehr. Die Initiative ist nicht vor dem Hintergrund des Denkens entstanden, wie es im Kalten Krieg einmal war. Die Zusammenarbeit mit den Anrainerstaaten richtet sich nach gegenseitigen Bedürfnissen und Möglichkeiten. Die Regierungen sollen Entwicklungen nur fördern. Dann agieren die Unternehmen als Hauptakteur, und zwar – das ist sehr wichtig – nach dem Marktwirtschaftsprinzip.
Sie haben die politische Kommunikation angesprochen. Die ist zwischen Russland und Europa in der Vergangenheit nicht gut gelaufen. Sie haben es auch mit Russland zu tun. Kann China das besser machen?
Die Seidenstraßeninitiative wird zur Vermehrung von Gemeinsamkeiten und gegenseitigem Vertrauen beitragen und so eine bessere Atmosphäre schaffen, um bestehende Probleme beizulegen und neue gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie wird nicht von China als herrschender Macht gestaltet. Sie ist kein Soloauftritt, sondern ein Zusammenspiel der daran Beteiligten.
Das gilt auch für die maritime Seidenstraße?
Ja. Noch einmal: das Projekt ist kein geopolitisches Instrument eines Staates. Der Kalte Krieg ist vorbei. Wir brauchen gegenseitigen Respekt und Zusammenarbeit für eine solide Stabilität und Frieden und gemeinsame Entwicklung. Und wir sagen: Wenn alle gemeinsam Reisig sammeln, dann brennt das Feuer höher.
Von Peking nach Stuttgart sind es etwa 8000 Kilometer. Wie profitiert Deutschland von dem Projekt?
Deutschland als wirtschaftsstärkste Nation in Europa kann deutlich davon profitieren. Im Rahmen der Seidenstraßeninitiative braucht man erleichterte Finanzierung, moderne Anlagen und umweltfreundliche Technik. Das kommt der deutschen Exportindustrie sehr zugute. China begrüßt die aktive Beteiligung Deutschlands. Die Unternehmen beider Länder können sich gut ergänzen und gemeinsam die Märkte der Drittländer – mit deren Einverständnis – erschließen.
Fünfmal die Woche fährt ein Zug von Chongqing nach Duisburg, aber der fährt nur ein mal die Woche beladen zurück. Wird sich das ändern?
Direkte Zugverbindungen zwischen China und Deutschland gibt es auch von Duisburg nach Changsha und aus der Provinz Henan nach Hamburg. Im vergangenen Jahr hat es insgesamt 308 direkte Zugverbindungen zwischen China und Europa gegeben, eine Steigerung von 285 Prozent. Bisher rollen noch mehr volle Waggons von China nach Deutschland als anders herum, aber auch in Richtung Osten hat der Verkehr zugenommen. Es ist unser Wunsch, dass das Wachstum weiter anhält.

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