Goldbarren als Provision Remstalkellerei wurde Opfer eines Betrügers

Von Annette Clauß und  

Goldbarren soll die Remstalkellerei einem vermeintlichen Geschäftspartner als Provision gegeben haben – und einem Betrüger aufgesessen sein. Von dem Vorfall im Jahr 2017 erfuhren die Genossenschaftsmitglieder erst jetzt – und reagierten prompt.

Die Genossenschaft sucht nun neue Kandidaten für die Aufsichtsrats- und Vorstandsposten. Foto: Gottfried Stoppel
Die Genossenschaft sucht nun neue Kandidaten für die Aufsichtsrats- und Vorstandsposten. Foto: Gottfried Stoppel

Weinstadt - Seit dem späten Donnerstagabend fehlt der Remstalkellerei nicht nur der Vorstandsvorsitzende – Claus Mannschreck hatte bereits im Oktober 2018 aus persönlichen Gründen überraschend sein Amt niedergelegt –, sondern der komplette Vorstand sowie der Aufsichtsrat. Beide sind bei der Generalversammlung der vor geraumer Zeit in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Genossenschaft zurückgetreten.

Zuvor hatten die Verantwortlichen auf Nachfrage aus dem Publikum ein Gerücht bestätigen müssen: Demnach ist die Remstalkellerei bereits 2017 einem Betrüger aufgesessen. Es habe die Aussicht auf ein großes Exportgeschäft gegeben, der vermeintliche Geschäftspartner, der es anbahnen sollte, wollte vorab eine Provision haben – „in Form von Goldbarren“, bestätigt Peter Jung, seit August 2018 der Geschäftsführer der Remstalkellerei, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Goldbarren verschwunden, Geschäft geplatzt

Tatsächlich aber habe sich der Geschäftspartner als Betrüger entpuppt – offenbar ist er mitsamt den Goldbarren verschwunden, das versprochene Geschäft kam nie zustande. Warum ausgerechnet Goldbarren als Provisionszahlung verwendet wurden, kann Jung nicht sagen. Auch Gerüchte, wonach der Wert des Goldes bei rund 35 000 Euro gelegen haben soll, bestätigte er nicht. „Das ist damals umgehend dem Aufsichtsrat und dem Prüfungsverband mitgeteilt worden. Die Verluste wurden bereits in der Bilanz für 2017 verbucht“, betont Jung.

Die Genossenschaftsmitglieder haben offensichtlich aber erst bei der Versammlung am Donnerstag von dem Vorfall erfahren. Bei der mehrstündigen internen Sitzung haben sie daraufhin weder den Aufsichtsrat noch den Vorstand entlastet. Für die Zuständigen wiederum ein Signal, dass kein Vertrauen mehr in ihre künftige Arbeit besteht – sie traten zurück.

Versammlung muss fortgesetzt werden

„Das sind persönliche Entscheidungen, die man respektieren muss. Die Betroffenen haben ihre persönlichen Konsequenzen aus dem Votum gezogen“, sagt Peter Jung zu den Rücktritten. Lediglich ein Aufsichtsratmitglied, Rüdiger Borck, sei noch da. Dieser war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Peter Jung merkt an, dass auch Heike Schacherl, Vorstandsmitglied und kaufmännische Leiterin der Remstalkellerei, sich aus persönlichen Gründen zurückgezogen habe. Sie sei schon zum 31. Dezember 2019 aus dem Vorstand ausgeschieden. Bei der Generalversammlung hatte Schacherl zudem ihren baldigen Rückzug aus der Remstalkellerei an sich verkündet.

Wie geht es weiter? Da man die Generalversammlung angesichts der fortgeschrittenen Stunde auf Wunsch der 383 anwesenden Mitglieder unterbrochen habe, müsse diese zum nächstmöglichen Zeitpunkt fortgesetzt werden, erläutert Jung. Am Donnerstagabend habe es viele konstruktive Beiträge gegeben, insofern sei er zuversichtlich, „dass sich auch Kandidaten aus dem Kreise der Mitglieder finden“, die sich für die freien Posten zur Wahl stellen. Wann diese stattfindet, steht laut Peter Jung noch nicht fest.