Geplante Sperrungen 17 Maßnahmen gegen den Esslinger Verkehrsinfarkt

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Um trotz der drohenden Straßensperrungen den Verkehr in Esslingen nicht zum Erliegen zu bringen, sollen die Verkehrssteuerung optimiert, die Infrastruktur ausgebaut und die Bürger mit zusätzlichen Mobilitätsangeboten gelockt werden. Ein Überblick.

Die Sperrung des nördlichen Altstadtrings in der vergangenen Woche hat einen Vorgeschmack auf das Kommende gegeben. Foto: Horst Rudel
Die Sperrung des nördlichen Altstadtrings in der vergangenen Woche hat einen Vorgeschmack auf das Kommende gegeben. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Zwar haben die Staus, die sich in der vergangenen Woche wegen der Sperrung des nördlichen Altstadtrings gebildet haben, schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende geliefert. Doch noch können die Esslinger Autofahrer wohl bestenfalls erahnen, was sie in der nahen Zukunft und in den kommenden Jahren erwartet, wenn zunächst zeitgleich die Vogelsangbrücke- und die Zollbergsteige saniert und wenn dann die Geiselbachstraße als wichtigste Verbindung in die nördlichen Stadtteile 15 Monate lang gesperrt sein wird. Von der Kompletterneuerung der drei großen Neckarbrücken einmal ganz zu schweigen.

Am Montag hat die Stadt nun ein Paket zur Optimierung des Verkehrsflusses rund um die Großbaustellen vorgestellt. Sie setzt dabei gleichermaßen auf die Optimierung der Verkehrssteuerung, den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie auf neue Mobilitätsangebote. 17 Einzelpunkte, nicht alle vollkommen neu, umfasst das Paket, über das der Gemeinderat voraussichtlich am 8. April entscheiden muss. Wir geben einen Überblick über die geplanten Maßnahmen.

Ampelsteuerung

Bei dem Ziel, die Verkehrssteuerung zu optimieren, sind den Fachleuten vier Ampelanlagen aufgefallen. So soll eine hochmoderne, adaptive Ampel den Verkehrsfluss auf der Schorndorfer Straße erhöhen. Solche selbststeuernden Ampeln erfassen das tatsächliche Verkehrsaufkommen und steuern entsprechend die Grünphasen. Am Hirschlandkopf entfallen dauerhaft zwei wenig genutzte Linksabbiegemöglichkeiten. Dadurch lässt sich dort der Verkehrsfluss Richtung Innenstadt und in den Esslinger Norden erhöhen. Temporär werden die Ampeln im Bereich der Vogelsangbrücke und der Adenauerbrücke auf die jeweiligen Einschränkungen durch die Baustellen eingestellt.

Busschleuse

Um die Buslinien vom Schurwald zu beschleunigen, werden die Busse der Linien 106 und 114 in den Morgenstunden in einem Versuch außerhalb des Stadtgebiets über den Feldweg Hoher Stich bis zur Schorndorfer Straße fahren. Dort wird eine Busschleuse gebaut, die den Bussen Vorrang vor den Autos gewährt.

Fahrradstraße

Die Liste der Optimierungsvorschläge nennt auch die Aufwertung der Hindenburgstraße als Fahrradstraße. Diese Maßnahme war ohnehin geplant, um die Sicherheit der Radfahrer dort weiter zu erhöhen.

Busspuren

Gleich sieben Maßnahmen führt die Verwaltung auf, um die Verkehrsinfrastruktur auszubauen – zwei betreffen die Ausweisung von zusätzlichen Busspuren, der Rest den Radverkehr. Zwischen dem Kreisverkehr Rotenackerstraße und der unteren Mülbergerstraße wird stadteinwärts eine Busspur eingerichtet. Der Ärger darüber ist programmiert, denn dafür müssen rund 60 Parkplätze weichen. Ziel ist es, den während der Sperrung der Geiselbachstraße erwarteten Ansturm auf die Barbarossa-, Rotenacker-, Wieland- und Mülbergerstraße für die Nutzer des ÖPNV erträglich zu machen. Auch auf dem Altstadtring auf der Augustiner- und Berliner Straße sollen separate Busspuren und Radfahrstreifen geschaffen werden. Ziel ist es, die Ampel auf der Augustinerbrücke an der Ecke Geiselbachstraße/Berliner Straße deutlich leistungsfähiger programmieren zu können.

Radverkehr

Die Hangsicherungsmaßnahmen an der Zollbergsteige in diesem Frühling nutzt die Stadt, um dort einen Rad- und Fußweg zu schaffen – als Einstieg in eine große Radlösung am Zollberg. Dass beim Ausbau des Festoknotens auch an den Radverkehr gedacht wurde, ist schon länger bekannt. Aufgelistet hat die Stadt auch den ebenfalls bereits bekannten Radwegeausbau in Richtung Hengstenbergareal und die Planungen für den Radschnellweg durch das Neckartal. Zudem werden die Städte Ostfildern und Esslingen gemeinsam den Bau eines Radwegs entlang der Hohenheimer und der Breslauer Straße vorantreiben.

Der Öffentliche Nahverkehr

Ein wesentlicher Baustein der ergänzenden Mobilitätsangebote ist der Ausbau des Busverkehrs in Esslingen. Weil während der fünfmonatigen Sperrung der Zollbergsteige die Busse der Linie 113 und 118 über die Hohenheimer Straße umgeleitet werden sollen, wird dort ein zusätzlicher Bus eingesetzt. Darüber hinaus fahren Busse der Linie 113 im 10, und nicht mehr im 15-Minuten-Takt. Größer noch wird das Problem im Esslinger Norden während der Vollsperrung der Geiselbachstraße. Ziel ist es, durch eine alternative Linienführung des Busses 109 von der Sulzgrieser Steige nach Rüdern und über Uhlbach nach Obertürkheim ein attraktives Mobilitätsangebot zu machen. Zudem sollen die Kapazitäten der anderen Linien in den Esslinger Norden deutlich erweitert werden.

Pedelecs

Eine Begleitmaßnahme könnte auch die Einführung eines Pedelec-Verleihs sein. Angedacht ist, einen monatlichen Verleih von Pedelecs zu organisieren. Damit will man vor allem Pendler dazu bringen, es einmal mit dieser alternativen Fortbewegungsmöglichkeit zu probieren.

Fahrradboxen

Wohin damit, wenn man endlich da ist? Diese Frage stellen sich viele Fahrradfahrer, die am Bahnhof auf die S-Bahn umsteigen. Die Stadt prüft nun, wo man zusätzlich zu den bereits existierenden 24 Fahrradboxen am Bahnhof weitere Fahrradboxen aufstellen kann. Geplant ist auch, an den anderen drei S-Bahn-Haltestellen im Stadtgebiet Fahrradboxen aufzustellen.