Gerald Friese gibt Loriot Alles lauter Missverständnisse

Von Martin Bernklau 

Wer Steinlaus, Mops, Müller-Lüdenscheidt und Co. liebt, ist bei Gerald Friese richtig: Der Schauspieler hat das Publikum im Sillenbucher Atrium mit Loriot-Texten begeistert.

Schauspieler Gerald Friese hat die Zuschauer mit Loriot-Texten unterhalten. Foto: Bernklau
Schauspieler Gerald Friese hat die Zuschauer mit Loriot-Texten unterhalten. Foto: Bernklau

Sillenbuch - Am Anfang erntete Loriot viel Kopfschütteln für seine Knollennasen oder seine Hunde. Mit der Zeit wurde er zum größten deutschen Humoristen. Wie beliebt dieser vor zwei Jahren gestorbene Vicco von Bülow nach wie vor ist, zeigte der Ansturm auf den Abend, mit dem sich der Performer Gerald Friese dem vielseitigen Künstler über dessen Texte zu nähern versuchte. Zehn Minuten vor Beginn waren am vergangenen Sonntag alle Plätze im Sillenbucher Atrium besetzt.

Gerald Friese begann sein Heimspiel bei der „Kultur bei uns“ mit dem „Feierabend“, diesem so typisch Loriot’schen Sketch über die gescheiterte Kommunikation eines Ehepaares. Zwischen der harmlosen Frage „Hermann, was machst du da?“ (Antwort: „Ich mache nichts.“) und dem wütend herausgebrüllten „Ich schreie nicht!“ schichten sich die Missverständnisse ins Absurde des alltäglichen Wahnsinns, des lauernden Wahnwitzes. Er habe jetzt keine Nudel dabei, fuhr Gerald Friese nach dem vom Publikum jubelnd aufgenommenen Intro fort, denn bei den meisten dieser Klassiker handele es sich um Sketche, die eine Kamera bräuchten oder Zeichentrick: Müller-Lüdenscheidt, die Hoppenstedts, der Lottogewinner Lindemann.

Für Parodien bestens geschulte Stimme

Was Loriot von Beruf sei, das beschäftigte auch Friese selbst: Zeichner, Karikaturist, Regisseur, Schauspieler, Kabarettist, Cartoonist, Erzähler... Jedenfalls gab es in Loriots Werk bei all der „wenigen Prosa“ genug, das sich mit Gerald Frieses auch für Parodien bestens geschulten Stimme rezitieren ließ. Etwa die zeitlose Bundestagsrede mit den hohlen Phrasen des fiktiven Abgeordneten Werner Bernheim, eigentlich Karl-Heinz Stiegler; oder das Gedicht der Melusine über den „taubtrüben Musenginst“, das Loriot als Lothar Frohwein im Film „Pappa ante Portas“ selbst vorträgt.

Zum 80. Geburtstag des Humoristen war die Hommage „Loriot und die Künste“ erschienen, in dem etwa Günther Jauch befand, der Humor des Jubilars habe wegen der Fallhöhe seiner Figuren stets auch „etwas Zersetzendes“ gehabt. Als Beispiel führte Jauch das „Adventsgedicht“ an – „da wird ja einer umgebracht!“ Und zwar der Förster von seiner Gattin.

Makaber, überspitzt, bissig

Das grotesk Überspitzte und Makabre war gleichfalls ein Kennzeichen des Humors von Loriot, wie Gerald Friese auch an der „Abschlägigen Antwort an einen Lustmörder“ zeigte.

Bei Wim und Wum, bei Steinläusen und Möpsen sei das Schaffen Loriots eben unpolitisch gewesen und deshalb so gut bei den Deutschen angekommen. Friese hatte aber auch Fundstücke auf Lager, die das Gegenteil bewiesen. So habe Loriot zwar nicht gegen Atomkraftwerke demonstriert, aber in einem Stück die Vorteile einer Reaktor-Explosion darin gesehen, dass sie „im Umkreis von 400 Kilometern alle Gartenschädlinge vernichten“ könne.

Loriot-Zitate sind zu geflügelten Worten geworden

Das Zeitlose an Loriot wusste Friese genau zu bestimmen: wenn nämlich eine Parodie bekannter werde als ihr Vorbild. Den Tier-Professor Grzimek würde heute allenfalls noch die ältere Generation kennen, die Geschichte von der Steinlaus aber sei gerade jungen Menschen bestens bekannt. Geflügelte Worte, auch in der Facebook-Generation, wie die „Herren-Butike in Wuppertal“ des Lottogewinners Lindemann.

Das war nicht der einzige Sketch des Abends, bei dem die Pointe im anschwellenden Gelächter und Jubel fast schon unterging. Der Performer bedankte sich für die Begeisterung des Publikums natürlich mit einer Zugabe: der verhaspelten und verlispelten Suada englischer Namen als Inhaltsangabe einer TV-Serie mit Loriots Lieblings-Mimin Evelyn Hamann. Friese trug das kongenial vor.

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