Gerangel zwischen zwei Ministerien Weiterbildungskonzept irritiert die Wirtschaft

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Das grüne Staatsministerium will die Beschäftigten der Automobilindustrie fit für die Zukunft machen. Das CDU-Wirtschaftsministerium fühlt sich übergangen. Unternehmer betrachten das Konzept als unausgereift.

Die Automobilindustrie ist im Umbruch. Weiterbildung soll den Beschäftigten helfen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Die Automobilindustrie ist im Umbruch. Weiterbildung soll den Beschäftigten helfen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Stuttgart - Der Vorstoß des Staatsministeriums von Winfried Kretschmann (Grüne) zu einem Sofortprogramm für die Weiterbildung schlägt politisch hohe Wellen und überrascht die Wirtschaft. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hatte den Vorgang als „unüberlegten Schnellschuss“ und „durchsichtige Symbolpolitik“ des Staatsministeriums scharf kritisiert. Winfried Mack, der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion nennt den Entwurf des Staatsministeriums gar „eine Lachplatte“ und „viel zu kurz gesprungen“. Die Weiterbildung müsse in eine Gesamtstrategie zu den neuen Technologien eingebettet werden.

Kompetenzgerangel und Profilierungssucht

Die Kritik greifen die politischen Gegner der Koalition dankbar auf. „Das Letzte, was sich das Land bei der Weiterbildung leisten kann, ist ein Kompetenzgerangel innerhalb der Landesregierung“, schimpft die SPD. „Grün-Schwarz ist aber offensichtlich nicht handlungsfähig.“ Die FDP moniert: „Es kann nicht sein, dass die Profilierungssucht des Regierungschefs dazu führt, dass der Landesregierung die Fachlichkeit abgeht.“ Das Papier sei nicht mit dem Wirtschaftsministerium abgestimmt und „strotzt vor handwerklichen Fehlern“.

Wirtschaftskreise machen Widersprüche im Programm aus. Es sei unklar, ob es für die Automobilbranche und ihre Zulieferer oder branchenübergreifend sei. Die Wirtschaftsministerin betont: „Wir brauchen ein Weiterbildungsprogramm das branchenübergreifend den zentralen Herausforderungen gerecht wird, und vor allem auch den Unternehmen und Beschäftigten im ganzen Land zugute kommt.“

Auswahl von Regionen „nicht nachvollziehbar“

Das Staatsministerium hatte 14 Regionen genannt, in denen das Konzept sofort angewendet werden sollte. Dass etwa Reutlingen, Konstanz-Friedrichshafen oder Karlsruhe-Rastatt nicht dabei sind, ist aus Sicht der Ministerin „nicht nachvollziehbar“. Sie will „zeitnah“ ein eigenes umfassendes Weiterbildungskonzept vorlegen.

Irritiert zeigen sich die Maschinenbauer im Land, dass die beiden Ministerien nicht gemeinsam vorgehen. Dietrich Birk, der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Baden-Württemberg, teilt die Haltung von Hoffmeister-Kraut: „Wir haben in allen Landesteilen und Industriebranchen strukturelle Veränderungen, deshalb sollte so ein Sofortprogramm zur Weiterqualifizierung landesweit und branchenübergreifend ausgerollt werden“.

Die Autobranche sei geprägt von der Umstellung auf neue Technologien, für die mittelständische Industrie gehe es vor allem um die Digitalisierung. „Das sollte sich im Sofortprogramm deutlich widerspiegeln.“

Arbeitgeber: Noch nicht der Weisheit letzter Schluss

Die Arbeitgeber im Südwesten geben sich diplomatisch. Stefan Küpper, ihr Geschäftsführer Bildung, sagt: „Wir verstehen die Initiative des Staatsministeriums als unfertigen Diskussionsimpuls, der nun mit den relevanten Akteuren innerhalb und außerhalb der Landesregierung abgestimmt werden muss.“ Unverzüglich habe man Gesprächsbedarf angemeldet. „Eine Verengung auf bestimmte Regionen, eine Branche oder bestimmte Arbeitnehmergruppen erscheint noch nicht als der Weisheit letzter Schluss“, erklärte Küpper. Es gehe darum, die richtigen Schwerpunkte zu setzen und diese mit den Aktivitäten des Bundes „bestmöglich zu verknüpfen.“