Am Dienstag öffnet das Gerber offiziell seine Türen. Am Montag durften geladene Gäste bereits einen Blick in das neue Stuttgarter Einkaufszentrum werfen. OB Fritz Kuhn sowie die Macher betonten dabei die Zugehörigkeit des Centers zur Stadt.

Lokales: Sven Hahn (hah)

Stuttgart - Der Aufwand bei der Voreröffnung am Montagabend spiegelt den Aufwand wider, der hinter dem 250-Millionen-Euro-Projekt Gerber steckt. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sowie der Vorstandsvorsitzende des Investors Württembergische und Wüstenrot (W&W), Alexander Erdland, betonen in ihren Reden immer wieder die Zugehörigkeit des Einkaufszentrums zur Stadt.

Das rote Band, das bei derartigen Anlässen durchschnitten wird, wird von einer Artistin gereicht, die an einer Traube weißer Ballons auf den roten Teppich geschwebt kommt, der Sportmoderator Tom Bartels führt durch den Abend, die Schauspielerin Natalia Wörner („Die Kirche bleibt im Dorf“) ist als Stargast geladen. Das Gerber, das neue Einkaufszentrum zwischen Sophien-, Marien-, Paulinen- und Tübinger Straße, wird mit viel Pomp vorgestellt.

Auf dem Dach enstehen knapp 70 Mietwohnungen

Stuttgarts OB Kuhn, der sich mit Blick auf die neuen Shoppingcenter in der Vergangenheit mehrfach kritisch geäußert hatte – sowohl in Bezug auf das Gerber als auch auf das Milaneo, das in zwei Wochen im Europaviertel unweit der Stadtbibliothek eröffnen wird – betonte während seiner Festrede die Zugehörigkeit des Gerbers zur Innenstadt. „Hier werden Wohnen und Arbeiten zusammengebracht“, sagte Kuhn und fügte an: „Ich hoffe, dass viele der Menschen, die an diesem Ort arbeiten, auch hier wohnen werden.“ Auf dem Dach des Einkaufszentrums entstehen derzeit knapp 70 Mietwohnungen, die im kommenden Jahr bezogen werden können. Ob sich die Angestellten aus dem Einzelhandel Kaltmieten zwischen 13 und 17 Euro werden leisten können, bleibt jedoch abzuwarten. „Zudem hoffe ich, dass möglichst viele Kunden das Gerber zu Fuß oder mit dem Fahrrad aufsuchen werden“, so Kuhn. „Dann wäre das Center so richtig in das Viertel integriert.“

Der OB machte auch bei der Eröffnung keinen Hehl daraus, dass er den Flächenboom im Einzelhandel kritisch sieht. „Ich hätte nicht so viele neue Flächen geschaffen“, so Kuhn, „nun kommt es aber darauf an, dass die neuen Angebote laufen. Das ist wichtig für die Stadt.“ Das Gerber könne aber im Vergleich mit anderen neuen Angeboten gut bestehen, ist der OB sicher. Kuhn lobte zudem die Einbindung des ehemals denkmalgeschützten Gebäudes Tübinger Straße 22. „Die Fassade des Stadthauses bleibt erhalten und erinnert so an die Vergangenheit der Stadt“, sagte der OB. Der Status des Denkmalschutzes wurde dem Objekt im Laufe der Bauarbeiten jedoch aberkannt.

Ehemals Firmensitz der Allgemeinen Rentenanstalt

Der Vorstandsvorsitzende der Wüstenrot und Württembergische (W&W) Alexander Erdland sagte: „Wir wollten mehr schaffen als nur ein Shoppingcenter. Es geht um eine Aufwertung der ganzen Gegend.“ Der Bauherr ist ein Tochterunternehmen der W&W. Erdland betonte immer wieder den Bezug des neuen Centers zur Stadt und zu seinem direkten Umfeld. „An selber Stelle befand sich in den 1990er Jahren der Firmensitz der Allgemeinen Rentenanstalt, die später Teil der Württembergischen Gruppe wurde“, so Erdland. Zudem stehe hinter dem Projekt nicht irgendein anonymer Investor, so der W&W-Chef. „Die Leute kaufen sozusagen in ihrem eigenen Shoppingcenter ein“, sagte Erdland mit Blick auf die Stuttgarter Bürger, die bei der WL versichert sind.

Wie geht das Gerber mit dem Drogenmillieu um?

Auch durch die Gäste wollten die Verantwortlichen offenbar die Anbindung des Gerber an seine Umgebung unterstreichen – neben lokalen Größen wie dem Entertainer Michael Gaedt war auch die Franziskanerin Schwester Margret geladen, die direkt neben dem Haupteingang den Obdachlosentreff Franziskusstube leitet. „Ich bin froh, dass die Arbeiten nun endlich vorüber sind“, sagte sie. Aus ihrer Sicht wird es spannend sein zu beobachten, wie das Shoppingcenter mit dem Drogenmilieu vor der Haustür umgeht.

Auch Ex-OB Wolfgang Schuster (CDU) war unter den Gästen. Unter seiner Führung waren die politischen Weichen für das Gerber gestellt worden. „Ich habe keine Sorge, dass die neuen Angebote nicht funktionieren werden“, so Schuster. „Stuttgart hatte bislang zwar eine Zentralitätsfunktion in vielen Bereichen wie etwa bei Kultur, Sport, Krankenhäusern oder Verkehr, nicht aber beim Thema Einkaufen. Deswegen ist es völlig gerechtfertigt, wenn die Landeshauptstadt jetzt auch in diesem Bereich gestärkt wird“, so der frühere OB.

Gerber und Milaneo sind inzwischen CIS-Mitglieder

Zur immer wieder betonten Anbindung des neuen Centers an die City passt auch die Nachricht, dass sowohl Gerber als auch Milaneo pünktlich zu ihrer Eröffnung Mitglieder der City Initiative geworden sind. „Gemeinsam mit den beiden neuen Akteuren am Markt muss nun dafür Sorge getragen werden, dass die Strahlkraft und Sogwirkung der Stuttgarter City noch weiter reicht als bislang“, so Klaus Thomas, Vorstandsvorsitzender der CIS, in einer aktuellen Presseerklärung.