German Open Championships Pure Energie auf dem Parkett

Der Terminplan von Victoria Sauerwald und Michael Ziga bei den German Open Championship ist voll. Foto: Pressefoto Baumann 11 Bilder
Der Terminplan von Victoria Sauerwald und Michael Ziga bei den German Open Championship ist voll. Foto: Pressefoto Baumann

Victoria Sauerwald und Michael Ziga vom TSZ Stuttgart-Feuerbach tanzen bei den German Open Championships. Bei den Punktrichtern kommt ihr Paso Doble gut an.

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Stuttgart - Victoria Sauerwald steht im Foyer der Stuttgarter Liederhalle und verschafft sich nach dem Jive ein bisschen Luft. Ihr Partner Michael Ziga unterhält sich mit einem anderen Tänzer. Das Paar vom TSZ Stuttgart-Feuerbach hat beim WDSF Open Youth Latin gerade die dritte Runde erreicht. Der Puls ist hoch. Bei den fünf lateinamerikanischen Tänzen, die für Tempo, Temperament, Explosivität, Rhythmus und Eleganz stehen, ist die körperliche Beanspruchung besonders groß. Ein Tanz von rund zwei Minuten entspricht in etwa einem 400-Meter-Lauf.

Sie nutzen die Pause, um mit einer Portion Nudeln die Kohlenhydratspeicher aufzufüllen. Danach zieht es die beiden nach draußen, möglichst weit weg vom Geschehen im Beethovensaal. „Das ist so unser Ritual bei Wettkämpfen und wir sind damit ganz gut gefahren“, sagt Michael Ziga. Abschalten. Sich neu konzentrieren, sich sammeln vor dem nächsten Sprung ins Rampenlicht. Die beiden haben bisher ein sehr erfolgreiches Jahr hingelegt, wurden Dritte bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Latein und Vizemeister über 10 Tänze.

Diese Geschichte wollen sie bei ihrem vierten Auftritt bei den German Open Championships (GOC) fortschreiben. Ihr Ziel ist es in einem international stark besetzten Feld unter die Top 20 zu kommen. In einer Stunde geht es in den nächsten Umlauf. „Bislang ist es sehr gut gelaufen“, erzählt Victoria Sauerwald. Sie trägt ein schlichtes schwarzes Kleid, das mit 150 aufgenähten Svarowski-Kristallen besetzt ist. Es ist maßgeschneidert und ein Unikat, wie auch Hose und Oberteil ihres Partners. Finanziert wird die Kleidung von einer Sponsorin, die sich in den Pausen um das Paar kümmert. Ansonsten werden die aktuell besten baden-württembergischen Vortänzer vom Landesverband unterstützt. Zwei Stunden benötigt die 15-jährige Victoria, um aus sich eine südamerikanische Schönheit zu machen – allein 60 Minuten braucht die Mutter, um die schwarzen Haare kunstvoll zu drapieren.

Auf der Tanzfläche geht es auch um die eigenen Gefühle

Vor zwei Jahren hat der internationale Tanzverband einen neuen Dresscode erlassen, weil Tänzerinnen und Tänzer zu viel Haut gezeigt haben. Die Regeln sind streng – wer dagegen verstößt wird von den Wertungsrichtern dazu verdonnert, sich umzuziehen. Der Ausschnitt von Victorias Kleid entspricht der Norm, ist an der Spitze nicht breiter als eine Kreditkarte. Dennoch ist Lateintanz nach wie vor schrill, sexy und glitzernd. Aber es zählen nicht nur die Äußerlichkeiten. Alles muss musikalisch und ästhetisch sein, es geht um Koordination und Kondition.

Auf der Tanzfläche stürzt viel auf das Duo ein. Die Reaktion des Publikums, die eigenen Gefühle. Wenn dann etwas schiefläuft, was im Training eigentlich immer klappt, kann Michael leicht zum Hitzkopf werden. „Ich bin sehr temperamentvoll und kann schon mal ausrasten“, sagt der 18-Jährige, der auf der Cotta-Schule das Fachabitur macht. Im normalen Leben sind sie kein Paar. „Aber wir sind ein gutes Team und streiten beim Training nur selten“, sagt Victoria. Sie liebt den Cha-Cha-Cha, er die Samba, die Seele der brasilianischen Kultur mit ihren geschmeidigen Bewegungen. Bei den Wertungsrichtern kommt vor allem ihr Paso Doble gut an.

Der Terminkalender von Ziga/Sauerwald ist rund um die GOC randvoll. Am Mittwoch starten sie auch noch beim WDSF Open Standard, um die 10 Tänze zu komplettieren, und am Freitag vertreten sie Deutschland beim World Team Cup Youth. Auf die GOC haben sie sich bei einem Trainingslager in Massenberg vorbereitet. „Den Schwerpunkt haben wir dabei nicht auf die Technik, sondern auf Ausdruck und Kondition gelegt“, verrät Michael Ziga. Weil der Stuttgarter nächstes Jahr 19 wird, werden sie dann in der Hauptklasse starten. Zwei bis drei Jahre wollen sie noch bei den 10 Tänzen starten und sich dann voll auf Latein – auf pure Energie auf dem Parkett – konzentrieren.

Das Video ist bei den German Open Championships in Stuttgart 2016 entstanden

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