Germanys Next Bundeskanzler/in Nürtinger will Politik-Casting gewinnen

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Andreas Bergholz aus Nürtingen steht im Finale des Politik-Castings „Germany´s Next Bundeskanzler/in“. Der 24-Jährige erklärt, was Politik mit „Game of Thrones“ zu tun hat, und warum ihn das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 zur Politik brachte.

Andreas Bergholz studiert in Nürtingen Volkswirtschaftslehre. Der 24-Jährige hat es ins Finale des Politik-Castings „Germany´s Next Bundeskanzler/in“ geschafft. Foto: Bergholz
Andreas Bergholz studiert in Nürtingen Volkswirtschaftslehre. Der 24-Jährige hat es ins Finale des Politik-Castings „Germany´s Next Bundeskanzler/in“ geschafft. Foto: Bergholz

Stuttgart/Nürtingen - Er ist für die Vereinigten Staaten von Europa, wünscht sich junge Politiker, die glaubhaft sind, und fordert Chancengleichheit für alle, unabhängig von Finanzen oder Migrationshintergrund: Andreas Bergholz aus Nürtingen steht im Finale des Politik-Castings von „Germany´s Next Bundeskanzler/in“ (GNBK). Als einer von fünf Finalteilnehmern kämpft er am 1. September in Berlin um den Sieg im Online-Wettbewerb, den die Jungen Unternehmer ins Leben gerufen haben.

135 Männer und Frauen zwischen 18 und 25 Jahren haben sich bei dem Format beworben. Mit Videos zu drei Aufgaben zogen sie im Internet in den Wahlkampf und auf digitalen Stimmenfang. Der 24-jährige Student schaffte es dabei, mehr als 1100 Unterstützer zu finden, die ihn ins Finale klickten.

Für Bergholz ist Politik „das halbe Leben“ und er würde seine Leidenschaft auch gerne anderen jungen Menschen näher bringen: „Ich will Politik verständlich machen, in einer leichten Sprache. Denn oft sind die Themen komplex und es ist schwer in Debatten einzusteigen“, sagt Bergholz.

Jüngste Bundestagsabgeordnete in der Jury

Zustimmung erhält er bei dieser Thematik auch von GNBK-Jurymitglied Ronja Kemmer. Sie wurde Ende 2014 von heute auf morgen zur jüngsten Bundestagsabgeordneten, als sie als Nachrückerin für den verstorbenen Andreas Schockenhoff zur CDU-Fraktion stieß. „Wir brauchen für junge Menschen andere Kanäle und eine andere Sprache, um sie zu erreichen. Wir dürfen nicht ständig Fachbegriffe verwenden, die keiner außerhalb der Politik kennt“, sagt die 28-Jährige. „Die junge Generation geht nicht zu politischen Veranstaltungen. Deshalb gehe ich für meinen Wahlkampf zum Beispiel in Kneipen und Jugendzentren.“

Die Jungen Unternehmer haben die Politikerin, die ihren Wahlkreis in Ulm hat, gezielt für die Jury ausgewählt. Als junges Gesicht des Bundestages. Neben ihr entscheiden noch Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der Bild-Zeitung, Johanna Strunz, stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer und Florian Mundt, besser bekannt als Youtuber „LeFloid“, wer das Casting gewinnt.

10.000 Euro für den Sieger

Den Sieger erwartet zwar nicht die Kanzlerschaft, dafür aber ein Stipendium über 10.000 Euro. VWL-Student Bergholz, der gerade an seiner Bachelor-Arbeit schreibt, würde von dem Geld gerne eine Art „Greenpeace für die junge Generation“ aufbauen. Eine Organisation, die sich für die Bedürfnisse junger Menschen einsetzt.

Die Jungen Unternehmer wollen mit dem Casting zum Wählen animieren. Auslöser sei der Brexit gewesen, nach dem sich zeigte, dass viele junge, pro-europäische Menschen ihre Stimme nicht abgegeben hatten und so den EU-Ausstieg Großbritanniens mit ermöglichten, erklärt ein Sprecher des Verbandes. Der Wirtschaftsverband konnte Ronja Kemmer schnell von dem Format überzeugen: „Mir hat das Konzept gut gefallen. Zum einen, weil es die Zielgruppe in den sozialen Netzwerken direkt anspricht. Zum anderen, weil es zeigt, dass man selber anpacken kann und soll“, erklärt Kemmer.

Das Bundeskanzleramt als Eiserner Thron

Neben der Politik interessiert sich Bergholz unter anderem für „Game of Thrones“ und sieht in der Fantasy-Serie von HBO Parallelen zur Politik: „Das Kanzleramt ist der Eiserne Thron. Und so gut wie jeder deutsche Politiker will auf den Thron. Der Macht wegen. Und dabei verlieren sie die eigentlichen Probleme aus den Augen“, findet der Nürtinger.

Sein Interesse an der Politik weckte vor allem ein Ereignis – die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 im Stuttgarter Schlossgarten. „Ich sah Bilder von den Protesten im Fernsehen und dort waren Leute, die jünger waren als ich, die sich einsetzten. Und ich saß Zuhause. Da wusste ich, dass ich etwas ändern muss.“

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Der Student, der ursprünglich aus Singen am Bodensee kommt, ärgert sich über die aktuelle politische Situation und die Einstellung vieler Politiker. Er selbst versucht schon länger etwas daran zu ändern. Von 2011 bis 2013 war er Mitglied in der Piratenpartei, seit diesem Jahr engagiert er sich in der neu formierten „Demokratie in Bewegung“, die auch an der Bundestagswahl am 24. September teilnimmt. Von den etablierten Parteien fühlt er sich nicht vertreten. Ein Praxissemester im Bundestag, beim Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, habe diesen Eindruck verstärkt.

Finale live auf Youtube

Am 30. August reisen Bergholz und seine vier Gegner für das Finale nach Berlin. Dort gibt es zunächst ein „Kanzler-Camp“ mit einem Rhetorik-Kurs, sowie die Aufgabe, vor dem Brandenburger Tor eine Rede zu halten und dabei viele Zuschauer anzulocken. Am 1. September findet dann das Finale statt. Von 12 Uhr an müssen sich Bergholz und die anderen Teilnehmer den Fragen der Jury stellen und in einem Quiz ihr Wissen beweisen. Einen Youtube-Livestream vom Finale gibt es auf der Homepage von Germany´s Next Bundeskanzler/in.




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