Geschäftsstelle kommt nach Fellbach Grundstücksgutachten werden gebündelt

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Bewertung von Häusern und Grundstücken: Fellbach, Kernen und Weinstadt schließen ihre Gutachterausschüsse zusammen, die Geschäftsstelle kommt nach Fellbach. Wie sieht es mit den Kosten aus?

Der Blick über die Stadtgrenzen hinaus hilft bei Wertgutachten. Foto: Patricia Sigerist
Der Blick über die Stadtgrenzen hinaus hilft bei Wertgutachten. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach/Kernen/Weinstadt - Wer schon einmal ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück verkaufen wollte, aber sich über den Wert nicht im Klaren war, hat möglicherweise den örtlichen Gutachterausschuss beauftragt. Auch wenn im Erbfall der genaue Grundstückswert aus steuerlichen Gründen nachzuweisen ist, wird ein Besuch des mit Gemeinderäten und Fachleuten besetzten Ausschusses Klarheit schaffen.

Die drei Kommunen haben ihre bestehenden Gutachterausschüsse zusammengeschlossen

Der Gutachterausschuss erstellt Verkehrswertgutachten für unbebaute und bebaute Grundstücke sowie Rechte an Grundstücken. Die Stadtverwaltung Fellbach wird künftig die neue Geschäftsstelle des gemeinsamen Gutachterausschusses Unteres Remstal für Fellbach, Kernen und Weinstadt. Dazu muss zusätzliches Personal eingestellt werden. Die drei Kommunen haben ihre bestehenden Gutachterausschüsse zusammengeschlossen, um den Gutachten mehr Rechtssicherheit zu verschaffen. Weil die Gutachter sich künftig auf mehr Vergleichsfälle stützen können, wird ihr Urteil zuverlässiger sein, so hoffen die Stadt- und Gemeindeväter. Gesetzesänderungen haben dazu geführt: „Um die gesetzlich geforderten Daten verlässlich ableiten zu können, ist eine ausreichende Anzahl von Kauffällen erforderlich, die in der Kaufpreissammlung erfasst und ausgewertet werden müssen. Die notwendigen Fallzahlen bedingen einen entsprechend großen Zuständigkeitsbereich“, schreibt Marcus Kessler, der stellvertretende Bauamtsleiter in der Gemeinde Kernen.

Drei Stellen zu Kosten von etwa 310 000 Euro jährlich werden benötigt

Gemeinsam über die Stadt- und Gemeindegrenzen hinweg wird das neue Gremium Zugriff auf etwa 1200 Kaufverträge jährlich haben. Das erscheint auch Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull und Baubürgermeisterin Beatrice Soltys eine ausreichende Basis, um die gesetzlich vorgeschriebenen Wertermittlungsdaten ableiten zu können. „Um eine deutliche Verbesserung zu erreichen, wird von einer Richtgröße von mindestens 1000 auswertbaren Kauffällen pro Jahr ausgegangen“, heißt es in einer Vorlage an den Gemeinderat in Fellbach und fast wortgleich in Kernen.

Die Kehrseite der neuen Rechtssicherheit: Es sei eine geeignete Personal- und Sachmittelausstattung bei der gemeinsamen Geschäftsstelle erforderlich, davon sind die Rathausbeamten überzeugt. Drei Stellen zu Kosten von etwa 310 000 Euro jährlich werden benötigt und bei der Stadt Fellbach angestellt. Derzeit kommen die drei Partner mit rechnerisch einer Stelle für 126 000 Euro aus. Der vergrößerte Gutachterausschuss – Fellbach stellt zehn, Weinstadt sechs und Kernen vier Gutachter – führt dazu, dass sich die Entschädigungen für deren ehrenamtliches Wirken auf 15 000 Euro verdreifachen.

Im Rems-Murr-Kreis haben sich bereits weitere gemeinsame Gutachterausschüsse gebildet

Bei geschätzten Gebühreneinnahmen von 100 000 Euro verbleibt ein Fehlbetrag von 225 000 Euro pro Jahr. Er wird entsprechend der Einwohnerzahl auf die beteiligten Städte und die Gemeinde umgelegt. Der Gutachterausschuss und die Stadt Fellbach als ausführende Stelle führen zukünftig die Kaufpreissammlung in automatisierter Form und werten sie aus. Sie bestimmen die für die Wertermittlung erforderlichen Daten und erstellen Marktberichte sowie Statistiken.

Im Rems-Murr-Kreis haben sich bereits weitere gemeinsame Gutachterausschüsse gebildet, etwa das Mittlere Remstal mit Schorndorf, Urbach, Plüderhausen, Winterbach und Remshalden, dazu Waiblingen und Korb, die hier ausnahmsweise nicht zum Unteren Remstal zählen, sondern getrennt davon gemeinsame Sache machen. Einen gemeinsamen Gutachterausschuss haben auch Berglen, Leutenbach, Schwaikheim und Winnenden.

Der Beschluss passierte den Gemeinderat Kernen trotz Skepsis. „Fellbach wird immer noch höhere Preis haben“, wandte UFW-Gemeinderat Martin Weiß ein. Marcus Kessler sieht darin kein Problem: „Die Kernener Gutachter werden bei Bewertungen in Kernen vor Ort sein.“