Gewerkschaft plant Aktionstag IG Metall fordert fairen Wandel

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Gegen Arbeitsplatzabbau und Produktionsverlagerungen will die Industriegewerkschaft (IG) Metall am 22. November in Stuttgart protestieren. Auch Beschäftigte aus dem Rems-Murr-Kreis sollen dabei sein.

Im Rems-Murr-Kreis protestiert die IG Metall derzeit gegen die Schließung des Conti-Werks in Oppenweiler. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv
Im Rems-Murr-Kreis protestiert die IG Metall derzeit gegen die Schließung des Conti-Werks in Oppenweiler. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

Waiblingen - Mit Plänen „aus dem Giftschrank“ versuchten derzeit Unternehmen wie Bosch, Continental und Mahle die anstehenden Transformationsprozesse in der Region zu bewältigen – so sieht das zumindest die Industriegewerkschaft (IG) Metall Kooperation Waiblingen Ludwigsburg. Deren Geschäftsführer Matthias Fuchs kritisierte am Dienstag bei einem Pressegespräch, es sei kontraproduktiv, wenn die Arbeitgeber Tausende von Stellen zur Disposition stellten.

Menschen vor Profit

So wie beispielsweise Continental: Der Autozulieferer hatte im vergangenen Sommer mitgeteilt, er werde sein Werk in Oppenweiler schließen. Rund 340 Mitarbeiter sind davon betroffen. Tatsächlich stellten die Digitalisierung, der technologische Wandel und die sich derzeit abschwächende Konjunktur große Herausforderungen dar – gerade für Automobilzulieferer, erklärte Fuchs. „Aber Menschen und ihre Familien müssen vor der Profitmaximierung kommen“, betonte er.

„Wir haben die Krise nicht gemacht“, sagte Jürgen Voag, der am Bosch-Standort in Murrhardt Betriebsratsvorsitzender ist. Er befürchtet unter anderem eine zunehmende Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer – und das, wie er sagt, „ohne Not“. Vielmehr gehe es den Arbeitgebern darum, „die Rendite genauso weiter nach oben zu drehen, wie sie es gewohnt sind.“ Doch ein derart kurzfristiges Denken zulasten der Beschäftigten gefährde langfristig den Wohlstand in Deutschland und Europa, warnte Voag.

Aktionstag in Stuttgart

Deshalb veranstaltet die IG Metall Baden-Württemberg am 22. November auf dem Stuttgarter Schlossplatz einen Aktionstag für fairen Wandel. „Wir führen eine Auseinandersetzung, die uns alle betrifft. Wir erwarten die Unterstützung der Politik, die bisher viel zu verhalten auftritt. Wir erwarten von den Arbeitgebern eine Kurskorrektur. Und wir erwarten von unseren Kolleginnen und Kollegen, sich aktiv einzumischen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Mit „10 000 plus x“ Teilnehmern aus dem ganzen Bundesland rechnen die Verantwortlichen, aus dem Rems-Murr-Kreis sollen sich rund 750 Beschäftigte auf den Weg nach Stuttgart machen, so Matthias Fuchs. Unter anderen die Arbeitnehmer des Bosch-Standorts für Verbindungstechnik in Waiblingen, wo die Betriebsräte Gürhan Ag und Stefano Mazzei ihre Kollegen mit einer Videobotschaft sowie in direkten Gesprächen für den Aktionstag mobilisieren wollen – und zwar nicht nur diejenigen, die direkt in der Fertigung tätig sind. Denn inzwischen gehe Bosch bei Kürzungen auch an die sogenannten indirekten Bereiche – wie Verwaltung, Vertrieb, Forschung und Entwicklung – ran. „Diese rote Linie ist auch weggefallen“, erklärte Stefano Mazzei vor dem Hintergrund der jüngsten Pläne des Konzerns zum Stellenabbau.

Südwestmetall widerspricht

Den Gewerkschaftern ist bewusst, dass die Gegenseite Demonstrationen und Appelle aussitzen kann – „aber es ist die Aufgabe von Gewerkschaft, auszufechten, dass diejenigen, die etwas erwirtschaften, auch etwas davon abkriegen“, betonte Matthias Fuchs. Sollten die Arbeitgeber nicht bereit sein, mit der IG Metall gemeinsam die Zukunft zu gestalten, müsse die Gewerkschaft „zeigen, wie stark sie sein kann, wenn sie stark sein muss“, so Fuchs kämpferisch.

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall erklärte indes auf Anfrage, die Vorwürfe, man betreibe auf dem Rücken der Beschäftigten eine breit angelegte Gewinnmaximierung durch kostengetriebene Verlagerungen, entbehrten jeglicher Grundlage. Stellen würden aus strukturellen Gründen gestrichen: „Wenn keine neuen Beschäftigungsmöglichkeiten erschlossen werden können, kann es dazu führen, dass Arbeitsplätze in letzter Konsequenz abgebaut werden müssen“, so Peer-Michael Dick, der Hauptgeschäftsführer. Das finde momentan aber nicht in der Breite statt.