Krimikolumne

Giorgio Fontana: „Im Namen der Gerechtigkeit“ Dottore Doni im Zweifel

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Ausnahmen ja, Fehler nein – der leitende Mailänder Staatsanwalt Dottore Doni hat klare Prinzipien. Doch als ihn eine Journalistin um Hilfe für einen inhaftierten Tunesier bittet, gerät sein Weltbild ins Wanken.

Ein Autor mit Tiefgang: Giorgio Fontana beschreibt lakonisch, wie es ist, wenn aus Gewissheiten  Ungewissheiten werden. Foto: Ordine della Giarrettiera
Ein Autor mit Tiefgang: Giorgio Fontana beschreibt lakonisch, wie es ist, wenn aus Gewissheiten Ungewissheiten werden. Foto: Ordine della Giarrettiera

Stuttgart - „Im Namen der Gerechtigkeit“ heißt das Buch. Und wie heißt die Schwester der Gerechtigkeit? Richtig: Selbstgerechtigkeit.

Roberto Doni, leitender Staatsanwalt in Mailand, hält in Giorgio Fontanas Roman große Stücke auf seine juristischen und moralischen Maßstäbe. Ausnahmen ja, Fehler nein, lautet seine Devise. Ein junger Steuerfahnder, der zufällig und eher widerwillig in eine kleine Bestechungsgeschichte hineingeschliddert ist, bekommt das zu spüren. Seine Karriere wird auf Donis Druck beendet, ehe sie so recht begonnen hat.

Plötzlich steht alles in Frage

Was aber, wenn Dottore Doni selbst unversehens in eine Grauzone rutscht, die sein ganzes schönes Weltbild ins Wanken bringt? Die Journalistin Elena Vicenzi ist es, die den Mittsechziger auf eine Bahn bringt, auf der mit einmal alles in Frage steht, was Doni für recht und gut gehalten hat.

Vicenzi behauptet, der Tunesier Khaled sei keineswegs schuld daran, dass eine junge Frau nach einer Schießerei im Rollstuhl sitzt. Doch Beweise? Beweise in dem Sinn kann die Reporterin nicht liefern. Allenfalls Kontakte zu eher einsilbigen Menschen aus Khaleds Umfeld, Einblicke in die Immigrantenszene Norditaliens, Vermutungen . . .

Wie wird Staatsanwalt Doni, dieser etwas eitle, in Ehren ergraute Jurist, der am Dienstcomputer immer an seinem Testament feilt, reagieren? Wird er die Sache durchziehen? Auf sich beruhen lassen? Seine restliche Karriere riskieren?

In die Tiefe gehendes Kammerspiel

Giorgio Fontana ist mit seinem Roman ein unaufgeregtes, in die Tiefe gehendes Kammerspiel gelungen. Von ganz wenigen Schnörkeln abgesehen („Mailands Herz brach auf wie eine faulige Frucht“) schreibt er klar und lakonisch, wie es ist, wenn am Ende eines langen Berufslebens aus Gewissheiten von jetzt auf nachher Ungewissheiten werden.

Giorgio Fontana: „Im Namen der Gerechtigkeit“ Roman. Aus dem Italienischen von Karin Krieger. Nagel & Kimche, Zürich. 256 Seiten, 18,90 Euro. Auch als E-Book, 14,99 Euro.

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