Göppingen Das Sahnehäubchen auf 16 Jahre Göppingen

Von Sabine Riker 

Der ehemalige Oberbürgermeister Hans Haller wird heute bei einer Feier in der Stadthalle zum Ehrenbürger ernannt. Die Zeit in der Hohenstaufenstadt bezeichnet der Alt-OB als die interessanteste seines Lebens.

Hans Haller bei seinem Abschied vom Göppinger Rathaus im Jahr 1997 Foto: Archiv/Horst Rudel
Hans Haller bei seinem Abschied vom Göppinger Rathaus im Jahr 1997 Foto: Archiv/Horst Rudel

Göppingen - Da ist es, das typische Hans-Haller-Lächeln, die freundliche Art, auf andere zuzugehen. Mit den Leuten habe er es immer gekonnt, sagen seine Weggefährten aus Göppinger Rathaustagen. Heute ernennt die Stadt, deren Oberbürgermeister er in den Jahren 1981 bis 1997 war, Hans Haller zu ihrem Ehrenbürger. Er ist der elfte seit 1842. Das freut ihn und macht ihn gleichermaßen verlegen.

Die Ehrenbürgerwürde sei ein schönes „Sahnehäubchen“ auf seine 16 Jahre in Göppingen, die interessanteste Zeit seines Lebens, wie er sagt. Er nehme diese Auszeichnung aber in dem Bewusstsein an, dass er die Aufgaben ohne die Unterstützung einer hervorragenden Verwaltungsmannschaft und eines aufgeschlossenen Gemeinderats nicht hätte bewältigen können. „Die Verwaltung, die ich in Göppingen angetroffen habe, war die stärkste von den drei Stadtverwaltungen, die ich erlebt habe.“ Das will etwas heißen. Hans Haller war zunächst in Heidelberg, dann in Baden-Baden tätig. Und noch etwas findet er in diesem Zusammenhang wichtig. Seine Generation habe das Glück gehabt, im Frieden aufzuwachsen. „Uns stand alles offen, bei uns ging es nur aufwärts.“

Hans Haller lebt heute in Baden-Baden

Obwohl Hans Haller seit seinem Abschied von Göppingen in Baden-Baden lebt, hat er der Stadt im Filstal die Treue gehalten. Die Kommunalpolitik verfolgt er mit großem Interesse, und dem Maientag ist er in den vergangenen 19 Jahren nur einmal ferngeblieben – eines Familienfestes wegen. Wenn er über Göppingen redet, scheint es, als hätte er gerade erst zum letzten Mal die Rathaustür hinter sich geschlossen. Obwohl er mittlerweile 83 Jahre alt ist, hat er sich auch äußerlich kaum verändert. Das gilt auch für seine Kleidung: dunkler Anzug mit Krawatte und einem Pullunder unter dem Jacket. An diesem Tag genießt der Alt-OB es, in der Marktstraße zu flanieren. Er sieht sie als Vollendung dessen, was er einst begonnen hat. Schön sei sie geworden, die Fußgängerzone, lobt er und spricht: „Wir hätten es halt ein bisschen kostengünstiger gemacht.“ Er lächelt.

Als Hans Haller 1981 seinen Posten als OB antrat, war Göppingen eine graue Industriestadt – eine Herausforderung für einen Mann, der in Stuttgart Architektur studiert hatte und zuletzt Baubürgermeister in Baden-Baden war. Da sich die Atmosphäre mit baulichen Veränderungen auf die Schnelle nicht verändern ließ, verordnete Haller Göppingen Grün. Straßen wurden mit Platanen bepflanzt, der Schillerplatz und der Spitalplatz umgestaltet. Außerdem vereitelte er den vierspurigen Ausbau der Mörikestraße, für den das Haus der Familie hätte weichen müssen.

Mit dem Verzicht auf Streusalz kam er sogar im „Spiegel“

Seine Liebe zu Bäumen verband sich mit einer Abneigung gegen die Salzstreuung im Winter. So wurde auf den Göppinger Straßen gleich in seinem ersten Amtsjahr der Einsatz von Streusalz gedrosselt. Das war sogar dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ eine Erwähnung wert. „Streusalz“, so heißt es in der Ausgabe vom 28. Dezember 1981, „sei zwar eine praktische Sache, sagt OB Hans Haller, ,aber immer schon Gift gewesen’, und deshalb wird im schwäbischen Göppingen in diesem Winter vor allem geschippt.“ Das ist heute noch so.

In die Ära Haller fällt auch der Aufbau der Außenstelle der Fachhochschule Esslingen. Haller erinnert sich noch gut, dass die Stadt in Windeseile ein passendes Gebäude aufbieten musste, um diesen Fisch an Land zu ziehen. Heute noch ist er stolz, dass das ehemalige Saxonia-Industriefertigungsgebäude vom Hochbauamt so umgestaltet wurde, dass es „universitären Ansprüchen“ genügte. Kurz vor Ende seiner zweiten Amtszeit stellte er gemeinsam mit seinen Mitstreitern die Weichen für den neuen Stadtteil Stauferpark: Die Stadt erwarb vom Bund das ehemalige 120 Hektar große US-Militärareal Cooke Barracks.

Noch immer verfolgt Haller interessiert das Geschehen in den Städten, die er mitgeprägt hat. Außerdem hat er die Architektur wiederentdeckt. Der Ausbau von Dachgeschossen ist sein Steckenpferd geworden – in Bad Cannstatt, dem Ort seiner Kindheit. Wieso Haller, der ein Jahr lang Gastdozent für Architektur in London war, diesem Metier abgeschworen hat? Er lächelt. Die Stadtplanung habe es ihm angetan, und die könne man nun mal nur in der Kommunalverwaltung betreiben.