Göppinger Polizeipräsidium Spezialeinheiten bekommen einen neuen Chef

Blickt entspannt in den neuen Lebensabschnitt: Alexander Fuchs geht nach einem bewegten ­Polizistenleben in Pension. Foto: Giacinto Carlucci
Blickt entspannt in den neuen Lebensabschnitt: Alexander Fuchs geht nach einem bewegten ­Polizistenleben in Pension. Foto: Giacinto Carlucci

Psychopathen, Schwerkriminelle, Terroristen: Alexander Fuchs hat in seinem Polizistenleben viel gesehen. Jetzt geht der Leiter der Direktion Spezialeinheiten beim Göppinger Polizeipräsidium Einsatz in den Ruhestand.

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Göppingen - Wie das wohl werden wird, wenn auch Einsatzfahrzeuge keine Verbrennermotoren mehr haben? Wenn bei fünf, sechs Elektro-Polizeiwagen mitten in der Observation die Batterie leer ist und das Tanken eben keine fünf Minuten dauert? Solche Fragen beschäftigen Alexander Fuchs kurz vor seinem Pensionärsdasein. Nach zweimaliger Verlängerung geht der 62-Jährige demnächst in den Ruhestand. Seit Juni 2017 leitete er die Direktion Spezialeinheiten beim Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen, davor stand er an der Spitze der Bereitschaftspolizeidirektion Göppingen. Der Pistolenräuber oder „Waldmensch“ von Oppenau wird ihm in Erinnerung bleiben, auch der Terroranschlag auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt. „Das waren relativ große einsatztaktische und personalintensive Herausforderungen“, blickt Fuchs zurück.

Nato-Gipfel und Papstbesuch bleiben in Erinnerung

Der Fast-Pensionär hat unzählige solcher Herausforderungen in seiner Laufbahn erlebt. 1988 kam er zum Spezialeinsatzkommando (SEK), dort war er gute fünf Jahre, ehe er in den höheren Dienst wechselte und 2002 Kommandoführer beim SEK wurde. Für eine lange Zeit, bis 2015. Warum gerade das Spezialeinsatzkommando? Die besondere Aufgabe sei der Reiz gewesen, „sich auf einem besonderen Feld messen zu können“. Hier habe er sich genau am richtigen Platz gefühlt, sagt er, „und eine große Befriedigung bei der täglichen Arbeit“ gefunden: „Ich habe mich beim Einsatzgeschäft sehr wohl gefühlt.“

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Das soll nicht heißen, dass es nicht unzählige brenzlige Situationen gab. In Mannheim habe beispielsweise ein bewaffneter Mafioso beim Zugriff durch die Tür geschossen, „da ist der Gips von der Decke gebröckelt“, erinnert sich der Leitende Polizeidirektor. Auch eine Häuserräumung, ebenfalls in Mannheim, hat Fuchs noch vor Augen: „Vom Hubschrauber seilten sich die Einsatzkräfte des SEK auf das Gebäude ab, auch unten waren Kräfte. Das war schon auch ein besonderer Einsatz.“ Auch der Nato-Gipfel mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama oder der Papstbesuch fallen dem Chef der Spezialeinheiten ein. Und natürlich die Coronapandemie, eine besondere Herausforderung: „Insgesamt sind wir aber gut durchgekommen“, lautet sein Fazit.

Cyber-Kriminalität spielt immer größere Rolle

Seine Hauptaufgabe als Chef der Spezialeinheiten bestand darin, die Einheiten, also SEK und MEK (Mobiles Einsatzkommando) zu koordinieren. Zudem habe er die Aufgabe seines Vorgängers fortgeführt, der nach der großen Polizeireform im Jahr 2014 viel Aufbauarbeit geleistet habe. Im Zuge dieser Reform ist das Polizeipräsidium Einsatz am Standort Göppingen entstanden, Ziel sei es gewesen, dass die Einheiten zusammenwachsen, betont Alexander Fuchs. Neben SEK und MEK gehören auch der Personenschutz und das Technikzentrum zu der Direktion Spezialeinheiten.

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Der Prozess des Zusammenwachsens sei nun vollzogen, „nun sind wir dabei, auszuloten, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden kann, um künftig auf neue Entwicklungen reagieren zu können“, sagt der erfahrene Polizist. Es gehe letztlich darum, „die Spezialeinheiten auf ein bestimmtes Level zu bringen“, betont Fuchs. Einerseits, weil die Arbeit sehr personalintensiv und techniklastig sei. Und andererseits, weil sich die Arbeit der Polizei verändert habe. So spiele Cyber-Kriminalität eine immer größere Rolle. Organisierte Kriminalität und Terrorismus werden die Top-Themen bleiben, meint Fuchs und fügt hinzu: „Wenn man sieht, was in Afghanistan passiert ist, weiß man: Da geht einem die Arbeit nicht aus.“

Für die Zukunft keine festen Pläne

Der Leitende Polizeidirektor wird sie bald nicht mehr erledigen müssen. Der Ruhestand steht an. Sorgen, in ein Loch zu fallen, hat Fuchs nicht. Ein Radunfall und viel Resturlaub hätten im vergangenen Vierteljahr dazu geführt, dass er bereits viel Tagesgeschäft an seinen Nachfolger abgegeben habe: „Sonst hätte ich wohl bis zum letzten Tag hier gearbeitet.“

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Pläne für die Zukunft habe er keine geschmiedet, sagt der verheiratete Familienvater, der im Kreis Heidenheim lebt. Seine Familie, der Sport, mehr lesen – Langeweile werde nicht aufkommen, ist Fuchs überzeugt. Und dem Polizeipräsidium Einsatz werde er verbunden bleiben, und der Polizeiarbeit auch. Schließlich ist ja noch die Frage offen, wie in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft das Tankproblem gelöst wird.

Michael Haller folgt auf Alexander Fuchs

Abschied
 Der Leiter der Direktion Spezialeinheiten, Alexander Fuchs, ist in der Sporthalle des Polizeipräsidiums Einsatz offiziell verabschiedet worden. Sein Dienst endet am 31. Oktober. Dann geht er in den Ruhestand. Zugleich wurde sein Nachfolger Michael Haller ins Amt eingesetzt.

Einsatz
 Das Polizeipräsidium Einsatz unterstützt die dreizehn Regionalpräsidien in Baden-Württemberg sowie das Landeskriminalamt − auf Anordnung des Innenministeriums auch andere Bundesländer.

Spezialeinheiten
Zur dortigen Direktion Spezialeinheiten gehören das Spezialeinsatzkommando, die Mobilen Einsatzkommandos sowie der Personenschutz.

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