Göppinger Pressenhersteller Schuler setzt auf Pressen im mittleren Preissegment

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Schuler, Lieferant von Pressen sowohl für die Autoindustrie als auch für Münzprägeanstalten, ist 2017 vor allem im Ausland gewachsen. Dazu beigetragen hat die chinesische Tochter Yadon.

In der Produktion des Pressenherstellers Schuler  in Göppingen  sehen Besucher vor allem große und schwere  Teile. Foto: dpa
In der Produktion des Pressenherstellers Schuler in Göppingen sehen Besucher vor allem große und schwere Teile. Foto: dpa

Göppingen - Der Pressenhersteller Schuler erwartet in den kommenden Jahren vor allem mit technologisch weniger anspruchsvollen Anlagen ein deutliches Wachstum. Vorstandschef Stefan Klebert schätzt, dass bis in fünf Jahren 50 Prozent des Absatzes auf das mittlere und untere Preissegment entfalle. Durch die Übernahme des chinesischen Pressenherstellers Yadon sieht er Schuler auf diese Entwicklung gut vorbereitet. Wie groß die Preisunterschiede sind, machte Klebert an einem Beispiel deutlich. Für eine technologisch weniger anspruchsvolle Anlage mit einer Presskraft von 630 Tonnen müssten Yadon-Kunden etwa 250­ 000 Euro zahlen, hochwertige Anlagen von Schuler kosteten dagegen eine Million Euro und mehr.

„Yadon-Pressen bilden die Grundlage für neue Produktangebote in den USA und künftig auch in Indien, Vietnam, Sri Lanka und ausgewählten europäischen Zukunftsmärkten“, sagt Klebert am Freitag bei der Vorlage der Bilanz in Göppingen. Eine Kannibalisierung beider Marken befürchtet er aber nicht: Schuler und Yadon hätten getrennte Organisationen und ein eigenes Management.

Autoindustrie hält sich zurück

Mit der Entwicklung im vergangenen Jahr zeigte sich Klebert zufrieden. Umsatz und Ergebnis lägen auf dem höchsten Stand in der Schuler-Geschichte, wozu Yadon und der ebenfalls übernommene sächsischen Werkzeugbauer Aweba-Gruppe beigetragen hätten. Insgesamt kletterte der Schuler-Umsatz um fünf Prozent auf gut 1,2 Milliarden Euro. Dabei seien die Göppinger, die zur österreichischen Andritz-Gruppe gehören, vor allem in Nordamerika (plus 21 Prozent auf 328 Millionen Euro) und in China (plus sieben Prozent auf 310 Millionen Euro ) gewachsen. Weniger zufrieden dürfte Klebert mit den Geschäften mit der Autoindustrie sein; insgesamt seien dort spürbar weniger Aufträge verbucht worden. Grund dafür sei, so Klebert, dass die Autohersteller erhebliche Mittel in die Entwicklung und den Ausbau der Elektromobilität gesteckt hätten und dafür Investitionen in neue Produktionskapazitäten zeitweise zurückgestellt hätten. Doch bereits gegen Jahresende hätten die Bestellungen wieder angezogen. Schuler sieht dem Wandel hin zu neuen Antriebstechnologien gelassen entgegen; denn Presslinien würden sowohl für Karosserieteile für Elektroautos als auch für die Batteriefertigung benötigt.

Gewinnsprung in 2017

Mit der Ertragslage ist der Schuler-Chef zufrieden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 15 Prozent in die Höhe geschnellt. Die Ebitda-Marge – also das Ebitda im Verhältnis zum Umsatz – sei auf 11,5 (Vorjahr: 10,4) Prozent gestiegen. „Das ist ein Spitzenwert im deutschen Maschinen- und Anlagenbau“, so Klebert. Der Gewinn ist dagegen gesunken – und zwar um sieben Prozent auf 72,1 Millionen Euro. Schuler-Finanzchef Norbert Broger begründete dies mit steuerlichen Effekten im Jahr 2016. Weltweit beschäftigt Schuler 6570 (Vorjahr: 6617) Mitarbeiter. Davon sind 4237 (4333) Personen in Deutschland tätig.