Goldschmiedin in Stuttgart-Plieningen Ein schmuckes Handwerk

Von Caroline Holowiecki 

In ihrer Goldschmiede-Werkstatt im Steckfeld (Stuttgart-Plieningen) kreiert Anita Lingens-Lauer filigranen Schmuck. Mit Kursen für Kinder und Erwachsene besetzt sie eine Nische.

Die Goldschmiedin Anita Lingens-Lauer in der Werkstatt im Steckfeld an ihrem Werkbrett Foto: Caroline Holowiecki
Die Goldschmiedin Anita Lingens-Lauer in der Werkstatt im Steckfeld an ihrem Werkbrett Foto: Caroline Holowiecki

Plieningen - Wer Anita Lingens-Lauers Goldschmiede-Werkstatt betritt, fühlt sich ein bisschen, als wäre er in eine Zeitmaschine gestiegen. Etliche Gerätschaften, die die zierliche Frau im roten Kleid benutzt, kennt man so noch vom Vater, vom Opa oder Uropa. Feilen, Zangen, schwere Holzstämme als Unterlagen zum Hämmern. „Vieles im Handwerk ist seit Jahrhunderten unverändert“, sagt Anita Lingens-Lauer.

Das Herzstück des urigen Arbeitsraums im Steckfeld ist das Werkbrett. Aus der halbrund ausgeschnittenen Arbeitsplatte steht ein Holzstück hervor, der Feilnagel. An ihm legt sie Metallteile zum Bearbeiten an. Darunter ist ein Lederschurz gespannt, das Fell. Darin werden selbst kleinste Späne aufgefangen, „damit ich jedes Milligramm nachher recyceln kann“.

Gelernt hat sie an einer Goldschmiedeschule in Pforzheim

Die 52-Jährige ist im Asemwald aufgewachsen. Gelernt hat sie an der Goldschmiedeschule in Pforzheim. „Schon als Kind habe ich mich für Edelsteine und schönen, besonderen Schmuck interessiert“, erzählt sie. Die Tochter ihres früheren Musiklehrers habe in dem Beruf gearbeitet, „zu der bin ich schon als Kind hin“. Die Materialien, aber auch der kreative Prozess hätten sie stets fasziniert. „Ich finde es schön, aus einem Blech oder einem Draht selbst etwas zu machen.“

Löten, fräsen, schleifen – hier wird traditionell handwerklich geschafft. Nur manches ist eben etwas zierlicher. Winzige Tiegelchen, Miniaturbohrer, Pinzetten: Der Goldschmied braucht zweifelsohne eine ruhige Hand und ein gutes Auge. Selbst dünnste Drähte und klitzekleine Ösen fertigt Anita Lingens-Lauer selbst. Dafür werden Edelmetall-Rohlinge so lange durch Walzen gedreht und auf der Ziehbank bearbeitet, bis aus dick hauchfein wird. Auch Email-Arbeiten kann sie anfertigen. In der Küche steht der Ofen. In ihm werden bei Temperaturen von gut und gerne 800 Grad feine Pulver – zermahlenes Glas – verflüssigt. „Angewandte Chemie“, sagt sie lächelnd.

Sie haucht alten Schätzen ein neues Leben ein

Durch alte Techniken entsteht Modernes. In großen Vitrinen im Flur stellt Anita Lingens-Lauer ihre schmucke Kunst aus. Allesamt Unikate. Filigrane Ringe, florale Ohrstecker oder Anhänger mit leuchtenden Turmalinen sind darunter. Die Edelmetalle, die sie verwende, seien Recyclingmaterialien. Doch nicht nur neue Schmuckstücke hat die Goldschmiedin in der Mache. Sie erledigt Reparaturen, und auch alten Schätzen wird nach Kundenwünschen neues Leben eingehaucht. Aktuell arbeitet Anita Lingens-Lauer einen großen Bernstein um. Ehemals zierte der eine Brosche, bald wird der Stein an einer Ketten baumeln.

Ende 2019 hat die Werkstatt im Steckfeld Zehnjähriges gefeiert. Dennoch: Viele andere Schmuckdesigner buhlen ebenfalls um Kundschaft. „Auf Märkten ist die Konkurrenz groß“, sagt sie. Doch Anita Lingens-Lauer besetzt eine Nische. Sie richtet Workshops aus. In ihrer Werkstatt sind mehrere professionelle Arbeitsplätze eingerichtet. Hier können Erwachsene etwa Ringe schmieden. Besonders beliebt sind überdies Kindergeburtstage. Unter Anleitung gestalten die Mädchen und Jungen selbst Anhänger. „Das ist ein sehr schaffiges, produktives Tun. Das wird sehr gut angenommen.“




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