Grausiger Fund in Welzheim Spaziergänger findet totes Baby

Die ganze Nacht über hat die Polizei Spuren gesichert. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat
Die ganze Nacht über hat die Polizei Spuren gesichert. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Die Kriminalpolizei hat in der Nacht auf Freitag Spuren am Ortsausgang von Welzheim gesichert. Trauriger Anlass: Ein Spaziergänger hat dort ein lebloses Neugeborenes entdeckt. Ob es schon tot auf die Welt kam, ist unklar.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)
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Welzheim - Am Donnerstagabend ist auf einer Wiese in Welzheim (Rems-Murr-Kreis) ein totes neugeborenes Kind entdeckt worden. Wie die Polizei bestätigt, machte ein Spaziergänger gegen 18.15 Uhr die grausige Entdeckung. Der Fundort liegt beim Kreisverkehr an der Bockseiche, am Ortsausgang von Welzheim in Richtung Laufenmühle.

Schätzungsweise siebter oder achter Schwangerschaftsmonat

In der Dämmerung begannen Spezialisten der Spurensicherung, das Gebiet zu untersuchen. Der Einsatz dauerte die ganze Nacht. Die Feuerwehr wurde hinzugezogen, um das Gelände auszuleuchten. Laut Augenzeugen wurden Spuren gesichert und zur Untersuchung abtransportiert. Auch am Freitagmorgen waren noch Polizisten vor Ort, um das Gelände bei Tageslicht begutachten zu können.

Laut der Polizei handelt es sich bei dem Baby um ein neugeborenes Kind aus dem schätzungsweise siebten bis achten Schwangerschaftsmonat – also in einem Stadium, in dem Neugeborene mit medizinischer Betreuung normalerweise eigentlich lebensfähig sind.

Ob das in Welzheim gefundene Kind bereits tot auf die Welt kam, ob ihm nach seiner Geburt Gewalt angetan oder ob es einfach zurückgelassen wurde, ist unklar. Die Ermittler machen keine Angaben dazu, ob der kleine Junge beispielsweise in eine Decke eingewickelt war. Ebenfalls unbekannt ist, wer die Mutter des Kindes ist, wer das tote Baby auf der Wiese abgelegt hat und wo es überhaupt geboren wurde. „Die Auffindesituation lässt keine eindeutigen Schlüsse zu“, so Rudolf Biehlmaier, Pressesprecher der Polizei Aalen. Denkbar sei zum Beispiel unter anderem, dass das Kind in einem Auto zur Welt gekommen sei.

Um weitere Hinweise zur Todesursache zu erlangen, soll der kleine Leichnam nun obduziert werden. Laut der Polizei ist noch rätselhaft, wie lange das tote Baby schon dort auf der Wiese gelegen hat.

Die Mutter des toten Babys braucht vielleicht Hilfe

Die Polizei hofft jetzt, durch Hinweise aus der Bevölkerung weitere Details zu dem Fall zu erfahren. Die Gegend um die Bockseiche ist ein beliebtes Ausflugsziel, daher könnte es möglich sein, dass Spaziergänger etwas beobachtet haben. Die Ermittler interessieren sich vor allem für Ereignisse in den letzten Tagen, auf der Wiese an der Friedrich-Bauer-Straße.

Möglicherweise hatte auf einem dortigen Feldweg ein Auto geparkt. Relevant könnte auch sein, wenn jemandem eine Frau aufgefallen ist, die trotz beendeter Schwangerschaft keinen Säugling hat. Möglicherweise, so die Polizei, benötigt die Mutter des toten Babys auch ärztliche oder psychologische Hilfe.

Der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr äußerte sich am Freitag bestürzt über den Fund des Leichnams. „Es bleibt zu hoffen, dass ein tragisches Schicksal hinter dem Sachverhalt steht und kein Verbrechen“, so Bernlöhr. Er dankte den Mitarbeitern von Feuerwehr und Polizei – „für sie sind solche Einsätze besonders belastend“.

Totgeburten von Kindern ab einem Gewicht von 500 Gramm sind in Deutschland meldepflichtig. Die kleinen Körper müssen bestattet werden – und die Eltern haben das Recht, ihrem toten Kind einen Namen zu geben.

Wenn Mütter ihren Neugeborenen Leid zufügen

Immer wieder kommt es in der Region aber auch zu Fällen von Kindstötung. Im Jahr 2014 wurde eine Frau aus Aspach (ebenfalls Rems-Murr-Kreis) wegen Totschlags an ihrem vier Monate alten Jungen zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Sie hatte den Vater des Kindes beschuldigt – doch das Gericht sah es als erwiesen an, dass die damals 25-Jährige das Baby erstickt hatte. Offenbar war der Bluttat ein Streit des Paars vorausgegangen.

Im Jahr 2017 wurde eine Frau aus Steinheim an der Murr (Kreis Ludwigsburg) zu fast fünf Jahren Haft verurteilt, weil sie ihr neugeborenes Kind erstickt hatte. Vor Gericht sagte sie, die Schwangerschaft aus Angst um ihre Partnerschaft verheimlicht zu haben. Im Mai 2019 brachte in Stuttgart-Ost eine psychisch kranke Frau ihre zwei Monate alte Tochter mit einer Schere um. Der Vater des Kindes hatte das leblose Kind in der Wohnung gefunden, die Frau wurde im Herbst in eine Psychiatrie eingewiesen.




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