Grüne im Südwesten Kühn tritt ab, Hildenbrand kommt

Oliver Hildenbrand bewirbt sich um den Landesvorsitz der Grünen. Er geht als  Repräsentant der Parteilinken ins Rennen. Foto:   14 Bilder
Oliver Hildenbrand bewirbt sich um den Landesvorsitz der Grünen. Er geht als Repräsentant der Parteilinken ins Rennen. Foto:  

Landeschef Chris Kühn geht in den Bundestag, weshalb er sein Parteiamt aufgeben muss. Als Nachfolger steht Oliver Hildenbrand bereit. Der 25-Jährige, der seit zwei Jahren dem Landesvorstand angehört, soll im November gewählt werden.

Stuttgart - Mit dem Einzug des Grünen-Landesvorsitzenden Chris Kühn in den Bundestag kommt es zu einem Wechsel an der Parteispitze. Denn als Mandatsträger kann Kühn nicht länger die baden-württembergischen Grünen führen. So verlangt es die Satzung, die für den geschäftsführenden Landesvorstand nach wie vor auf einer strikten Trennung von Amt und Mandat besteht. Der Nachfolger wird auf dem Landesparteitag im November in Esslingen gewählt. Gute Aussichten hat ein Grüner aus dem Kreisverband Main-Tauber: Oliver Hildenbrand, seit zwei Jahren Mitglied des Parteirats und zuvor vier Jahre Sprecher der Grünen Jugend im Land. Zur Wiederwahl stellt sich die Co-Vorsitzende Thekla Walker aus Stuttgart, die 2011 erstmals an die Spitze der Landespartei gelangte.

Masterarbeit in Psychologie

Hildenbrand ist wie Kühn dem linken Spektrum der Grünen zuzurechnen und geht als Kandidat dieses Flügels ins Rennen. Dabei darf er auch auf die Unterstützung der Realos rechnen, als deren Repräsentantin Thekla Walker antritt. Denn so bleibt die innerparteiliche Machtbalance gewahrt. Mit 25 Jahren zählt Oliver Hildenbrand zur jungen Garde der Grünen im Südwesten.

Derzeit schreibt er noch an seiner Masterarbeit. In Wertheim geboren und im benachbarten Freudenberg aufgewachsen, absolvierte Hildenbrand nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr im Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen. Dort reifte sein Entschluss, das Studium der Psychologie aufzunehmen. In Bamberg erwarb er den Bachelor, dann ging er nach Bonn. Nun liegt er mit seiner Masterarbeit in den letzten Zügen. Es geht, ganz grob gesprochen, um eine Bestätigung der psychoanalytische Methode mit Mitteln der Neurowissenschaften. Dabei weist er zum Beispiel Mechanismen der Verdrängung nach – letzteres ein Phänomen, das ihm in der Politik künftig häufig begegnen dürfte.

Was will er als Landesvorsitzender anpacken? Und wie will er sich gegenüber einem schier übermächtigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, behaupten? „Ich bin nicht auf Krawall gebürstet“, erwidert Hildenbrand. Aber: „Wenn Partei, Regierung und Fraktion eine gemeinsame Verantwortung tragen, muss man auch zu gemeinsamen Lösungen kommen. Erfolgreich sind wir nicht, wenn wir losgelöst von einander agieren.“ Dieser Satz ist durchaus selbstbewusst zu verstehen; denn so, wie er formuliert ist, verspricht er nicht nur Solidarität, sondern fordert auch das Entgegenkommen von Regierung und Fraktion ein.

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