Günstiges Benzin in der Corona-Krise So geht es Tankstellenbetreibern in Baden-Württemberg

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Sprit ist so günstig wie schon lange nicht mehr. Zeitweise kostete der Liter Diesel in Stuttgart weniger als einen Euro. Für die Tankstellen ist die Coronazeit von Verlusten geprägt, doch das liegt nicht am günstigen Benzinpreis.

Benzin und Diesel sind in der Corona-Krise an der Tankstelle günstig zu haben. Foto: imago images/U. J. Alexander/ via www.imago-images.de
Benzin und Diesel sind in der Corona-Krise an der Tankstelle günstig zu haben. Foto: imago images/U. J. Alexander/ via www.imago-images.de

Stuttgart - Es wirkt paradox: An vielen Tankstellen Stuttgarts kostet das Benzin derzeit weniger als 1,20 Euro, doch die meisten Autofahrer haben nichts davon. Aufgrund von Lockdown, Kontaktsperren und Homeoffice fahren die Menschen deutlich weniger mit dem Auto als noch vor dem Ausbruch des Coronavirus.

Das Phänomen betrifft ganz Baden-Württemberg. Frank Schumacher spürt das tagtäglich: „Beim Umsatz haben wir unter der Woche 50 Prozent Einbußen“, sagt der Tankstellenbetreiber aus Waldbronn. Dabei spricht er nicht nur für sich, denn er gehört zum Vorstand beim Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, dem landesweit rund 600 Tankstellen angehören. „Was nützt der billige Sprit, wenn man nicht fahren darf?“, fragt Schumacher und bringt damit das Problem auf den Punkt.

Umsatz bricht um bis zu 80 Prozent ein

Noch härter schätzt Herbert Rabl die Situation für Tankstellenbetreiber ein: Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands schätzt die Umsatzverluste auf 60 bis 80 Prozent. „Viele Tankstellenbetreiber stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt Rabl. Dabei spielt der niedrige Benzinpreis für die Verluste eine untergeordnete Rolle. Das liegt laut Rabl an der Art und Weise, wie Tankstellen Geld verdienen. Demnach beruhen die Einkünfte auf drei Säulen: der Spritprovision, dem Shop- und dem Zusatzgeschäft.

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Viele Gesellschaften bezahlen den Tankstellen rund einen Cent je verkauftem Liter Kraftstoff. „Die Provision ist unabhängig vom Preis“, erklärt der Sprecher. Insgesamt mache diese Einnahme nur 20 Prozent des Umsatzes einer üblichen Tankstelle aus. Den Löwenanteil von 60 bis 70 Prozent setzt ein Tankstellenbetreiber dagegen mit dem Shopgeschäft um. Das ist der Verkauf von Kaffee, Zigaretten, Zeitschriften und anderem. Unter das Zusatzgeschäft fallen dann noch Dienstleistungen wie Autowaschen, Ölwechsel und Reparaturen in einer Werkstatt.

Kürzere Öffnungszeiten

Da Lebensmittel im Laden nicht mehr verzehrt werden dürfen, ist deren Verkauf deutlich zurückgegangen. Tankstellenbetreiber Schumacher nennt ein Beispiel: „Normalerweise haben Lkw-Fahrer ihre Touren in der Tankstelle geplant. Das findet alles nicht mehr statt.“ Dazu trägt natürlich auch die verringerte Anzahl an Kunden im Geschäft bei. Schumacher hat ein Schild aufgehängt: Es dürfen nur noch fünf Kunden gleichzeitig im Laden sein. Außerdem hat er die Öffnungszeiten verkürzt.

Tankstellenbetreiber können ihr Sortiment nicht nach Belieben an die Krisensituation anpassen, denn welche Ware in der Tankstelle zum Verkauf angeboten wird und wie lange eine Tankstelle offen hat, werde oft durch die Gesellschaften, also Mineralölkonzerne, vorgegeben. Hoffnung macht den Unternehmern aber der Frühling und die anstehenden Lockerungen. Dadurch könnten bald wieder mehr Menschen unterwegs sein.

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