Stadtkind Stuttgart

Gute-Nacht-Geschichte Nanni nörgelt niveauvoll

Von Tanja Simoncev 

Was im Club passiert, bleibt im Club – von wegen! Bei unseren Gute-Nacht-Geschichten wird ausgeplaudert, was das Zeug hält. Stuttgarter DJs, Barkeeper und Türsteher bekommen absolute Sprecherlaubnis und hauen uns die derbsten Nightlife-Storys um die Ohren. Na, dann gut’s Nächtle! Dieses Mal: Miss Evoice a.k.a. Nanni.

Eine DJane für die nur die Musik zählt: Nanni a.k.a. Miss Evoice in der Romantica. Foto: Michael Colella / www.michaelcolella.de 7 Bilder
Eine DJane für die nur die Musik zählt: Nanni a.k.a. Miss Evoice in der Romantica. Foto: Michael Colella / www.michaelcolella.de

Stuttgart - Klein, aber oho. Das ist die Nanni, die sich als Miss Evoice einen Namen gemacht und hinter den Plattenreglern – seit fast zehn Jahren – ihr zweites Zuhause gefunden hat. Sie lebt für die Musik, steht aber überhaupt nicht gern im Mittelpunkt – und sie hasst Interviews. Die 30-Jährige wolle sich damit einfach nicht beschäftigen. Warum? Weil für sie nur die Musik zählt. Schluss. Punkt. Aus. „Wer ich bin und wo ich herkomme, spielt doch, wenn die Musik spielt, keine Rolle“, findet die DJane.

Und so dreht die kleine Kurzhaarige lieber die Platten – geschwind und gekonnt. So dass einem die Elektro-Beats nur so um die Ohren knallen und die Tanzbeine am Shufflen gar nicht drumrum kommen. In der Bar Romantica gehört ihr seit Juli der Donnerstag und der macht Appetit auf Elektro, deshalb heißt er „Appetizer“ – logisch, oder? Dass sie überhaupt auflegen kann, ist aber oft ein Glücksspiel, denn die Türsteher, die sie nicht kennen, fragen immer nach dem Ausweis – sie sieht halt jung aus, die Nanni. Auch an der Tanke gibt’s Kippen nur gegen Ausweis. „Das liegt am thailändischen Papa“, betont die in Oberdorf am Neckar aufgewachsene Halb-Schwäbin.

Die Erlebnisse in den Clubs verdrängt sie am liebsten, ein paar Geschichtchen haut sie jetzt trotzdem raus.

Anspruchsvolle Ansprüche

Es wird immer schwieriger. Früher konnte man auflegen, was man wollte und die Leute sind auch ohne Erwartungen in den Club gekommen. Heute haben die Partypeople genaue Vorstellungen, wollen Techhouse oder Techno oder Deep House hören. Dann kommen sie einfach ans DJ-Pult und verlangen: „Spiel mal härter“, usw. Manchmal gehe ich sogar darauf ein, aber eigentlich mag ich das überhaupt nicht. Ich spiele im Grunde immer so wie ich mir das vorstelle, wie es zur Veranstaltung eben passt und fände es dann einfach cool, wenn die Leute sich darauf einlassen würden. Hat früher leichter geklappt, aber heutzutage musst du manchmal auf die Wünsche eingehen, damit du wenigstens ein wenig Zuspruch bzw. Lob bekommst.

Grenzlose Genre-Grenzen

Das Verrückteste war mal, als ein Gast im Club zu mir herkam und mich, eine Elektro-DJane, gefragt hat: „Hey, kannst du mal was von K.I.Z. spielen?“ Da habe ich auch nur mit dem Kopf geschüttelt und mich gefragt: „Was ist nur mit den Menschen bzw. dem Feierpublikum los?“ Die Leute waren früher einfach viel entspannter, hatten Spaß und haben einfach gefeiert. Das vermisse ich schon ein bisschen.

Schon Schluss?!

Auf einer Veranstaltung habe ich mal am frühen Morgen aufgelegt – so von drei bis sechs Uhr. Als ich dann fertig, zufrieden und schon am Einpacken war, kam ein Mädel zu mir her, die ich kannte und rief ganz euphorisch: „Hey cool, legst du jetzt auf, freut mich voll.“ Und ich dachte mir nur so: „ Äh, wo hast du die letzten drei Stunden hingeschaut, als ich Vollgas gegeben hab?“ War sehr lustig.

Kleine (auf) Kiste

Bei meiner Größe erlebe ich es immer öfter, dass ich im Club ankomme, zum DJ-Pult gehe, alles aufbauen will und dann bemerke: „Shit, ich bin zu klein für dieses Pult.“ Also muss ich mir ganz oft eine Bierkiste holen und spiele meine Gigs dann auf genau dieser. Was willst du machen, bei 1,60 Meter Körpergröße?!

Verrückter Fetisch

Ach, und einmal habe ich auf einer Fetisch-Party aufgelegt. Das war schon ganz verrückt und verwirrend, die Peitschenschläge und das Gestöhne aus dem Darkroom die ganze Zeit. Habe aber viel Lob für meine Musik bekommen, kein Wunder, habe ja auch extra „härteren“ Sound aufgelegt. War bestimmt ein witziges Bild – die kleine Nanni spielt vor Lack- und Leder-Publikum. Ich glaube, ich habe da drin wie ein Paradiesvogel gewirkt, mit meinem T-Shirt, auf dem ein süßer Comic-Elefant abgebildet war. (Wollte ich aber auch unbedingt anziehen.)




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