Gymnasium in Stuttgart Schulleiter Haag verlässt das Fanny

2017 hatte Guntram Haag die Schulleiterstelle in Vaihingen angetreten. Mit dem Ende des Schuljahres verlässt er nun das Fanny-Leicht-Gymnasium. Foto: Alexandra Kratz
2017 hatte Guntram Haag die Schulleiterstelle in Vaihingen angetreten. Mit dem Ende des Schuljahres verlässt er nun das Fanny-Leicht-Gymnasium. Foto: Alexandra Kratz

Nach vier Jahren am Fanny-Leicht-Gymnasium beendet Guntram Haag seine Tätigkeit als Schulleiter in Stuttgart-Vaihingen.

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)
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Vaihingen - Der Geist des Fanny schwebt nicht nur durch die Schulflure und Klassenzimmer, er hängt auch im Bild festgehalten an der Wand im Schulleiterbüro. Der Geist, der bedeutet Zusammenhalt, Wir-Gefühl. „Das hat mich von Anfang an berührt“, sagt Guntram Haag. Und dieser Zusammenhalt umfasst nicht nur die Schüler und Lehrer, sondern auch die Eltern – die ganze Schulgemeinschaft. „Das Fanny begreift sich als Familie“, sagt Haag.

Mit dem Ende des Schuljahres verlässt der Rektor diese Familie, „ausschließlich aus persönlichen Gründen“, wie er sagt. Dass er nach vier Jahren dem Fanny-Leicht-Gymnasium wieder den Rücken kehre, sei nicht geplant gewesen, „ich will kein Schul-Hopping betreiben, aber es ist nun so gekommen, dass ich mit 56 noch etwas Neues beginnen kann“, sagt er.

Das Fanny hat einen musisch-künstlerischen Schwerpunkt

2017 hatte er die Schulleiterstelle am Fanny angetreten. „Ich wusste, dass ich an eine Schule mit einem ausgesprochen guten kulturellen Profil komme.“ Insbesondere, was musikalisch am Fanny passiere, sei „großartig“, sagt Haag und nennt die Aufführung des Musicals „Anatevka“ als Beispiel. Aber auch über andere Events und Konzerte habe er gestaunt – trotz des guten Rufs der Fanny-Ensembles und -Gruppen. „Das war sozusagen eine Überraschung mit Ansage“, sagt der 56-Jährige.

Auf den zweiten Blick habe sich für Guntram Haag das gute naturwissenschaftliche Profil des Vaihinger Gymnasiums gezeigt. Viele Schülerinnen und Schüler brächten einen hohen Bildungshintergrund mit, „und sie bringen einen Bildungshunger mit, auch auf technische und naturwissenschaftliche Aspekte“, so Haags Erfahrung. Er habe versucht, die Schule weiterzuentwickeln, etwa, indem er bei einer Veranstaltung Unternehmens- und Hochschulvertreter an das Fanny geholt habe, „wir konnten viele Kontakte knüpfen“, sagt Haag. „Das wäre mein Ziel gewesen, die Schule besser mit außerschulischen Partnern zu vernetzen“ – doch dann habe das Coronavirus das Schulleben ausgebremst. Guntram Haag nennt das vergangene Jahr eine Herausforderung. „Wir mussten und müssen Unterricht unter ständig wechselnden Voraussetzungen organisieren.“ Das habe sein Kollegium stark beansprucht. Die Pandemie habe bei allen Spuren hinterlassen, bei den Schülern, ihren Familien, den Lehrkräften, „manche hat das an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht“, so Haags Eindruck.

Corona-Pandemie fordert Schulgemeinschaft heraus

Auch er selbst habe mit der Pandemie zu kämpfen gehabt. „Man fühlt sich nicht als Herr der Lage“, sagt er und spricht von einem Ohnmachtsgefühl. Die Organisation habe einen erhöhten Stellenwert bekommen – das sei nicht seine Stärke, sagt Haag. Er habe in dieser Zeit aber als Ruhepol für die Schulgemeinschaft punkten können. „Ich bin schwer aus der Ruhe zu bringen. Das ist eine Eigenschaft, die viele an mir schätzen und die mir hier zugute kam und kommt“, sagt Haag. Er dankt seinem Kollegium. „Ich bin froh, dass in meinem Stab viele fähige Planer waren und sind“, sagt Haag. So habe die Pandemie nicht nur einen negativen Eindruck hinterlassen. „Man erlebt auch, dass es weitergeht, dass man neue Lagen in den Griff kriegen kann.“ Ihm sei es immer wichtig gewesen, selbst zu unterrichten und nicht nur Schulleiter zu sein. „Ich unterrichte sehr gerne. Der Kontakt, der mir am teuersten ist, ist der mit den Schülerinnen und Schülern“, sagt Haag. Bei circa 800 Kindern und Jugendlichen am Fanny sei es zwar schwer, zu allen den persönlichen Kontakt herzustellen, „aber mir ist es immer wichtig gewesen, alle in der Schule zu grüßen, die meisten Gesichter zu erkennen“, sagt er. Bei seinem Einstieg 2017 sei er in alle Klassen gegangen, um sich persönlich vorzustellen. Gibt es nun auch den persönlichen Abschied? „Ich glaube, das würde ich nicht aushalten, das täte zu sehr weh.“

Das wünscht der Rektor der Schule

Der Abschied aus Vaihingen fällt Guntram Haag nicht leicht. „Ich gehe mit einem weinenden Auge, weil ich das Fanny-Leicht-Gymnasium schätze und mag.“ Aber das Fanny sei gut aufgestellt. „Wir haben hier viel Potenzial in der Lehrer- und Schülerschaft, sodass das Fanny nicht untergehen wird, nur weil ich nicht mehr da bin“, sagt der Rektor.

Guntram Haag wünscht der Schulgemeinschaft, dass sie die Folgen von Corona schnell verarbeite, dass wieder viele Menschen in der Schule ein- und ausgehen „und sich darauf freuen“. Er wünscht der Schule eine neue Leitung, die die Schulentwicklung vorantreibe. „Vor allem wünsche ich den Schülern Lehrer, die auf sie achten, und dass möglichst viele von ihnen hier ihre Talente weiterentwickeln können“, sagt Haag, „und dass der Fanny-Geist wieder in tollen Aufführungen und Projekten lebt“.




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