Häusliche Gewalt im Südwesten 19 Frauen im vergangenen Jahr vom Partner getötet

Von red/lsw/dpa 

Frauen sind noch immer weit häufiger Opfer von Beziehungstaten als Männer. Aber auch die Zahl der Männer, die von Partnerinnen verletzt werden, steigt. Das hat mehrere Gründe.

Die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt nimmt im Südwesten zu. Foto: dpa
Die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt nimmt im Südwesten zu. Foto: dpa

Stuttgart - Sie wurden erstochen, erschlagen, erwürgt - im vergangenen Jahr sind im Südwesten 19 Frauen von ihrem Partner getötet worden. Es waren vier Opfer weniger als 2016, aber mehr als in den Jahren davor, wie das Innenministerium mitteilte. Von den angegriffenen Frauen wurden zudem 6215 leicht und 125 schwer verletzt. Bei den Männern waren es 1410 Leicht- und 26 Schwerverletzte sowie 3 Todesfälle. Die Opfer waren teils mehrfach von Übergriffen betroffen. Insgesamt registrierten die Behörden im vergangenen Jahr 12.012 (2016: 12.016) Fälle von Gewalt durch den Partner, darunter 2100 Taten gegen Männer und 9912 gegen Frauen. Zum Vergleich: 2013 wurden noch 11.188 Fälle gezählt.

Die Dunkelziffer sei bei diesen Delikten hoch. „Von 100 Taten werden schätzungsweise nur 20 gemeldet“, sagte der Sprecher von Innenminister Thomas Strobl (CDU). Die Zahlen würden sich im laufenden Jahr zum Teil verschlechtern. Laut Ministerium zeichnet sich ein Anstieg für die männlichen Opfer ab, während die Zahl der weiblichen Opfer auf hohem Niveau stagniert. Der Anteil der Verletzten bewege sich in etwa auf dem Vorjahresniveau. Auffällig sei der Anstieg tödlich Verletzter unter den weiblichen Opfern. Zahlen nannte der Sprecher nicht.

Zahl der männlichen Opfer steigt

Unter den Begriff „häusliche Gewalt“ fallen die direkte körperliche oder psychische Einflussnahme auf Ehe- oder Beziehungspartner. Dabei kann die Beziehung auch bereits aufgelöst worden sein. Die erfassten Taten werden nicht nur im Wohnbereich der Partner begangen, sondern in allen Lebensbereichen, in denen die Partner oder Ex-Partner verkehren.

Die wachsende Zahl männlicher Opfer habe zwei Gründe: „Es ist die Kombination von der steigenden Bereitschaft der Männer, die Scham zu überwinden und zuzugeben, Opfer häuslicher Gewalt geworden zu sein, und der Haltung der Frauen, sich nichts mehr gefallen zu lassen und sich zu wehren.“ Das Risiko selbst zum Opfer zu werden, wenn man Täter war, steige.

Hohe Investitionen geplant

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) betont: „Jede einzelne Frau, die Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt wird, ist eine zu viel.“ Er hatte vor kurzem den flächendeckenden Ausbau der Frauen- und Kinderschutzhäuser bis 2022 angekündigt. Dafür soll ab 2020 ein zweistelliger Millionenbetrag pro Jahr investiert werden. Insbesondere in Ballungsräumen wie Stuttgart und Mannheim erreichten die Frauenhäuser ihre Kapazitätsgrenzen. In den vier Landkreisen Rhein-Neckar, Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und im Enzkreis weder ein Frauen- und Kinderschutzhaus noch eine entsprechende Beratungsstelle.

Malträtierte Frauen finden Zuflucht in den 42 Frauen- und Kinderschutzhäusern in Baden-Württemberg. Sie hielten im vergangenen Jahr 344 Plätze für Frauen und 415 Plätze für Kinder vor. Das Innenministeriumssprecher verwies darauf, dass es bei jedem Polizeipräsidium einen Opferschutzbeauftragten gebe. Infomaterial und Kontakte zu Frauenhäusern sei bei den Polizeirevieren vor Ort zu erhalten.