Handball-Bundesliga Der TVB Stuttgart und die Angst vor dem Abstieg

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Wenige Tage nach der EM wird die Saison in der Handball-Bundesliga fortgesetzt – und für den TVB Stuttgart stehen gleich Wochen der Wahrheit an. Wir erklären, warum.

Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt will mit dem TVB Stuttgart den Klassenverbleib sichern. Foto: Baumann
Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt will mit dem TVB Stuttgart den Klassenverbleib sichern. Foto: Baumann

Stuttgart - Bei der Handball-EM war der TVB Stuttgart in den vergangenen Tagen mit gleich drei Spielern im Kader des Deutschen Handball-Bundes (DHB) neben MT Melsungen am stärksten vertreten – doch davon kann sich der Verein in der Bundesliga nichts kaufen. Vor Beginn der zweiten Saisonhälfte steckt er im Kampf gegen den Abstieg und hat mit allerlei Problemen zu kämpfen. Ein Überblick.

Die Ausgangslage Nachdem der TVB zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr neun Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz hatte, sind es dieses Mal magere zwei Zähler. Das ist alles andere als ein Ruhekissen, zumal die dahinter platzierten Eulen Ludwigshafen im Vorjahr eindrucksvoll bewiesen haben, dass sie nie aufgeben – sie holten damals drei Siege aus den letzten drei Spielen. Trainer Benjamin Matschke sagt nun selbstbewusst: „Wir sind in der Bundesliga so konkurrenzfähig, wie noch nie.“ Das weiß auch sein Stuttgarter Kollege Jürgen Schweikardt: „Die Eulen spielen eine Supersaison und könnten schon ein paar Punkte mehr haben – wir aber auch.“

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Die Analyse Die Aufarbeitung der Hinserie hat ergeben, dass der TVB vor allem in der jeweils zweiten Hälfte oft stark nachlässt. Würden nur die Ergebnisse zur Pause gewertet, hätte die Mannschaft aktuell sieben Punkte mehr auf dem Konto. Schweikardt schließt konditionelle Gründe für die Einbrüche aus: „Wir machen seit 2013 dieselbe Leistungsdiagnostik und die Vergleichsdaten sind nicht schlechter – im Gegenteil.“ An was liegt’s dann? „Wir haben viele junge Spieler, die in entscheidenden Phasen Verantwortung übernehmen mussten.“ Da fehlt oft noch die Erfahrung. Der Coach: „Wir müssen versuchen. unsere Schlüsse daraus zu ziehen.“

In der Vorbereitung lief es nicht gut

Die Vorbereitung Die Vorbereitung in der Winterpause verlief alles andere als optimal – und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. So schön die EM-Nominierungen in der Außenwirkung des TVB war, so fatal war sie für die internen Abläufe. Im Trainingslager in Südtirol verstärkte ein halbes Dutzend A-Jugend-Spieler den Kader, weil neben dem DHB-Trio noch Zarko Peshevski (Nord-Mazedonien) und Samuel Röthlisberger (Schweiz) fehlten. Hinzu kamen die Verletzung von Adam Lönn, der seit Anfang Dezember an Schulterproblemen leidet, und zuletzt noch eine Fingerverletzung von Max Häfner. So unterlag der TVB im Test bei Zweitligist SG BBM Bietigheim 30:31, und Schweikardt musste zugeben: „Die Qualität hat nicht gereicht.“ Dennoch war es letztendlich ein Spiel ohne große Aussagekraft. Schlimmer ist, dass der komplette Kader nur drei Tage Vorbereitung aufs erste Spiel gegen den TBV Lemgo (Sonntag, 16 Uhr) hat, weil die EM-Fahrer erst am Donnerstag ins Training eingestiegen sind. Eine nötige Weiterentwicklung des Teams bis Sommer erscheint da unrealistisch.

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Die Torhüter Torwart Johannes „Jogi“ Bitter zählt zu den wenigen Gewinnern im deutschen EM-Kader, was auch Schweikardt Respekt abverlangt: „Ich habe mich sehr für ihn gefreut.“ Natürlich auch aus Eigeninteresse. „Ich hoffe, dass er die Form konserviert und zu uns mitbringt.“ Nicht auszudenken, wenn Bitter (länger) ausfiele. Die Nummer zwei, Nick Lehmann, hat durch den Druck, der von Beginn an auf dem TVB lastete, bisher weniger Spielzeit bekommen als geplant. Und nach dem 15. Februar dürften nur noch bislang inaktive Spieler nachverpflichtet werden. Dennoch sagt Schweikardt: „Wir können uns nicht für alle Eventualitäten wappnen.“ Das ist auch eine Frage des Budgets. Klar ist: „Ein Ausfall würde unsere Probleme extrem verschärfen“, sagt Schweikardt.

Bleibt Schweikardts Doppelrolle?

Der Trainer Jürgen Schweikardt ist im zweiten Jahr Trainer und Geschäftsführer in Personalunion. Diese Doppelbelastung hat schon dazu geführt, dass spekuliert wird, der 39-Jährige würde sich trotz seines noch bis 2021 laufenden Vertrags im Sommer wieder auf die Rolle als Geschäftsführer begrenzen. „Das war noch kein Thema über das wir intern gesprochen haben“, sagt Schweikardt zwar, gibt aber zu: „Natürlich machen wir uns Gedanken und es war immer klar, dass es kein Dauerzustand sein wird.“ Wobei weitere Diskussionen im Kampf gegen den Abstieg nicht förderlich sind.

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Ausblick Auch Schweikardt kann die Tabelle lesen: „Wir können aktuell nicht sagen, es wird auf jeden Fall klappen.“ Zweigleisige Planungen sind grundsätzlich nichts Neues, auch wenn der TVB sich frühzeitige Planungssicherheit wünscht. Doch selbst im Falle des Abstiegs „würde das nicht groß etwas ändern, auch nicht an der Mannschaftszusammensetzung“, betont Schweikardt, da quasi alle Spieler noch einen laufenden Vertrag haben. Dennoch: „Wir wären natürlich darauf angewiesen, dass unsere Sponsoren einen möglichen Abstieg begleiten.“ So weit ist es noch nicht. Der Fokus liegt auf dem Spiel gegen den TBV Lemgo – und den weiteren Wochen. Der Februar wird zum Monat der Wahrheit mit sieben Spielen in vier Wochen.

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