Handball-Bundesliga Konsequenzen aus Corona: TVB Stuttgart mus den Etat abspecken

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Nachdem die Saison in der Handball-Bundesliga abgebrochen worden ist, hat sich Jürgen Schweikardt vom TVB Stuttgart geäußert: Der Verein muss kleinere Brötchen backen – nicht nur er.

Der Handball ruht derzeit – zumindest bis September. Foto: Baumann
Der Handball ruht derzeit – zumindest bis September. Foto: Baumann

Stuttgart - Am Dienstag hat die Handball-Bundesliga (HBL) den endgültigen Abbruch der Saison wegen der Corona-Krise verkündet, einen Tag später hat sich Jürgen Schweikardt als Trainer und Geschäftsführer des TVB Stuttgart nochmals in verschiedenen Punkten zu den Auswirkungen auf seinen Verein geäußert.

Jürgen Schweikardt über … den Abbruch: Natürlich will man die Entscheidung auf dem Feld treffen und nicht am grünen Tisch, zumal es sportlich für uns zuletzt gut lief und wir nochmals angreifen wollten. Dennoch haben auch wir für den Abbruch gestimmt, weil der sportliche Wunsch finanziell nicht machbar war. Wir hätten die staatliche Hilfe durch das Kurzarbeitergeld verloren, und auf der anderen Seite keine signifikanten Einnahmen gehabt, dafür aber Kosten für die Corona-Tests oder aber auch Hotel-Aufenthalte. Dennoch muss ich sagen, dass das von Berlins Geschäftsführer Bob Hanning vorgeschlagen Konzept mit Spielen an bestimmten Orten spannend war, nur zum jetzigen Zeitpunkt nicht durchführbar. Als Tabellen-Zwölfter haben wir die beste Platzierung in der Bundesliga erreicht und unser Saisonziel Klassenerhalt zudem mehr als erfüllt.

Schweikardt über … Dauerkarten: Unsere Dauerkarteninhaber (etwa 1800) haben ein Anrecht darauf, die entgangenen drei Heimspiele anteilig erstattet zu bekommen. Darüber werden sie in den nächsten Tagen informiert. Natürlich sind wir auch froh und dankbar, wenn jemand darauf verzichtet – aber wir erwarten das nicht.

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Schweikardt über … Sponsoren: Bei den Gesprächen mit unseren Werbepartnern ist durchgeklungen, dass viele von ihnen auf Regressforderungen wegen der fehlenden Spiele verzichten werden, was die laufende Runde betrifft. Aber wir haben auch schon 50 Prozent der Verträge für nächste Saison abgeschlossen – und da lautet der Tenor: Wenn irgendwie möglich machen wir weiter – aber da müssen wir jetzt mal abwarten. Klar ist, dass wir beim Etat von knapp 4,5 Millionen Euro Abstriche machen müssen. Wie hoch die sein werden, lässt sich aktuell nicht seriös sagen, weil zu viele Unbekannte vorhanden sind, was die nächste Saison angeht. Generell ist in der Liga ja von 30 bis 40 Prozent die Rede, auch wenn wir alles versuchen werden, so eine Größenordnung zu verhindern.

Schweikardt über … die neue Saison: Im Moment ist sich die HBL darin einig, dass wir spätestens im September wieder beginnen müssen, um mit dem Handball präsent zu sein – ob mit oder ohne Zuschauer. Und klar ist auch, wir können Geisterspiele oder besser so genannte Medienspiele im Herbst nicht ausschließen. Aber wir können aktuell noch nicht alle möglichen Konzepte durchspielen. Natürlich könnte man sich überlegen, in die Bittenfelder Gemeindehalle zu gehen, um Kosten zu sparen, aber ich denke, dass die Infrastruktur fürs Fernsehen dort nicht gegeben ist. Unser Ansprechpartner ist die Stadt Stuttgart, um mögliche Konditionen für die Scharrena anzupassen.

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Schweikardt über … die Mannschaft: Sollten die Einnahmen entscheidend zurückgehen, werden wir nicht umhin kommen, nochmals das Gespräch mit der Mannschaft zum Thema Gehaltsverzicht zu suchen. Aktuell ist lediglich noch die Torwart-Situation offen, sowohl was Nick Lehmann als auch Johannes Bitter betrifft, mit dem der Verein in guten Gesprächen ist. Er kann die aktuelle Situation sehr gut einschätzen, und ich gehe nicht davon aus, dass es zu einer Trennung kommen wird.

Schweikardt über … die Vorbereitung: Es lässt sich aktuell schwer sagen, wann wir wieder ins Training einsteigen, geplant ist Anfang Juli. Auch das Trainingslager in Österreich haben wir noch nicht ganz abgeschrieben, auch wenn aktuell daran nur schwer zu denken ist. Wir müssen geduldig sein und – ähnlich wie in der Politik – vielleicht alle zwei Wochen neue Entscheidungen treffen.

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