Handball-Bundesliga Warum Corona den Handball härter trifft als Fußball

Wurde nach dem Spiel in Göppingen positiv getestet: Silvio Heinevetter (re.) von der MT Melsungen, hier gegen Frisch-Auf-Linksaußen Marcel Schiller. Foto: imago/Rudel
Wurde nach dem Spiel in Göppingen positiv getestet: Silvio Heinevetter (re.) von der MT Melsungen, hier gegen Frisch-Auf-Linksaußen Marcel Schiller. Foto: imago/Rudel

In der Handball-Bundesliga sind bereits 19 Spiele Corona-bedingt abgesetzt worden. Ist das Risiko in der Halle größer oder die Lobby kleiner als im Fußball?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart - Wie der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) die nächsten Spielausfälle aufgenommen hat: „Mit Erschütterung“, sagt Frank Bohmann am Mittwochvormittag, „aber das ist der Lauf der Dinge.“ Durch die positiven Tests beim Melsunger Trio Silvio Heinevetter, Timo Kastening und Yves Kunkel fielen die nächsten drei Spiele aus.

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Darunter auch die für vergangenen Dienstag geplante Partie des TVB Stuttgart bei der MT Melsungen sowie die für Mittwoch in Berlin und diesen Samstag gegen GWD Minden vorgesehen Partien von Frisch Auf Göppingen. Bei Frisch Auf ist bisher niemand positiv auf Corona getestet worden, doch da das Team am Sonntag gegen die Melsunger gespielt hat, wurde die komplette Mannschaft in Quarantäne geschickt. Die Entscheidung fällten die Gesundheitsämter Kassel und Göppingen gemeinsam.

19 Spiele bereits abgesetzt

Corona trifft den Handball hart, 19 Spiele wurden wegen der Pandemie in dieser Saison bereits abgesetzt. Und nicht wenige fragen sich: Wie macht der Fußball das, wo in der Bundesliga in dieser Runde bisher alles wie geplant über die Bühne ging? Dort werden einzelne positiv getestete Spieler und Kontaktpersonen ersten Grades isoliert – und ansonsten läuft der Betrieb ganz normal weiter. Wie zuletzt im Fall des VfL Wolfsburg vor dem Duell mit dem VfB Stuttgart. „Das ist schon auffällig“, räumt auch Bohmann ein, doch für den HBL-Chef steht fest: „Das liegt sicher nicht an den mächtigen Fußballmanagern, die ihren Einfluss bei den Gesundheitsämtern ausüben.“ Dennoch ist nicht gänzlich auszuschließen, dass die größere Lobby des Profifußballs bisweilen nicht ohne Wirkung bleibt, meinen Insider.

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Natürlich geht es im Handball auch körperbetonter zu als im Fußball. Die Handgreiflichkeiten speziell am Kreis finden hautnah statt. Jürgen Schweikardt, der Trainer und Geschäftsführer des TVB Stuttgart, vermutet, dass der größte Unterschied darin liegt, dass im Fußball draußen trainiert und gespielt wird. „Sport an der frischen Luft wird von den Gesundheitsämtern offensichtlich anders bewertet als der in der Halle“, sagt der 40-Jährige. Dies bestätigte der Experte Florian Kainzinger bereits im November: „Klar ist, dass Sportarten, die draußen stattfinden, durch die Luftbewegung und den größeren Raum ein wahrscheinlich niedrigeres Infektionsrisiko haben.“ Er glaubt, dass das größte Infektionsrisiko für Fußballer, Handballer oder Basketballer nicht auf dem Spielfeld oder Trainingsplatz besteht, sondern im Zusammensein des Teams, in der Umkleidekabine, beim Duschen, bei den Mahlzeiten, bei gemeinsamen Reisen im Bus.

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Für die Wolfsburger Fußballprofis sprach dabei, dass sie sich auf dem modernen Vereinsgelände immer verteilt auf mehrere Umkleidekabinen umgezogen haben. Hinzu kommt die detailliertere Kontaktnachverfolgung. „Da ist der Fußball besser als wir“, gibt Bohmann zu.

TVB spielt am 26. Dezember

Nun hofft er, dass alle restlichen Handball-Bundesligaspiele, darunter das Heimspiel des TVB Stuttgart am zweiten Weihnachtsfeiertag (16 Uhr/Porsche-Arena) gegen den Bergischen HC, über die Bühne gehen. Dann folgt am 28./29. Dezember das Final Four um die Champions League in Köln (mit dem THW Kiel) und die WM in Ägypten (13. bis 31. Januar 2021). Klar hat er Bauchweh vor diesen umstrittenen Titelkämpfen, doch die vergangene Frauen-EM macht ihm Mut: „Lob an die EHF. In Dänemark ist das Konzept in der Bubble zu 100 Prozent aufgegangen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Kollegen vom Weltverband das in Kairo genauso gut hinbekommen.

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