Handel in Bad Cannstatt Kaufhof: Die Zeichen stehen auf Abriss

Das  Kaufhof-Gebäude am Rand der Altstadt von Bad Cannstatt. Foto: Sebastian Steegmüller
Das Kaufhof-Gebäude am Rand der Altstadt von Bad Cannstatt. Foto: Sebastian Steegmüller

Im Oktober vergangenen Jahres hat der Kaufhof in der Marktstraße seine Pforten für immer geschlossen. Nun soll das Gebäude wohl abgerissen werden. Übrig bleiben würde eine riesige Brachfläche mitten in der Altstadt.

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Bad Cannstatt - Kann das mehr als 50 Jahre alte Kaufhof-Gebäude so lange erhalten bleiben, bis ein neues Nutzungskonzept vorliegt? Wohl nicht. Seit einigen Wochen kursieren Gerüchte in der Altstadt, dass im Oktober die Bagger anrollen und den Komplex, der seit Oktober leer steht, platt machen werden. Nicht nur aus Sicht des Einzelhandels ein Katastrophen-Szenario. Denn eine riesige Brachfläche an dieser städtebaulich markanten StelleCannstatts braucht nun wirklich niemand.

Gerade das möchte nun ein überparteiliches Bündnis aus den Bad Cannstatter Bezirksbeiratsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und PULS verhindern und sammelt seit geraumer Zeit Unterschriften gegen einen voreiligen Abriss. Dafür wurden bisher etwa 500 Unterschriften vor Ort in der Marktstraße sowie per Online-Petition gesammelt. „So lange nicht klar ist, was auf dem etwa 4000 Quadratmeter großen Kaufhof-Areal folgen soll, ist der geplante Abriss im September 2021 ziellos und ein großes Risiko für den Handel in der Altstadt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Bündnis stellt sich nicht kategorisch gegen einen Abriss, aber bis ein neues Bebauungs- und Nutzungskonzept steht, muss zwingend eine Interimsnutzung des Gebäudes angestrebt werden. Als positives Beispiel für solch eine Lösung wird das Fluxus in der Calwer Passage in der Stuttgarter Innenstadt genannt. „Wir erhalten klaren Zuspruch auf der Straße“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Mit seiner Lage zwischen Wilhelmsplatz und Marktstraße sei das Kaufhof-Areal von zentraler Bedeutung für die Attraktivität der Marktstraße. Eine Brachfläche an dieser Stelle würde den Einzelhandel negativ beeinflussen, während die Geschäfte durch die Folgen der Pandemie schon genug zu kämpfen hatten und haben. Eine jahrelange „Bretterbude“ wie gegenüber dem Carré Bad Cannstatt gilt es an dieser exponierten Stelle zu verhindern.

Zwischennutzung gefordert

Unterstützt wird der wohl letzte Rettungsversuch für das Kaufhof-Gebäude durch eine Unterschriftensammlung des Gewerbe- und Handelsvereins. „Wir haben unsere Mitglieder aufgefordert, sich mit Ideen für eine Zwischennutzung einzubringen“, so GHV-Chef Achim Barth. Unabhängig von deren Ideen gibt es bereits etliche Vorschläge für eine Zwischennutzung: Neben einem Biomarkt wurden Flohmärkte, ein Wochenmarkt, ein türkisches Kaufhaus, ein Breuninger-Outlet oder Tanzveranstaltungen genannt. Und da die lokalen Vereine eigentlich immer auf Raumsuche sind, würde sich hierfür der Kaufhof ebenfalls anbieten. Nach Meinung des GHV-Chefs ist alles besser, als ein kopfloser Abriss und eine jahrelange Brachfläche an exponierter Stelle.

Doch angesichts der schwierigen Grundstücksverhältnisse und des bereits Ende September auslaufenden Erbpachtvertrags, erscheint ein längerfristiger Erhalt des Kaufhofgebäudes unrealistisch. Zumal die jetzigen drei Eigentümer des Geländes zwischen Markt- und Badstraße der Signa-Gruppe des österreichischen Immobilienmoguls René Benko offenbar nicht über den Weg trauen. Fakt ist: Der Signa-Konzern ist vertraglich dazu verpflichtet, das Gelände in wenigen Wochen „besenrein“ – also ohne Gebäude – zu übergeben. Und angesichts der Tatsache, dass der in Immobilienkreisen nicht unumstrittene Benko sein finanzielles Engagement in der Landeshauptstadt auf die Innenstadt und dort vor allem auf die ehemalige Kaufhof-Karstadt-Filiale richten möchte, lässt die Vermutungen reifen, dass der Milliardär das Thema „Kaufhof in der Marktstraße“ so schnell wie möglich und billig „vom Acker haben“ möchte.

Müllproblem rund ums Gebäude

Fraglos ist das Vertrauen in den Signa-Konzern, der erst Ende September 2020 ein Insolvenzverfahren abgeschlossen hatte und durch den erneuten Lockdown gleich wieder in Schwierigkeiten geraten ist, nicht sehr groß. Auch in Bad Cannstatt. Zumal Signa sich nicht besonders um den Gebäudezustand zu kümmern scheint. Rund um den Komplex – vor allem an der Laderampe und im Bereich der SSB-Haltestelle – hat sich in den vergangenen Wochen jede Menge Müll angesammelt. Entfernt haben diesen jedoch nicht der Pächter Signa, sondern die Cannstatter Grünen.

Der optisch heruntergekommene Zustand ist natürlich auch den Verantwortlichen der BW-Bank ein Dorn im Auge. Sie wollen deshalb bis zum Umzug in die Seelbergstraße Anfang Oktober jeden Montag reinigen lassen. Zudem stimmte der Bezirksbeirat einem SPD-Antrag zu, hierbei die Signa verstärkt in die Pflicht zu nehmen. Falls die weiter nicht reinigen lässt, soll das die Abfallwirtschaft übernehmen und die Kosten der Signa in Rechnung stellen.

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