Stadtrat will OB werden Das will Hannes Rockenbauch in Stuttgart verändern

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Hannes Rockenbauch tritt nach 2012 erneut bei der Stuttgarter OB-Wahl an. Der Kandidat des Linksbündnisses sagt, man dürfe bei den Problemthemen Klima, Wohnen und Verkehr „nicht noch einmal acht Jahre verlieren“.

OB-Kandidat: Hannes Rockenbauch will es ein zweites Mal wissen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
OB-Kandidat: Hannes Rockenbauch will es ein zweites Mal wissen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur zur OB-Wahl im November wird Hannes Rockenbauch persönlich. Natürlich hat der Stadtrat des Linksbündnisses, der für die Wählergruppe SÖS im Rat sitzt, sich gefragt, warum er nach 2012 ein zweites Mal antritt. „Warum tue ich mir den Stress an?“ Die Antwort hatte er da bereits gegeben und einen weiten Bogen von seiner Jugendzeit im Stuttgarter Osten bis heute geschlagen.

Schon mit zehn Jahren, erzählt Rockenbauch, habe er seine erste Demonstration organisiert, nach dem tödlichen Unfall eines Nachbarjungen mit Rollschuhen am Stöckach seien sie auf eben solchen vors Rathaus gefahren. Und als er 1997 bei der offenen Bürgerbeteiligung zu Stuttgart 21 als Sprecher der Arbeitsgruppe Kinder und Jugend im Rathaus ein Referat hielt, habe er dies unter dem Eindruck des tödlichen Fahrradunfalls seines Lieblingslehrers in der City gemacht.

Stuttgart soll beim Klima „Modellstadt“ werden

Seither hat der Architekt und Stadtplaner die Vision einer lebendigen, grünen, kinderfreundlichen Stadt, die sozial- und klimagerecht ist. Heute seien die Städte „nicht zukunftsfähig“, ist Rockenbauch überzeugt, der am Sonntag 40 Jahre alt wird. Da nimmt er Stuttgart nicht aus.

Auf dem Weg dahin dürfe man „nicht noch einmal acht Jahre verlieren“, kritisiert Rockenbauch Amtsinhaber Fritz Kuhn (Grüne). Man brauche „mehr Mut“ für eine Verkehrswende, die den Namen verdient, für die Lösung des Wohnungsproblems und für Klimagerechtigkeit. Das von Kuhn und vom Rat aufgelegte 200-Millionen-Euro-Klimapaket hält Rockenbauch für unambitioniert. Er wolle ein klimaneutrales Stuttgart nicht erst 2050, sondern „spätestens 2030“, die Stadt müsse „Modellstadt“ werden. Für diesen Prozess brauche man ein eigenes Amt, mehr Geld und mehr Personal. „Stuttgart kriecht nur langsam voran“, kritisierte Klimaaktivistin Nisha Toussaint-Teachout. Beim Klima wie bei den Themen Wohnen und Verkehr setzt Rockenbau, der dem Rat seit 16 Jahren angehört, auf intensive Bürgerbeteiligung. Stuttgart solle eine „Mitmach-Stadt für alle“ werden.

„Politik für Investoren und Reiche“

Er strebt die kostenlose Nutzung und den massiven Ausbau des ÖPNV an. Für mehr Wohnungsbau und eine sozial gerechte Wohnungspolitik hält Rockenbauch eine „strategische Bodenbevorratung“ für zwingend. Britta Mösinger vom Aktionsbündnis Recht auf Wohnen, das zu den Unterstützern Rockenbauchs gehört, sagte: „Aktuell betreibt die Stadt eine Politik für Immobilienfirmen, Investoren und Reiche.“ Die Lage für Mieter sei „dramatisch“.

Zur Organisation des Wahlkampfs in Zeiten von Corona strebt Rockenbauch eine Verzahnung von klassischem Wahlkampf und Online-Beteiligung an. So soll Ende Juli eine Wahlplattform für die „virtuelle Beteiligung“ freigeschaltet werden. Mit „Bürgerwerkstätten“ will er die Menschen an der Entwicklung von Zukunftsideen beteiligen.

Bei der OB-Wahl 2012 bekam Rockenbauch 10,4 Prozent der Stimmen.

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