Krimikolumne

Hans-Henner Hess: „Herrentag“ Sex and Crime and Comedy

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Rechtsanwalt Fickel ist das genaue Gegenteil eines Karrierejuristen: Essen und Trinken interessieren ihn mehr als Paragrafen und Schriftsätze. Doch unversehens muss er einen Kollegen verteidigen, der eine Richterin ermordet haben soll. Sehr deftig. Und sehr amüsant.

Kein Respekt vor schwarzen Roben: Hans-Henner Hess kennt sich mit Juristen aus. Foto: Jordis Antonia Schlösser/Ostkreuz
Kein Respekt vor schwarzen Roben: Hans-Henner Hess kennt sich mit Juristen aus. Foto: Jordis Antonia Schlösser/Ostkreuz

Stuttgart - Ludwig Thoma sagt: „Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand.“ Über Hans-Henner Hess, Jahrgang 1973, könnte man sagen: Er ist ein heute anderweitig tätiger Volljurist und auch sonst mit einer beträchtlichen Menge Humor gesegnet – was er mit seinem Justizkrimi „Herrentag“ beweist.

Einspruch, Euer Ehren: Hess’ Geschichte des ebenso ambitions- wie erfolglosen Anwalts Fickel verliert sich nach einer munteren, mit unterhaltsamen Einblicken ins Justizwesen gespickten Exposition etwas in den Tiefen der Meininger Provinz. Der Stil wolfhaaselt ein klein bisschen nervig vor sich hin, bis hin zur Stilblüte („Nicht, dass der Fickel direkt ein Faible für heißes Kerzenwachs, Latexhöschen oder Handschellen gehabt hätte, eher im Gegenteil“). Und überhaupt werden einzelne Frauen in einer Weise geschildert, wie sie bei blaustrümpfigen LeserInnen wahrscheinlich nicht so gut ankommt. Also!

Einspruch abgewiesen: die stellenweise aberwitzige Geschichte des Juristen, der zum Detektiv wider Willen wird, weil er als Pflichtverteidiger einen Kollegen vertreten muss, der wiederum im Verdacht steht, seine Ausbildungsrichterin ermordet zu haben, diese Geschichte ist allerbeste Hausmannskost. Hess schildert das wilde, unmoralische, ja teilweise sogar strafrechtlich schwer relevante Treiben der abgebrochenen wie auch der Karrierejuristen im Freistaat Thüringen. Er hat Sympathie für seinen Helden, der eigentlich nur in Ruhe essen, trinken und ausschlafen will, und er scheint während seiner Ausbildung dem einen oder anderen Prädikatskollegen begegnet zu sein, dessen Züge jetzt möglicherweise literarisch verarbeitet sind.

Urteil: ein blitzsauberer Provinzkrimi mit einer anständigen Portion Sex and Crime and Comedy. Revision nicht zugelassen.

Hans-Henner Hess: „Herrentag“. DuMont Buchverlag, Köln. 384 Seiten, Paperback, 9,99 Euro. Auch als E-Book, 7,99 Euro.

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