Haus Hohenzollern Wer sind die Preußen – und worum geht’s im Clinch mit dem Staat?

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Wahrscheinlich kaum jemand hat die deutsche Geschichte stärker geprägt als die Hohenzollern. Jetzt steht die Familie wieder im Licht der Öffentlichkeit. Es geht um Schlösser, Kunst und Geld.

Georg Friedrich Prinz von Preußen ist der Chef des Hauses Hohenzollern. Er und seine Frau Sophie haben vier Kinder. Foto: dpa 10 Bilder
Georg Friedrich Prinz von Preußen ist der Chef des Hauses Hohenzollern. Er und seine Frau Sophie haben vier Kinder. Foto: dpa

Stuttgart - Ihre Herkunft tragen die Hohenzollern im Namen: Das Adelsgeschlecht, das über Jahrhunderte preußische Könige und deutsche Kaiser stellte, kommt von der Alb. Genauer, der Zollernalb, wo die Stammburg der Familie steht. Wahrscheinlich kaum jemand hat die deutsche Geschichte stärker geprägt als die Hohenzollern – im Guten wie im Schlechten. Der „Alte Fritz“, der aufgeklärte und reformfreudige Preußenkönig des 18. Jahrhunderts: Ein Mitglied der Hohenzollern. Der letzte Kaiser, der Deutschland in einen verheerenden Krieg führte: Aus der Dynastie der Hohenzollern. Doch wie kam es dazu, dass ein Adelsgeschlecht aus dem schwäbischen Hechingen in der Weltgeschichte mitmischte? Eine Spurensuche.

Wie kamen die Hohenzollern von Hechingen nach Preußen?

Ihren Stammsitz haben die Hohenzollern bis heute auf der gleichnamigen Burg auf der Schwäbischen Alb. Bis ins 11. Jahrhundert gehen die Wurzeln der Familie zurück. 1061 wurde sie das erste Mal erwähnt. Anfang des 13. Jahrhunderts trennte sich das Fürstengeschlecht in zwei Linien, als die Brüder Konrad und Friedrich getrennte Wege gingen.

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Friedrich begründete die schwäbische Linie, die seit Jahrhunderten im Schloss Sigmaringen an der Donau zu Hause ist. Konrad hingegen ist der Urvater der fränkischen Linie in Nürnberg. Seine Nachfahren dehnten ihre Macht im Laufe der Jahrhunderte bis nach Brandenburg aus, wurden Kurfürsten und schließlich 1701 Könige von Preußen.

Im 18. Jahrhundert machte „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. Preußen zu einer starken Militärmacht. Sein Sohn Friedrich II. ging als „der Große“ in die Geschichte ein.

Wie wurden aus den Preußenkönigen die deutschen Kaiser?

Nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Reiches rief Otto von Bismarck 1871 den Hohenzollern Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser aus. Wilhelm hatte es neben dem machtbewussten Reichskanzler Bismarck nicht leicht. Offene Feinde der Monarchie gab es außerdem etliche. Der Kaiser überlebte mehrere Attentatsversuche. Er starb 1888 hochbetagt im Palais Unter den Linden.

1888 ging als das „Drei-Kaiser-Jahr“ in die deutsche Geschichte ein. Wilhelms Sohn Friedrich III. galt als modern und liberal. Als er seinem Vater im März 1888 auf den Thron folgte, war er aber bereits schwer krank. Friedrich III. litt unter Kehlkopfkrebs. Dieser war schon so weit fortgeschritten, dass der Kaiser nicht mehr sprechen konnte. Nur 99 Tage dauerte Friedrichs Regentschaft. Im Juni schloss er in Potsdam für immer die Augen.

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Letzter deutscher Kaiser wurde Friedrichs Sohn, Wilhelm II., Enkel der britischen Queen Victoria. Dieses Verwandtschaftsverhältnis hinderte Wilhelm II. nicht daran, 1914 unter anderem gegen das Geburtsland seiner Mutter in den Krieg zu ziehen. Die Historikerzunft geht nicht eben gnädig mit Wilhelm um: Er galt als eitel, hochfahrend und verliebt in alles Militärische. Gleichzeitig soll er unsicher und schüchtern gewesen sein. Sein Leben lang litt der Kaiser an seinem von Geburt an verkrüppelten Arm. Am Ende des verlorenen Ersten Weltkriegs 1918 sah Wilhelm sich zur Abdankung gezwungen. Er ging ins Exil in die Niederlande. Bis zu seinem Tod am 4. Juni 1941 lebte er im Haus Doorn in der Provinz Utrecht.

Wie ging es mit den Hohenzollern nach 1918 weiter?

Nach dem Tod Wilhelms II. im niederländischen Exil wurde sein Sohn, der ehemalige Kronprinz Wilhelm, Chef des Hauses Hohenzollern. Historiker werfen dem Aristokraten vor, er habe dem nationalsozialistischen Regime gegenüber durchaus Sympathien gehegt. So soll Wilhelm seinem Sohn Kontakte in den Widerstand um Claus Schenk Graf von Stauffenberg untersagt haben. Die Hohenzollern glaubten wohl, Adolf Hitler werde ihnen wieder auf den Thron verhelfen. Der „Führer“ erhielt zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bei gewonnenen Schlachten sogar Gratulationsschreiben aus dem ehemaligen Herrscherhaus.

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1951 übernahm Wilhelms Sohn Louis Ferdinand den Chefposten im Hause Hohenzollern. Seine beiden ältesten Söhne heirateten bürgerlich. Chef des Hauses wäre sein dritter Sohn geworden. Doch der angehende Reserveoffizier starb 1977 mit nur 32 Jahren bei einem Manöverunfall.

Georg Friedrich von Preußen – wer ist der aktuelle Chef des Preußen-Clans?

Nach dem Tod seines Sohnes bereitete Louis Ferdinand seinen Enkel auf die Rolle des Hohenzollern-Chefs vor. Seit 1994 steht der 1976 geborene Georg Friedrich Prinz von Preußen dem Hause vor – damals war er zarte 18 Jahre alt. Georg Friedrich, Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, verbrachte seine Kindheit in Fischerhude bei Bremen.

Der studierte Betriebswirt arbeitet als Unternehmensberater und heiratete 2011 Sophie Prinzessin von Isenburg. Das Paar, das sich noch aus dem Sandkasten kennt, hat vier Kinder: 2013 kamen die Zwillinge Carl Friedrich und Louis Ferdinand zur Welt, zwei Jahre später folgte Emma Marie. 2016 erblickte noch ein Sohn das Licht der Welt: Heinrich Albert Johann Georg.

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Georg Friedrich gilt als umgänglich und bescheiden und wirkte auch an Fernsehdokumentationen über seine illustre Familie mit. Doch hinter den Kulissen kann der Preußenprinz auch knallharter Geschäftsmann sein – wie der aktuelle Streit mit dem Land Brandenburg zeigt.

Worum geht es im Streit mit dem Land Brandenburg?

Mit der Ausrufung der Republik 1918 wurde auch das fabelhafte Vermögen der Hohenzollern beschlagnahmt. Bis weit in die 1920er Jahre hinein stritt die Familie mit dem deutschen Staat um ihre Besitztümer. 1926 einigte man sich – doch bis heute wird hinter den Kulissen um das Erbe der Hohenzollern gekämpft.

Die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers fordern vom Land Brandenburg unter anderem 1,2 Millionen Euro Entschädigung, weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg von den Sowjets enteignet wurden. Außerdem wollen sie auch die Rückgabe von Kunstschätzen aus den Museen in Berlin und Brandenburg – und ein Wohnrecht im Potsdamer Schloss Cecilienhof oder einer anderen hochherrschaftlichen Immobilie.

Um bedeutende Kunstwerke soll es nach unbestätigten Medienberichten gehen: ein Watteau-Gemälde zum Beispiel oder der Sterbesessel von Friedrich II. Cecilienhof, 1917 für den damaligen Kronprinzen Wilhelm und seine Frau Cecilie im englischen Landhausstil erbaut, hat 176 Zimmer und liegt in Potsdams Neuem Garten.

Das Land Brandenburg argumentiert aber so: Betroffenen von Enteignungen stehen keine Entschädigungen zu, wenn sie dem nationalsozialistischen System „erheblich Vorschub“ geleistet haben. Nun muss geprüft werden, wie eng die Verflechtungen zwischen dem NS-Regime und den Hohenzollern tatsächlich waren.

Markus Hennig, Anwalt des Hohenzollern-Hauses, wirbt um Verständnis für seinen Mandanten und warnt vor einer „Skandalisierung“. Die Hohenzollern wünschen sich eine „einvernehmliche Gesamtregelung“. Schließlich hat die Familie einen Ruf zu verlieren – Adel verpflichtet eben.




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