InterviewHeaven Shall Burn Von der Bereitschaft, sich für die Wahrheit zu opfern

Von Stefanie Bernhardt 

Nach der „The Final March“-Tour 2018 verabschiedeten sich Heaven Shall Burn auf unbestimmte Zeit in eine Pause. Nun melden sich die Musiker mit dem Album „Of Truth And Sacrifice“ zurück. Ein Gespräch mit Maik Weichert, dem Kopf der Band.

Mit „Of Truth And Sacrifice“, haben Heaven Shall Burn ihr achtes Album veröffentlicht. Foto: Candy Welz/Candy Welz
Mit „Of Truth And Sacrifice“, haben Heaven Shall Burn ihr achtes Album veröffentlicht. Foto: Candy Welz/Candy Welz

Stuttgart - Wenn eine Band sich auf unbestimmte Zeit in eine Pause verabschiedet, dann müssen die Fans sich in der Regel in Geduld üben. Schließlich weiß man dann nie, wann es neue Musik auf die Ohren gibt und ob die Band überhaupt wieder ins Studio geht. Umso größer dürfte die Freude diverser Metalcore-Hörer gewesen sein, als Heaven Shall Burn im Lineup von Rock am Ring, Nova Rock und With Full Force auftauchten. Kurz danach folgte schon die Information, dass man an einem neuen Album arbeite. „Wir haben während der Auszeit aber schon zwei Jahre die Füße stillgehalten“, berichtet Gitarrist Maik Weichert und gibt zu, dass das nicht immer leichtgefallen ist. „Wenn man dann sieht, dass alle Kumpels Backstage auf dem Summer Breeze Party machen, dann fällt das schon schwer.“ Auch wenn das Leben ohne Live-Verpflichtungen natürlich viel Zeit für die Familie gebracht hat, die jeder der Musiker genutzt hat. Doch die Familie war nicht der einzige Grund für die Auszeit der leidenschaftlichen Musiker: “Wir wollten einfach auch aus dem bisherigen Kreislauf der Musikindustrie mit fixen Veröffentlichungsterminen ausbrechen.“

Das achte Album trägt den Titel „Of Truth And Sacrifice“

Durch die Pause und die damit gewonnen Zeit lief die Produktion entspannter ab als bisher. „Die Pause und damit verbundene Zeit hat uns schon viel Freizeit gebracht“, betont Weichert und ergänzt: „Das lief alles eher so projektmäßig.“ Sicher ein Gewinn für die Musiker, die alle noch „normalen“ Berufen nachgehen. Die international schwer erfolgreiche Band bleibt also Hobby.

Die intensive Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt, die zuerst veröffentlichte Doppelsingle „Protecor/Weakness Leaving My Heart“ kam bei den Fans äußerst gut an und die Kommentare unter dem Video waren durchweg positiv. Eine Tatsache, die auch die Band wahrnimmt. „Es war ja eine bewusste Entscheidung, so zu klingen wie früher. Wir sind natürlich happy, wenn das bei den Fans gut ankommt“, sagt Weichert.

Wie man es von den Thüringern gewohnt ist, beschäftigen sie sich auf „Of Truth And Sacrifice“ wieder mit aktuellen Themen und nutzen die Musik als Sprachrohr. „Wenn man es runterbricht, beschäftigt sich das Album mit dem Verhältnis von Wahrheit und Opferbereitschaft“, erklärt Maik Weichert, der auch die Texte schreibt, den Titel der Platte. Heutzutage sei es viel zu einfach, wenn einem die eine „Wahrheit“ nicht passe, schnell Gleichgesinnte zu finden. „Aber man darf eben nicht glauben, dass man nach 20 Minuten Google den gleichen Durchblick hat wie ein Klimaforscher“, stellt der Musiker klar. Während wir uns hierzulande viel zu schnell von Tatsachen abwendeten, kämpfe man in anderen Ländern dafür, unbequeme Fakten zu verbreiten. „Und dann gibt es eben die Journalistin, die auf Malta getötet wird oder den Lehrer in Afrika, der für die Wahrheit sein Leben riskiert.“

Dem Musiker ist es dabei wichtig zu betonen, dass es nicht um verschiedene Meinungen und Ansichten geht, sondern um Fakten. „Aber ich finde es schon problematisch, dass plötzlich über grundsätzliche Menschenrechte verhandelt wird, die nicht verhandelbar sind.“ Damit geben wir nach Meinung der Band einen großen Teil Freiheit auf und machen uns angreifbar. „Genau das ist es ja, was die AfD will. Denn Leute die Angst haben, sind leicht zu teilen und zu regieren.“

Im Kampf gegen rechts und für die Umwelt

Von Beginn an setzte Heaven Shall Burn sich gegen rechts und für den Umweltschutz ein. Fühlt sich das heutzutage nicht manchmal an, als würde man gegen Windmühlen kämpfen? „Manche Kämpfe sind eben auch dafür da, dass es nicht noch schlimmer wird“, erklärt Gitarrist Weichert und betont, dass man eben nicht resignieren oder gar zum Zyniker werden dürfe. Außerdem ist ihm wichtig, auch weiter offen auf Menschen zuzugehen: „Gerade, wenn man alles zum Kotzen findet, und die Menschheit schlimm ist, darf man dem Einzelnen nicht so negativ gegenübertreten.“

Heaven Shall Burn schafft es also trotz allem, optimistisch zu bleiben, auch wenn die Band von den jüngsten Vorgängen in ihrer Heimat Thüringen zwar geschockt, aber nicht überrascht war, da die Parteien hinter geschlossenen Türen schon lange miteinander gesprochen hätten. „Mich hat nur die Art und Weise überrascht“, gibt Weichert zu. „Ich meine, die haben wirklich geglaubt, sie kommen damit durch.“

Die Musik ist Sprachrohr, nicht Ventil

Um weiter auf die Probleme in der Welt aufmerksam zu machen, bleiben Heaven Shall Burn ihrem thematischen Spektrum treu. „Die Musik ist für uns wie ein Lautsprecher, um auf Themen hinzuweisen“, erklärt Weichert. So können die Musiker die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen legen und auch die Fans dazu bringen, sich mit etwas auseinanderzusetzen. Auch bei ihren Musikvideos setzen die Musiker gerne Akzente – so geht Sänger Marcus im Clip zu „Hunters Will Be Hunted“ auf die Jagd und schießt am Ende auf eine junge Frau. Das Video zu „My Heart And The Ocean“ vom aktuellen Album enthält zahlreiche Bilder der Organisation Sea Sheperd, die sich für den Schutz der Weltmeere einsetzt.

Ursprünglich waren auch kleine Clubkonzerte zur Veröffentlichung des Albums geplant. Diese mussten nun allerdings aufgrund der Coronakrise verschoben werden. Sollte es später noch zu einer ausgiebigen Tour kommen, dürfen auch sie Fans in Stuttgart hoffen. „Wir haben hier im Süden eine unserer stärksten Fanbases“, erklärt Weichert und verspricht: „Bei einer Tour werden wir sicher auch in Baden-Württemberg auftreten.“

Of Truth And Sacrifice erscheint am 20. März