Krimikolumne

Heimkino: „In the Name of the Son“ Mit der Waffe in die Kirche

Elizabeth (Astrid Whettnall), man ahnt es,  ist nicht gekommen, um die andere Wange hinzuhalten. Foto: Donau Film
Elizabeth (Astrid Whettnall), man ahnt es, ist nicht gekommen, um die andere Wange hinzuhalten. Foto: Donau Film

Zahlreiche Missbrauchsskandale und Enthüllungen über organisierte Pflichtverletzungen haben die katholische Kirche schwer erschüttert. Der sarkastische Rachekrimi „In the Name of the Son“ zeigt in drastischen Bildern die Wut gerade der Gläubigen.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - In der Kirche fliegen die Fetzen. Und die Kugeln. Und es ist nicht das Blut Christi, das da spritzt. Die engagierte katholische Radiomoderatorin und Gemeindeaktivistin Elizabeth (Astrid Whettnall) liefert sich einen Showdown mit dem Priester, in dessen Verlauf die Pistole mehrfach die Hände wechselt, das Kreuz zum Kletterbaum entweiht und sehr symbolisch ein Renovierungsgerüst zum Einsturz gebracht wird. Ja, die französisch-belgische Produktion „In the Name of the Son“ ist ein Film, in dem die Schäfchenwut über systematische sexuelle Übergriffe und Geheimbündelei der Hirten, über Doppelmoral und Heuchelei, über Verantwortungsumkehrung und schlichten Wahnsinn über und unter der Soutane endlich explodiert.

Aber nein, „In the Name of the Son“ ist nicht die vulgäre, brutale, hirnbefreite Verrohtenbelustigung, als die in Deutschland eben fast alles vermarktet werden muss, was eine Chance haben soll, ins DVD-Regal der Elektromärkte zu kommen. Der Regisseur Vincent Lannoo schildert zunächst einmal behutsam, sensibel, wenn auch mit deutlichen Strängen von Sarkasmus das gehobene Familien- und Gemeindeleben von Elizabeth, das dann von Priestern gründlich zerstört wird. Und auch nach der Katastrophe – besser gesagt, nach den Katastrophen – gibt es noch immer Szenen, die Schock, Trauer und Bewältigungstapferkeit porträtieren.

Empörung wäre fällig

Die laute Eruption von Wut wird nicht als Belohnung für geduldige Zuschauer hinter die leisen Passagen gesetzt, sie wird wirkungsvoll abrupt mit ihnen verschränkt. Aus dem bürgerlichen Familienleben – deutsche Zuschauer dürften von Astrid Whettnall hie und da an Ursula von der Leyen erinnert werden, eine von Lannoo gewiss ungeplante Wirkungsverstärkung – geht es oft mitten hinein in eine längst gestartete Actionsequenz, und ebenso abrupt zurück.

„In the Name of the Son“ will weder Blutgaudi sein noch eine seriös satirische Aufarbeitung der Missbrauchsskandale liefern. Der Film will eher mit den Bildmitteln des Rachethrillers zeigen, welches Maß an Empörung eigentlich fällig wäre, und stichelig fragen, ob sich die Gesellschaft nicht mal wieder viel zu früh mit Beschwichtigungen zufrieden gegeben hat. Mit anderen Worten: dieser Krimi will Unruhe stiften.

„In the Name of the Son“. Donau Film/Intramovies Blu-ray oder DVD. 83 Minuten. Extras: Trailer.

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