Heimsheim Die Schlegler möchten endlich sesshaft werden

Von Kathrin Klette 

Nach langer vergeblicher Suche nach einem Platz für ein Vereinsheim hat sich nun neben der Stadthalle eine geeignete Fläche aufgetan. Der Gemeinderat hat das Vorhaben bereits befürwortet. Die Mittelalterfreunde wollen sich dort künftig auch auf Schaukämpfe vorbereiten.

Die Schlegler – hier bei einem Schaukampf zwischen zwei   ihrer Ritter –  bekommen neben der Stadthalle endlich ein Zuhause. Foto: privat
Die Schlegler – hier bei einem Schaukampf zwischen zwei ihrer Ritter – bekommen neben der Stadthalle endlich ein Zuhause. Foto: privat

Heimsheim - Die Geschichte der Schlegler reicht zurück bis ins 14. Jahrhundert. Den Heimsheimer Verein „Die Schlegler“ gibt es noch nicht ganz so lange – trotzdem immerhin schon 20 Jahre. Nach einem Vereinsheim haben die Mitglieder bisher vergeblich gesucht. Nun aber hat sich eine neue Chance eröffnet. Auf dem Gelände zwischen Stadthalle und zukünftigem Bauhof könnten die Schlegler sich tatsächlich niederlassen, wenn alles gut läuft.

Der Gemeinderat hat dem Vorhaben auf jeden Fall seinen Segen gegeben und lässt den Bebauungsplan passend ändern. Derzeit wird die Bauvoranfrage vom Landratsamt bearbeitet.

„Wir hatten bisher nie ein Vereinsheim für uns“, erzählt der Vorsitzende Manfred Walter. „Im Moment trainieren wir in der Reithalle des Reitvereins.“ Doch auch dort haben die Mittelalter-Begeisterten erst seit 15 Jahren einen festen Platz. „Davor waren wir eigentlich überall, mal haben wir in einer Scheune trainiert, mal in einem Privatgebäude.“

Das größte Problem ist die Lagerung der Sachen

Doch selbst mit einem Trainingsplatz ist das fehlende „Eigenheim“ für den Verein seit jeher mit großen Einschränkungen verbunden. „Unser Hauptproblem ist: Wo lagern wir unsere Sachen?“ Denn die persönliche Ausrüstung wie Kleidung hat zwar jedes Mitglied bei sich zu Hause.

Dazu kommt jedoch ein großer Batzen an Materialien, der sich nicht so einfach im heimischen Wohnzimmerschrank verstauen lässt: Anhänger, Zelte, Absperrmaterial, eine komplette Feldküche und einiges mehr. „Momentan ist das an sieben verschiedenen Stellen untergebracht, ein Teil in Heimsheim, ein anderer sogar in Friolzheim“, berichtet Manfred Walter. „Das ist natürlich ein immenser Aufwand, das immer zusammenzuholen, wenn man es mal braucht“, bemerkt der Schleglerchef. Und das kommt gar nicht so selten vor: Erst vor kurzem haben die Schlegler einige Tage Polen verbracht, auch in Frankreich und innerhalb Deutschlands sind sie viel unterwegs und besuchen Mittelalter-Veranstaltungen. „Zum Glück haben wir die Möglichkeit, wenn die Zelte nass werden, dass wir sie bei einem unserer Mitglieder in der Scheune aufhängen können“, sagt Manfred Walter. Aber das könne auch nicht für immer die Lösung sein.

Kein Wunder also, dass die Schlegler nicht erst seit gestern nach geeigneten Räumen für ihren Verein suchen. Aber bislang wollte es einfach nicht klappen. Zuerst hatten sie das alte Feuerwehrhaus im Visier, doch das wurde im Gemeinderat abgelehnt. Unter anderem deshalb, weil das Gebäude auch von anderen Vereinen und Gruppen genutzt wird, für die es keinen alternativen Platz gegeben hätte. Danach habe es immer wieder einmal diverse Anläufe gegeben, ganze 30 verschiedene Gelände habe man sich angesehen, „aber es hat nie funktioniert, keiner wollte verkaufen“, so Manfred Walter. Zuletzt war eine Fläche auf der Wanne in den Fokus gerückt, die aber, wie sich herausstellte, bereits von der Kirche gepachtet wird. Schließlich kam der Bereich neben der Stadthalle ins Gespräch, der im Besitz der Stadt ist.

Konkrete Wünsche für ein eigenes Vereinsheim mit Freifläche

Der Wunsch der Schlegler ist ein Vereinsheim mit einer Fläche von etwa 28 mal 18 Meter und davor eine Freifläche zum Trainieren, beispielsweise für den Schaukampf und das Bogenschießen. „Für drinnen möchten wir gerne eine kleine Bühne und eine Küche, natürlich Lagerräume und eine Trainingshalle.“ Manfred Walter hofft, dass die Planungen noch dieses Jahr über die Bühne gehen und die Arbeiten nächstes oder übernächstes Jahr beginnen können. Die Finanzierung möchte der Verein zu zwei Dritteln selbst zusammenbekommen – über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuschüsse, beispielsweise von der Gemeinde und vom Landesverband für Amateurtheater. Der Rest soll über Kredite kommen.

Der Grundsatzbeschluss im Gemeinderat fiel einstimmig. Die Detailplanung steht allerdings noch aus, beispielsweise wie groß die Fläche sein wird, die dem Verein zur Verfügung stehen wird. Frei sind insgesamt 1500 Quadratmeter, schätzte der Bürgermeister Jürgen Troll. Er begrüßte das Engagement des Vereins. Zudem könne deren Ansiedlung im Bereich des neuen Bauhofs sogar noch positive Synergieeffekte mit sich bringen. Denn die Stadtkapelle, die bisher in der Stadthalle probt, wird nebenan, auf dem Bauhof, ebenfalls einen eigenen Raum bekommen.

Schlegler in Polen: