Stuttgarter Kultureinrichtungen haben palettenweise Hilfsmittel gesammelt, damit im Kriegsgebiet Kulturgüter gesichert werden können. Koordiniert wurde die Aktion von Möhringen aus.

Die Paletten stehen bereit und warten nur darauf, auf die Reise zu gehen. Auf einer liegen massenhaft Umzugskartons, ringsrum mit Klarsichtfolie verschnürt, auf der anderen Feuerlöscher, wieder auf einer anderen türmen sich gelbe Postboxen und Rollen mit Luftpolsterfolie. 17 solcher Paletten stehen in einem Lagerraum des Landeskirchlichen Archivs mit Sitz in Stuttgart-Möhringen bereit. Bestimmt sind sie für Kultureinrichtungen in der Ukraine – für Museen, für Bibliotheken, für Archive und Galerien.

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Seit langen Wochen schon tobt der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Die Verluste sind unermesslich. Neben dem riesengroßen menschlichen Leid ist auch zunehmend eine Zerstörung von Kulturgütern zu beklagen. Dinge, die unwiederbringlich sind. „Die Archive sind das Gedächtnis einer Nation“, sagt Michael Bing, der Sachgebietsleiter Archiv in der Möhringer Einrichtung. Die Ukraine habe sich daher mit einem offiziellem Hilfegesuch an die Europäische Kommission gewandt. Es würden in großer Zahl Materialien gebraucht, um Akten, Kunstgegenstände, Bücher und mehr vor Ort zu sichern und mitten im Kriegstreiben so gut wie möglich verwahren zu können.

Manpower und Material

Der Hilferuf wurde erhört. „Die Initiative ging vom Auswärtigen Amt und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aus“, sagt Michael Bing. Auf Bundesebene hat sich der Dachverband der Notfallverbünde der Sache angenommen. Einen solchen Notfallverbund gibt es auch in Stuttgart. In ihm sind 15 Kultureinrichtungen zusammengeschlossen, unter anderem die Universitätsbibliothek, das Landesmuseum, das Haus der Geschichte, das Wirtschafts- und eben auch das Landeskirchliche Archiv. Ziel der Kooperation: sich im Katastrophenfall gegenseitig mit Manpower oder mit Materialien zu unterstützen, sei es bei einem Brand oder einer Flut. „Jede Einrichtung ist froh, wenn sie im Verbund Hilfe abrufen kann“, erklärt Michael Bing.

Hilfsgüter sind auf dem Weg ins Kriegsgebiet

Im Landeskirchlichen Archiv in Möhringen wurde die Hilfsgüter-Sammlung innerhalb der Landeshauptstadt koordiniert, auch wurde hier kurzfristig das Lager eingerichtet, „weil wir einen großen Anlieferungsbereich haben“, sagt Michael Bing. Drei seiner Kollegen haben die Paletten zusammengestellt und Packlisten auf Deutsch und Englisch formuliert.

Die unterschiedlichsten Dinge sind seit Mitte März zusammengekommen, etwa Holzkisten für Bilder, Aktenboxen, rollen- und säckeweise Packmaterial; alles Dinge, die die hiesigen Kultureinrichtungen aus eigenen Beständen entbehren konnten. „Es sind im Grunde alles Spenden“, sagt er. Mittlerweile sind die Hilfsgüter auf dem Weg ins Kriegsgebiet. Am Dienstag hat das Technische Hilfswerk alles abgeholt und zu einem Zentrallager im nordrhein-westfälischen Hilden gebracht. Von dort aus geht es dann in die Ukraine.